New York will ers­ten Un­ter­grund-Park welt­weit bau­en

Rheinische Post Goch - - WISSEN / SERIE - VON CHRIS­TI­NA HORS­TEN

Über Kol­lek­to­ren soll Son­nen­licht ins In­ne­re ge­lei­tet wer­den. Die Kos­ten für das Pro­jekt lie­gen bei rund 70 Mil­lio­nen Dol­lar.

NEW YORK (dpa) Von au­ßen deu­ten nur die Son­nen­kol­lek­to­ren auf dem Dach dar­auf hin, dass es sich bei dem Ge­bäu­de im Os­ten Man­hat­tans nicht um ei­ne ganz nor­ma­le Back­stein­hal­le han­delt. „Low­li­ne Lab“steht in gro­ßen Buch­sta­ben auf der Wand ne­ben dem Ein­gang. Hin­ter den di­cken ro­ten Mau­ern wird der­zeit aus­pro­biert, was 2020 in New York Gestalt an­ge­nom­men ha­ben soll: die „Low­li­ne“, der nach An­ga­ben der Initia­to­ren ers­te un­ter­ir­di­sche Park der Welt.

Der Na­me des Pro­jekts ist an­ge­lehnt an die wohl spek­ta­ku­lärs­te Grün­flä­chen-Neu­er­öff­nung der Mil­lio­nen­me­tro­po­le in den ver­gan­ge­nen Jah­ren: die „High­li­ne“, ei­ne zum Park um­ge­bau­te ehe­ma­li­ge Hoch­bahn­stre­cke in Man­hat­tan, die als Rie­sen­er­folg gilt. Mehr als 20 Mil­lio­nen Men­schen sind seit der Er­öff­nung 2009 dort schon ent­lang­spa­ziert.

Die „Low­li­ne“will das Gan­ze nun noch wei­ter trei­ben. Ei­ne un­ter­ir­di­sche Stra­ßen­bahn-Hal­te­stel­le im Sze­ne-Vier­tel Lo­wer East Si­de ha­ben sich die bei­den Initia­to­ren Dan Ba­rasch und Ja­mes Ram­sey für ihr Pro­jekt aus­ge­sucht. „Das ist ge­nau so ein Stück in­dus­tri­el­le In­fra­struk­tur, von dem man denkt, dass es kei­nen gu­ten Nut­zen da­für gibt – ge­nau wie die Hoch­bahn“, sag­te „High­li­ne“-Mit­grün­der Ro­bert Ham­mond der „New York Ti­mes“.

Die „Low­li­ne“-Initia­to­ren, die frü­her un­ter an­de­rem für Goog­le ar­bei­te­ten, stie­ßen per Zu­fall auf den leer­ste­hen­den Bahn­hof, be­ka­men die Idee für den Un­ter­grund-Park, hol­ten sich Tipps von den „High­li­ne“-Grün­dern und trei­ben das Pro­jekt nun vor­an. Mit Kol­lek­to­ren soll Son­nen­licht ge­sam­melt wer­den, das dann in den Un­ter­grund wei­ter­ge­lei­tet und dort über Ein­bau­ten in der De­cke in den Raum ver­brei­tet wer­den soll. So wä­re es in dem un­ter­ir­di­schen Park je­den Tag des Jah­res von Son­nen­auf­gang bis Son­nen­un­ter­gang hell und warm.

Bis zur Er­öff­nung ist es aber noch ein wei­ter Weg mit zahl­rei­chen Hür- den. An ers­ter Stel­le steht die Fra­ge der Fi­nan­zie­rung. Rund 150.000 Dol­lar (et­wa 135.000 Eu­ro) ha­ben die Initia­to­ren für die ers­ten Schrit­te im In­ter­net ge­sam­melt. Die Kos­ten für den Bau schät­zen sie auf et­wa 70 Mil­lio­nen Dol­lar.

Bleibt die Fra­ge, wie der Park aus­se­hen soll und was dort wach­sen kann. Das tes­ten die Grün­der ge­ra­de: Seit Ok­to­ber 2015 wach­sen in der et­wa Ten­nis­platz-gro­ßen Hal­le mehr als 3000 Pflan­zen, zehn­tau­sen­de Men­schen wa­ren schon zu Be­such. „Wir pro­bie­ren aus, was wächst und was nicht funk­tio­niert“, er­zählt ein jun­ger New Yor­ker, der In­ter­es­sier­te durch das La­bor führt. „Das Moos wächst eher nicht so gut, da müs­sen wir uns et­was an­de­res über­le­gen. Aber die Min­ze über­wu­chert ge­ra­de al­les.“

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