EnBW ver­liert Streit um Ab­schal­tung der Atom­mei­ler

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT -

Die Kla­ge schei­tert, weil der Ener­gie­kon­zern es ver­säum­te, ein drei­mo­na­ti­ges Be­triebs­ver­bot so­fort an­zu­fech­ten.

BONN (dpa) Der Ener­gie­ver­sor­ger EnBW hat nach ei­nem Ur­teil des Land­ge­richts Bonn kei­nen An­spruch auf Scha­den­er­satz we­gen der er­zwun­ge­nen Still­le­gung von zwei Atom­kraft­wer­ken nach der Ka­ta­stro­phe von Fu­kus­hi­ma. Das ent­schied die ers­te Zi­vil­kam­mer des Ge­richts. Der Ver­sor­ger ha­be dar­auf ver­zich­tet, ge­gen die da­ma­li­ge An­ord­nung zur Ab­schal­tung ge­richt­lich vor­zu­ge­hen, um den Scha­den ab­zu­wen­den, be­grün­de­te die Zi­vil­kam­mer ih­ren Ur­teils­spruch. Die­se Kla­ge hät­te Aus­sicht auf Er­folg und auf­schie­ben­de Wir­kung ge­habt. Denn oh­ne kon­kre­te An­halts­punk­te für et­wai­ge Ge­fah­ren sei die An­ord­nung der Ab­schal­tung nach dem Ge­setz nicht ge­recht­fer­tigt, hieß es wei­ter. Die jet­zi­ge Scha­den­er­satz­kla­ge so­wohl ge­gen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wie auch das Land Ba­den-Würt­tem­berg wies das Ge­richt des­halb zu­rück (Ak­ten­zei­chen 1 O 458/14).

We­gen der Ab­schal­tung sei­ner Atom­mei­ler Neckar­west­heim I und Phil­ipps­burg I 2011 hat­te das Un­ter­neh­men ei­ne Ent­schä­di­gung in Hö­he von 261 Mil­lio­nen Eu­ro ge­for­dert. Die Bun­des­re­gie­rung hat­te nach der Fu­kus­hi­ma-Ka­ta­stro­phe in Deutsch­land zu­nächst ei­ne vor­über­ge­hen­de Still­le­gung der äl­tes­ten sie­ben Kern­kraft­wer­ke für drei Mo­na­te an­ge­ord­net. Auch nach Ablauf des Mo­ra­to­ri­ums wur­den die An­la­gen, de­ren Be­triebs­er­laub­nis dann end­gül­tig mit dem neu­en Atom­ge­setz im Au­gust 2011 er­lo­schen war, nicht wie­der hoch­ge­fah­ren.

„Wir wer­den die schrift­li­che Ur­teils­be­grün­dung ab­war­ten, die­se prü­fen und dann über das wei­te­re Vor­ge­hen ent­schei­den“, hieß es in ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on. In­ner­halb ei­nes Mo­nats kann EnBW ge­gen das Ur­teil Be­ru­fung beim Ober­lan­des­ge­richt Köln ein­le­gen.

Soll­te die Ein­schät­zung des Bon­ner Ge­richts Schu­le ma­chen, könn­te es auch für die Scha­den­er­satz­for­de­rung von Eon eng wer­den, über die En­de April vor dem Land­ge­richt Han­no­ver ver­han­delt wird. EonChef Jo­han­nes Teyssen hat­te im Ge­gen­satz zum da­ma­li­gen RWE-Chef Jür­gen Groß­mann zu­nächst nicht ge­gen das Atom­mo­ra­to­ri­um ge- klagt. In­zwi­schen for­dert der Ener­gie­rie­se 380 Mil­lio­nen Eu­ro für die Zwangs­pau­se, RWE ver­langt 235 Mil­lio­nen Eu­ro. Mög­lich ist al­ler­dings, dass sich die­se und wei­te­re Atom­kla­gen in Luft auf­lö­sen. Bran­chen­ex­per­ten ge­hen da­von aus, dass der Streit um den Atom­aus­stieg bei­ge­legt wer­den könn­te, wenn sich die Be­trei­ber mit der Bun­des­re­gie­rung auf ei­ne Atom­stif­tung ei­ni­gen wür­den. In den nächs­ten Mo­na­ten dürf­te es Ge­sprä­che ge­ben, wie der Abriss der Mei­ler und die Müll­ent­sor­gung fi­nan­ziert wer­den könn­ten.

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