Die Bank hat den Schlüs­sel zum Steu­er­pa­ra­dies

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON GE­ORG WIN­TERS

Wie­der ein­mal ste­hen vie­le aus der Bran­che als mög­li­che Hel­fers­hel­fer mit am Pran­ger. Man­che ha­ben sich schon frei­ge­kauft.

DÜSSELDORF Rund 17 Mil­lio­nen Eu­ro soll die Com­merz­bank ge­zahlt ha­ben, 20 Mil­lio­nen die Hy­po­Ver­eins­bank, gar 22 Mil­lio­nen die HSH Nord­bank. Al­les na­tür­lich oh­ne ein Ein­ge­ständ­nis von Schuld. Und über­haupt: Of­fi­zi­ell be­stä­tigt wor­den sind die Zah­len, mit de­nen sich die In­sti­tu­te vom Vor­wurf der Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung frei­ge­kauft ha­ben sol­len, na­tür­lich auch nicht. Der­ar­ti­ge Wort­karg­heit ist in­des in der Re­gel ein In­diz da­für, dass ei­ne Nach­richt stimmt.

Im Fall Com­merz­bank soll de­ren Ab­le­ger im Groß­her­zog­tum Kun­den an die Off­s­hore-Ge­sell­schaft Moss­ack Fon­se­ca Group ver­mit­telt ha­ben, die den Kun­den die Brief­kas­ten­fir­men ver­kauf­te. Dass die Bank sol­che Ge­schäf­te seit 2008 nicht mehr be­treibt, soll bei der Straf­zah­lung be­rück­sich­tigt wor­den sein. Das Gan­ze war das Er­geb­nis ei­ner Raz­zia nach dem An­kauf ei­ner Steu­er-CD durch Wup­per­ta­ler Fahn­der.

Dass die Ban­ken bei den „Pa­na­ma Pa­pers“ei­ne Schlüs­sel­rol­le spie­len, ist lo­gisch. Denn die Brief­kas­ten­fir­men brau­chen ein Kon­to, und bei de­ren Er­öff­nung ver­mit­teln die Geld­häu­ser – sie kon­tak­tie­ren die Ver­käu­fer der Brief­kas­ten­fir­men, hel­fen bei der Ein­rich­tung von Kon­ten, trans­fe­rie­ren Gel­der. „Die Bank hat den Schlüs­sel zum Steu­er­pa­ra­dies“, sagt ein In­si­der. Das, so heißt es, ge­sche­he seit Jahr­zehn­ten.

Um­ge­kehrt dürf­te ent­spre­chend so man­che mög­li­che Steu­er­hin­ter­zie­hung und Bei­hil­fe da­zu ver­jährt sein. Das ge­schieht in der Re­gel bin­nen fünf Jah­ren, in schwe­ren Fäl­len nach zehn Jah­ren. Et­li­che Brief­kas­ten­fir­men wa­ren in­des dem Ver­neh­men nach 2013, 2014 und 2015 noch ak­tiv. Be­trof­fen da­von ist un­ter an­de­rem die Deut­sche Bank, die im

Deut­sche Bank

UBS Deutsch­land

DZ-Bank

BHF Bank

Com­merz­bank

Be­ren­berg Bank

In­ter­net einst ei­ne ei­ge­ne Off­s­horeSei­te be­trieb (die mitt­ler­wei­le ge­schlos­sen wur­de). Der Initia­ti­ve ent­spran­gen an­geb­lich meh­re­re Dut­zend Brief­kas­ten­fir­men, von de­nen vie­le En­de des ver­gan­ge­nen Jah­res noch tä­tig ge­we­sen sein sol­len. Die Bank hat längst er­klärt, sie sei sich die­ser Pro­ble­ma­tik be­wusst. Aber sie lie­fert kei­ne Er­klä­rung da­für, war­um sie, wenn die In­for­ma­tio­nen stim­men, noch zu Zei­ten des selbst pro­pa­gier­ten Kul­tur­wan­dels un­ter dem 2012 an­ge­tre­te­nen Füh­rungs-

