Wel­che Städ­te on­li­ne gut er­reich­bar sind

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON MAR­CEL RO­MAHN

Die Grü­nen-Land­tags­frak­ti­on hat die In­ter­net­sei­ten al­ler 396 Kom­mu­nen in NRW un­ter­sucht. Da­bei gibt es ei­ni­ge Über­ra­schungs­sie­ger aus der Re­gi­on, aber auch Städ­te mit Män­geln bei Ser­vice und Ak­tua­li­tät.

DÜS­SEL­DORF Das Wunsch­kenn­zei­chen an­mel­den, Be­ra­tungs­ter­mi­ne ver­ein­ba­ren oder der Stadt ei­ne ka­put­te Stra­ßen­la­ter­ne mel­den – was frü­her noch läs­ti­ge Be­hör­den­gän­ge und lan­ge War­te­zei­ten mit sich brach­te, kann in na­he­zu al­len Kom­mu­nen in­zwi­schen be­quem über das In­ter­net er­le­digt wer­den. Doch es gibt qua­li­ta­ti­ve Un­ter­schie­de. Zu die­sem Er­geb­nis kommt jetzt die Grü­nen-Land­tags­frak­ti­on nach Aus­wer­tung ih­res On­li­ne-Checks. Aus dem NRW-wei­ten Ver­gleich ge­hen Bonn und Köln als Sie­ger her­vor. Auch am Nie­der­rhein si­chern sich ei­ni­ge Städ­te mit ei­nem brei­ten Web-An­ge­bot Spit­zen­plät­ze. Die Lan­des­haupt­stadt hat al­ler­dings Nach­hol­be­darf.

Zwei Wo­chen lang ha­ben sich die Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten mit den Platt­for­men al­ler 396 Kom­mu­nen aus­ein­an­der­ge­setzt. Un­ter­stützt wur­de die Frak­ti­on von zwei Ex­per­ten der Open Know­ledge Foun­da­ti­on. „Ge­mein­sam ha­ben wir den Um­fang und die Ser­vice­qua­li­tät aus Bür­ger­sicht über­prüft“, sagt Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Mehr­dad Mo­s­to­fi­z­a­deh. „Wir woll­ten da­mit nach­hal­ten, wel­che Kom­mu­nen sich seit un­se­rem ers­ten On­li­ne-Check im Jahr 2014 ver­bes­sert ha­ben.“

In der Ka­te­go­rie „E-Go­vern­ment“wur­de un­ter­sucht, wie vie­le On­li­neVer­wal­tungs­an­ge­bo­te die Kom­mu­ne ih­ren Bür­gern über­haupt zur Ver­fü­gung stellt, et­wa um ih­nen da­mit den Ter­min vor Ort zu er­spa­ren. Die Fra­ge, ob Bür­ger über das In­ter­net mehr Mit­be­stim­mungs­mög­lich­kei­ten von der Stadt er­hal­ten, soll­te in der Ka­te­go­rie „Open Go­vern­ment“be­han­delt wer­den. „Da­bei geht es auch um das On­li­ne-Ma-

Platz*

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Kom­mu­ne

Bonn

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Mül­heim a.d. Ruhr

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Neuss

Duis­burg Ver­wal­tungs­an­ge­bot on­li­ne

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7 nage­ment von Bür­ger­an­lie­gen“, sagt Mat­thi Bol­te, netz­po­li­ti­scher Spre­cher der Grü­nen. „Das kann das ka­put­te Stra­ßen­schild vor der ei­ge­nen Haus­tür sein oder ein Schlag­loch in der Fahr­bahn.“Bei­des kön­ne in Städ­ten wie Köln oder Bonn, die sich den ers­ten Platz im Ge­sam­t­ran­king mit 39 Punk­ten tei­len, pro­blem­los on­li­ne ge­mel­det wer­den. Die Dom­stadt hat zu­sätz­lich ei­ne über­sicht­li­che Stadt-App ent­wi­ckelt, die mit ei­ner Rei­he ver- Mit­ge­stal­tung

der Po­li­tik

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Wei­te­res (mehr­spra­chig,

bar­rie­re­frei)

v. 40 ges. schie­de­ner Ser­vices auf­war­tet – von der ak­tu­el­len Ver­kehrs­la­ge bis hin zur Park­haus­aus­las­tung. Bonn punk­tet mit der On­li­ne-Platt­form „Bonn macht mit“, wo Bür­ger kom­mu­na­le Ent­schei­dun­gen mit der Ver­wal­tung dis­ku­tie­ren kön­nen.

