Ab­schied vom Ka­pu­zen­pul­li

Rheinische Post Goch - - SPORT -

Tho­mas Schaf war mal ein Trend­set­ter. Lan­ge be­vor all die Si­li­con-Val­ley-Pilger in Hoo­dies schlüpf­ten, auf läs­sig-al­ter­na­tiv mach­ten und die Schlips­frei­heit zum Pro­gramm er­ho­ben, trug der Fuß­ball­leh­rer be­reits Ka­pu­zen­pul­li. Tief im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert war das. Bei Wer­der Bremen, Ein­tracht Frankfurt und Han­no­ver 96 zeig­te er sich in dem mit dem je­wei­li­gen Ver­ein­sem­blem bestickten Klei­dungs­stück. Schaafs En­ga­ge­ment in Han­no­ver en­de­te nun kurz und schmerz­haft nach ei­ner be­mer­kens­wer­ten Se­rie von zehn Nie­der­la­gen in elf Spie­len. Mit Wer­der war er in 14 Trai­ner­jah­ren Meis­ter, drei­mal Po­kal­sie­ger und Dau­er­gast in der Cham­pi­ons Le­ague. Mit­rei­ßen­der Of­fen­siv­fuß­ball wur­de zu sei­nem Mar­ken­zei­chen. Auch hier war er ein Trend­set­ter. Er schlug Eu­ro­pa­po­kal-Schlach­ten im bes­ten Sin­ne. Und als un­an­ge­pass­te Per­sön­lich­keit präg­te er vie­le Jah­re die Li­ga. Es scheint, als sei die Zeit die­ses knor­ri­gen Trai­ner­typs nun vor­bei. Scha­de! Nach sei­nem ge­schei­ter­ten En­ga­ge­ment in Frankfurt und dem De­sas­ter in Han­no­ver dürf­te vor­erst kein Platz auf dem Trai­ner­ka­rus­sell für ihn frei wer­den. Es ist zu be­fürch­ten, dass er so­bald kei­nen wei­te­ren Ka­pu­zen­pull­over von ei­nem neu­en Ver­ein be­kommt. Es sei denn, Ehe­frau As­trid bringt ihm mal ei­nen vom Shop­ping mit. Schaaf hat ei­nen Feh­ler ge­macht, als er im De­zem­ber Han­no­ver über­nahm und die Nach­fol­ge des ent­nerv­ten Michael Front­zeck an­trat. Vi­el­leicht fühl­te sich Schaaf als „Boot­schaf­ter“der Deut­schen Ge­sell­schaft zur Ret­tung Schiff­brü­chi­ger ver­pflich­tet, den not­lei­den­den Nie­der­sach­sen zu hel­fen. Die Auf­ga­be war zu groß für ihn.

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