Bay­ernLB

HSBC

Hy­po­ver­eins­bank

HSH Nord­bank

Cre­dit Suis­se

Lan­des­bank Ba­den-Würt­tem­berg

duo Jain/Fit­schen beim Kauf von Brief­kas­ten­fir­men be­hilf­lich ge­we­sen sein soll. Das trübt die Schlussbilanz des schei­den­den Bank­chefs Jür­gen Fit­schen noch mehr, als die vie­len ju­ris­ti­schen Strei­tig­kei­ten der Bank das oh­ne­hin tun. Und weil sein Nach­fol­ger als Bank­prä­si­dent, Hans-Wal­ter Pe­ters, durch die an­geb­li­che Ver­stri­ckung sei­nes Ar­beit­ge­bers Be­ren­berg auch im Fo­kus steht, ru­mort es im pri­va­ten Bank­ge­wer­be – un­ab­hän­gig von denk­ba­rer Schuld ein­zel­ner Ma­na­ger.

Die Frank­fur­ter Sky­line bei Nacht.

28 deut­sche Ban­ken sind ins Vi­sier der Er­mitt­ler ge­ra­ten. Aber sie sind nicht die­je­ni­gen, die am Kauf der meis­ten Brief­kas­ten­fir­men be­tei­ligt wa­ren. Zu den Top Ten ge­hö­ren den Er­mitt­lun­gen zu­fol­ge zwei Töch­ter der bri­ti­schen Groß­bank HSBC in Mo­na­co und der Schweiz. Den Vo­gel schießt die Ex­per­ta Cor­po­ra­te & Trust Services ab, ei­ne Toch­ter der Ban­que In­ter­na­tio­na­le à Lu­xem­bourg SA. Sie soll sa­ge und schrei­be 1659 Off­s­hore-Fir­men für ih­re Kun­den ge­grün­det ha­ben – das wä­re et­wa je­des zehn­te der rund 15.600 Un­ter­neh­men, die über Moss­ack Fon­se­ca re­gis­triert wur­den.

Ge­naue In­for­ma­tio­nen dar­über, wel­cher Kun­de bei wel­chem Un­ter­neh­men un­ter­ge­bracht wor­den ist, dürf­te es vor­erst noch nicht ge­ben. Aber al­lein die Na­men, die auf der Lis­te ste­hen, las­sen auf­hor­chen. Ges­tern tauch­ten auf der In­ter­net­Platt­form Wi­ki­pe­dia un­ter an­de­rem die Pop­sän­ge­rin Ti­na Tur­ner, Söh­ne des frü­he­ren Uno-Ge­ne­ral­se­kre­tärs Ko­fi Ann­an und des ägyp­ti­schen Ex- Prä­si­den­ten Hos­ni Mu­ba­rak so­wie Fuß­ball­star Cla­rence See­dorf aus den Nie­der­lan­den auf. Wohl­ge­merkt als Da­tei, nicht als Ver­däch­ti­ge. Die Lis­te wur­de lau­fend ak­tua­li­siert. Ei­ni­ge Na­men wur­den wie­der ent­fernt. Der An­walt des For­mel-1Renn­fah­rers Ni­co Ros­berg wies dar­auf hin, dass für sei­nen Man­da­ten ei­ne Brief­kas­ten­fir­ma auf den Jung­fern­in­seln, aber nicht wie be­rich­tet in Pa­na­ma, ein­ge­rich­tet wor­den sei. „Der al­lei­ni­ge Grund hier­für wa­ren haf­tungs­recht­li­che Fra­gen und die Mög­lich­keit, in­ter­na­tio­nal zu agie­ren. Mit steu­er­recht­li­chen Fra­gen hat die­se Ein­rich­tung nichts zu tun“, heißt es in der Mit­tei­lung.

In Er­klä­rungs­not ist laut „Süd­deut­scher Zei­tung“der Prä­si­dent des Welt­fuß­ball­ver­ban­des Fi­fa, Gi­an­ni In­fan­ti­no. Er sei in Ge­schäf­te mit ei­ner Brief­kas­ten­fir­ma ver­strickt ge­we­sen, in de­nen es um den Ver­kauf von Rech­ten an der Cham­pi­ons Le­ague ge­gan­gen sei.

FO­TO: DPA | GRA­FIK: RADOWSKI

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