Im drit­ten Teil der Be­wer­tung stand die Trans­pa­renz der Ver­wal­tung auf dem Prüf­stand. In die­sem Punkt ist Mo­ers die Pio­nier­kom­mu­ne. „Schon im ers­ten On­li­ne-Check hat sich ge­zeigt, dass dort vorbild-

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Be­son­der­hei­ten

Pro­jekt „Bonn macht mit“

über­sicht­li­che Stadt-App

größ­ter Äm­ter-Ser­vice

Pro­jekt „Hack­days“

aus­führ­li­ches Mo­bil­por­tal

On­li­ne-Bür­ger­haus­halt

On­li­ne-Ur­kun­den

Ki­ta-Na­vi­ga­tor

On­li­ne-Fund­bü­ro

Hy­gie­ne-Am­pel für Re­stau­rants lich ge­ar­bei­tet wird“, sagt Mat­thi Bol­te. „Vie­le Städ­te ha­ben dar­auf­hin nach­ge­zo­gen.“Al­ler­dings blei­be Mo­ers mit der re­gel­mä­ßi­gen Ver­öf­fent­li­chung von Ver­wal­tungs­da­ten für die Bür­ger auf ei­nem so­li­den vier­ten Platz im Ran­king. Au­ßer­dem räu­me die Stadt ih­ren Bür­gern Spiel­raum für in­no­va­ti­ve Ide­en ein: Mor­gen fin­det dort der „Hack­day“statt. An die­sem Tag wer­den Ent­wick­ler aus der Re­gi­on ins Rat­haus ein­ge­la­den, um auf Ba­sis der Ver- wal­tungs­da­ten ge­mein­sam nütz­li­che An­wen­dun­gen zu ent­wi­ckeln.

Auch Kre­feld ge­hört mit Platz elf (27 Punk­te) zur Spit­zen­grup­pe im Test. Und das ob­wohl der On­li­ne­Auf­tritt zwei Jah­re zu­vor noch den 147. Platz be­leg­te. Trotz gro­ßer Haus­halts­pro­ble­me ha­be die Stadt ih­re In­ter­net­sei­te mo­der­ni­siert, mit reich­hal­ti­gen Da­ten­sät­zen aus­ge­stat­tet und ei­ne über­sicht­li­che, mo­bi­le Ver­si­on für Smart­pho­nes ge­schaf­fen. Ähn­lich po­si­tiv fiel den Grü­nen die Kle­ver Ver­wal­tungs­sei­te auf, die den 14. Platz durch ho­he Da­ten­trans­pa­renz ver­die­ne. Ein Bei­spiel: der On­li­ne-Bür­ger­haus­halt zur Mit­spra­che an der Ver­wen­dung öf­fent­li­cher Gel­der.

Noch in­ner­halb der Top 20, aber mit 23 Punk­ten noch deut­lich hin­ter der Spit­ze lan­det Düs­sel­dorf im Ver­gleich. Die Lan­des­haupt­stadt zeich­ne sich zwar durch et­li­che Ser­vice­an­ge­bo­te im In­ter­net so­wie den Ki­ta-Na­vi­ga­tor für El­tern aus, ver­fü­ge je­doch nach Ein­schät­zung der Grü­nen über kei­ne gut ge­pfleg­te Da­ten­bank. „Die Da­ten wer­den nicht kon­ti­nu­ier­lich ak­tua­li­siert“, sagt Mat­thi Bol­te. „Auch die Bür­ger­diens­te rei­chen nicht an die An­ge­bo­te an­de­rer Städ­te her­an.“Ei­nen Män­gel­mel­der zum Bei­spiel su­che der Düs­sel­dor­fer User ver­geb­lich.

Zu den Schluss­lich­tern in Rhein­land und Ruhr­ge­biet, al­ler­dings im NRW-Ver­gleich im­mer noch weit vor­ne, zählt Duis­burg. 2014 noch auf Platz 117, schnei­det das Por­tal ak­tu­ell deut­lich bes­ser ab. Mit ei­ner zu­sätz­li­chen Le­bens­mit­tel-App, ei­ner Art Hy­gie­ne-Am­pel für Re­stau­rants, ver­dient sich die Kom­mu­ne den 33. Platz. Die feh­len­de Be­reit­schaft, Ver­wal­tungs­da­ten zu ver­öf­fent­li­chen, sei aus Sicht der Tes­ter je­doch ein be­dau­er­li­cher Nach­teil.

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