Furt­wäng­ler mit Mut zum Ex­zess

Rheinische Post Goch - - LOKALE KULTUR -

Es ist ei­ne zy­ni­sche Welt, in die Dorothea Na­gel da ge­ra­ten ist. Wäh­rend drau­ßen ge­schos­sen wird, Pan­zer durch die Stra­ßen rol­len, or­ga­ni­siert sie Spen­den­bäl­le im Lu­xusho­tel. Und weil die Schö­nen und Rei­chen bei Laune gehalten wer­den müs­sen, trinkt sie stets ein Glas zu viel. So hat sie sich ge­wöhnt an das Le­ben in ei­ner de­ka­den­ten Par­al­lel­welt, in ei­ner Bla­se ge­spiel­ter Gut­mü­tig­keit, in der nied­li­che Flücht­lings­kin­der beim Ban­kett auf­tra­gen müs­sen, um ih­ren Schick­sals­ge­nos­sen Schul­s­ti­pen­di­en zu ver­schaf­fen. Rüh­rung zahlt sich aus.

Wäh­rend Deutsch­land dis­ku­tiert, wie viel Gut­mü­tig­keit es sich leis­ten will, kommt ein Film ins Ki­no, der das Spen­den­we­sen kri­tisch be­spie­gelt und mit gro­tes­ken Überzeich­nun­gen vor­führt, wo­hin das führt, wenn Hel­fen ein Ge­schäft ist. Isa­bel­le Ste­ver in­sze­niert das in „Das Wetter in ge­schlos­se­nen Räu­men“mit viel Ge­spür für die Ges­ten der Ver­lo­gen­heit und den Zy­nis­mus, an dem auch je­ne zu­grun­de ge­hen, die das Spiel be­trei­ben. Dar­in ist ei­ne an­de­re Furt­wäng­ler zu er­le­ben, ei­ne, die den Schein nicht mehr wah­ren kann, sich ge­hen lässt, trinkt, die ei­nen jun­gen Lieb­ha­ber an sich bin­den will, mit al­len Mit­teln. Die­se Frau ist sich selbst un­er­träg­lich ge­wor­den, aber zu­ge­ben kann sie es nicht. Sie ist ja Cha­ri­ty-La­dy, Chef­zy­ni­ke­rin, und dar­in ab­scheu­lich gut. So viel Mut zum Ex­zess hät­te man der selbst­be­herrsch­ten Furt­wäng­ler nicht zu­ge­traut. . . . (RP)

Im Film am Mitt­woch, 6. April, 20 Uhr, Ki­no 5 in den Ti­chel­park-Ci­ne­mas Kle­ve.

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