Pa­na­ma-Af­fä­re scheucht Steu­er­sün­der auf

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON REIN­HARD KO­WA­LEW­SKY

Vie­le Wohl­ha­ben­de prü­fen Selbst­an­zei­gen, so ein Steu­er­be­ra­ter. Der NRW-Jus­tiz­mi­nis­ter warnt der­weil vor Schwarz­geld hier­zu­lan­de.

DÜS­SEL­DORF Das mas­sen­haf­te Ko­pie­ren von Kun­den­da­ten bei der An­walts­kanz­lei Moss­ack Fon­se­ca in Pa­na­ma hat für ei­nen Schock bei so man­chem Steu­er­straf­tä­ter in Deutsch­land ge­führt. „Seit den ers­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen zu dem Skan­dal am Mon­tag mel­den sich hier vie­le neue Kun­den und In­ter­es­sen­ten, die ei­ne Selbst­an­zei­ge prü­fen oder vor­be­rei­ten wol­len“, be­rich­tet Mar­cus Hor­nig, Lei­ter Pri­va­te Cli­ents bei der Düs­sel­dor­fer Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft WTS.

Den Trend be­stä­tigt Tho­mas Ei­gen­tha­ler, Bun­des­vor­sit­zen­der der Deut­schen Steu­er­ge­werk­schaft: „Je­der weiß doch, dass die den Me­di­en vor­lie­gen­den Da­ten mit ei­ner ge­wis­sen Wahr­schein­lich­keit am En­de auch bei den Be­hör­den lan­den. Dar­um ist mit wei­te­ren Selbst­an­zei­gen zu rech­nen – und das wer­den eher grö­ße­re Fi­sche sein.“

Bür­ger, die ei­ne Selbst­an­zei­ge ma­chen, müs­sen al­les rich­tig ma­chen, da­mit ih­nen wirk­lich das Straf­ver­fah­ren er­spart bleibt. So müs­sen sie für die ver­gan­ge­nen zehn Jah­re al­le nicht ver­steu­er­ten Er­trä­ge kor­rekt an­ge­ben. Dann müs­sen sie die hin­ter­zo­ge­nen Steu­ern in­klu­si­ve Zin­sen von sechs Pro­zent pro Jahr in­ner­halb we­ni­ger Wo­chen nach der Selbst­an­zei­ge über­wei­sen – das Fi­nanz­amt teilt den Be­trag mit. Wenn die nicht ge­zahl­ten Steu­ern hö­her als 100.000 Eu­ro ist, ist ein 15-pro­zen­ti­ger Straf­zu­schlag fäl­lig. „Da kom­men in­klu­si­ve des Zins­zu­schla­ges mög­li­cher­wei­se sehr ho­he Sum­men zu­sam­men“, sagt Be­ra­ter Hor­nig. Er rät be­trof­fe­nen Bür­gern trotz­dem zur Steu­er­ehr­lich­keit: „Oh­ne Selbst­an­zei­ge droht bei ho­hen Be­trä­gen be­kann­ter­ma­ßen ei­ne Haft­stra­fe.“

In­ter­es­sant ist da­bei, dass es bei den Brief­kas­ten­fir­men in Pa­na­ma nicht nur um ge­park­tes Bar­geld geht. Ei­ne Rei­he die­ser Fir­men ver­wal­tet un­ter dem Schutz der An­ony­mi­tät Im­mo­bi­li­en in Deutsch­land, de­ren wah­re Be­sit­zer so ver­trau­lich blei­ben. Dies be­rich­te­te die „Süd­deut­sche Zei­tung“(SZ) ges­tern un- ter Ver­weis auf die „Pa­na­ma Pa­pers“.

Hin­ter­grund da­für ist ei­ne Schwä­che im deut­schen Rechts­sys­tem: Die Fi­nanz­be­hör­den ha­ben gu­ten Zu­gang zu den Kun­den­da­ten al­ler Ban­ken – und die Geld­häu­ser müs­sen je­den Ver­dacht auf Geld­wä­sche auch mel­den. Wenn aber aus­län­di­sche Fir­men hier­zu­lan­de Grund­stü­cke er­wer­ben, kann un­be­kannt blei­ben, wes­sen Ka­pi­tal hin­ter dem Kauf steckt. So gibt es laut „SZ“al­lein in Ber­lin 5000 Grund­steu­er­kon­ten, de­ren for­ma­le Ei­gen­tü­mer in Steu­er­oa­sen sit­zen – in Wahr­heit sind es aber wohl oft Eu­ro­pä­er.

Ins­ge­samt, so ei­ne Stu­die für den Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter, wer­den in Deutsch­land pro Jahr bis zu 30 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr an Geld „ge­wa­schen“– il­le­ga­les Geld wird al­so ir­gend­wie in le­ga­le In­ves­ti­tio­nen ge­lei­tet. Zu­min­dest NRW-Jus­tiz­mi­nis­ter Tho­mas Kut­scha­ty (SPD) sieht Hand­lungs­be­darf: „Das Geld­wä­sche­ge­setz funk­tio­niert nicht aus­rei­chend – das ist ei­ne Ein­la­dung an kri­mi­nel­le Struk­tu­ren.“

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