Tra­gi­scher Mo­tor­rad­un­fall in Uedem

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFE­GER

Am Nie­der­rhein ist ein Mo­tor­rad­fah­rer ge­gen ei­nen Trak­tor ge­fah­ren. Er kam da­bei ums Le­ben. Sei­ne Frau fuhr auf ih­rem Mo­tor­rad da­hin­ter. In die­sem Jahr ka­men schon vie­le Bi­ker bei Un­fäl­len auf NRW-Stra­ßen ums Le­ben.

DÜS­SEL­DORF Mit zu­sam­men­ge­fal­te­ten Hän­den und ge­senk­tem Blick ste­hen die Ein­satz­kräf­te der Feu­er­wehr auf ei­ner ab­ge­sperr­ten Land­stra­ße in Uedem. Vor ih­nen liegt die Lei­che ei­nes 48 Jah­re al­ten Mo­tor­rad­fah­rers aus Nie­der­krüch­ten, der dort we­ni­ge Mi­nu­ten zu­vor töd­lich ver­un­glückt ist. Die Frau des Ver­stor­be­nen kniet ne­ben ih­rem to­ten

Ma­thi­as Schiff­mann Mann. Sie hat den Un­fall mit an­se­hen müs­sen.

Nach Po­li­zei­an­ga­ben war der 48Jäh­ri­ge am Sams­tag­nach­mit­tag mit sei­ner Su­zu­ki in ei­ner Rechts­kur­ve ge­gen ei­nen Trak­tor ge­prallt. „Er ge­riet aus bis­lang un­ge­klär­ter Ur­sa­che auf die Fahr­spur des Ge­gen­ver­kehrs, wo der Trak­tor fuhr, der nicht mehr aus­wei­chen konn­te“, sag­te ein Po­li­zei­spre­cher. Sei­ne Frau fuhr hin­ter ihm auf ih­rem ei­ge­nen Mo­tor­rad. Sie wur­de an­schlie­ßend von Not­fall­seel­sor­gern be­treut.

Auch in Mön­chen­glad­bach kam am Wo­che­n­en­de ein Mo­tor­rad­fah­rer (58) ums Le­ben. Auf ei­ner Kreu­zung war er von ei­nem Au­to er­fasst wor­den. Wer schuld an die­sem Un­fall hat­te, ist noch nicht ab­schlie­ßend ge­klärt. Zeu­gen­aus­sa­gen zu­fol­ge könn­te der Ver­un­glück­te ei­ne ro­te Am­pel über­fah­ren ha­ben.

Al­lein in Nord­rhein-West­fa­len ka­men in den ver­gan­ge­nen Wo­chen min­des­tens zwölf Men­schen bei Mo­tor­rad­un­fäl­len ums Le­ben. Die Po­li­zei macht für die Se­rie an töd­li­chen Un­fäl­len vor al­lem den Sai­son­start der Krad­fah­rer ver­ant­wort­lich. In vie­len Fäl­len fah­ren Bi­ker nach An­ga­ben der Po­li­zei zu schnell und zu ri­si­ko­reich. „Jetzt zum Früh­lings­be­ginn set­zen sich vie­le nach der lan­gen Win­ter­pau­se zum ers­ten Mal wie­der auf den Sat­tel“, so ein Spre­cher der Po­li­zei. „Das ist be­son­ders ge­fähr­lich. Man­che über­schät­zen sich ein­fach“, sagt er.

Nach Ein­schät­zung der nord­rhein-west­fä­li­schen Ver­kehrs­wacht sei­en in ei­ni­gen Fäl­len aber auch an­de­re Ver­kehrs­teil­neh­mer ver­ant­wort­lich, dass Mo­tor­rad­fah­rer bei Un­fäl­len ster­ben. „Et­li­che Au­to­fah­rer über­se­hen die Mo­tor­rä­der mit ih­ren schma­len Sil­hou­et­ten“, sagt Ma­thi­as Schiff­mann von der Ver­kehrs­wacht. Die Au­to­fah­rer müss­ten sich nach den Win­ter­mo­na­ten erst wie­der an die Zwei­rä­der auf den Stra­ßen ge­wöh­nen. „Hin­zu kommt, dass im­mer mehr Au­to­fah­rer wäh- rend der Fahrt mit dem Han­dy am Ohr te­le­fo­nie­ren und da­her völ­lig un­kon­zen­triert sind“, sagt er. Laut In­sti­tut für Zwei­rad­si­cher­heit in Es­sen sind bei 70 Pro­zent al­ler Kol­li­sio­nen zwi­schen Au­to und Mo­tor­rad Bi­ker von Au­to­fah­rern über­se­hen oder de­ren Ge­schwin­dig­keit falsch ein­ge­schätzt wor­den.

Die Ver­kehrs­wacht be­ob­ach­tet in die­sem Jahr aber auch ein neu­es Phä­no­men in der Bi­ker­sze­ne, das ihr gro­ße Sor­gen be­rei­tet. „Ei­ni­ge fil­men ih­re hals­bre­che­ri­schen Fahr­ten, stel­len die­se dann ins In­ter­net und prah­len da­mit“, so Schiff­mann. In der Sze­ne fin­de mitt­ler­wei­le ein re­gel­rech­ter Wett­kampf um die schnells­te, die ra­san­tes­te, die ge- fähr­lichs­te Fahrt statt, be­tont der Ex­per­te. Da­bei han­de­le es sich in der Re­gel um jun­ge Men­schen zwi­schen 20 und 35 Jah­ren, die die­se Vi­de­os dreh­ten. „Sie neh­men bei ih­ren wil­den Fahr­ten kei­ne Rück­sicht auf an­de­re. Da kommt es häu­fig zu schwe­ren Un­fäl­len – nicht sel­ten mit To­ten“, sagt Schiff­mann.

Der Po­li­zei ist es in ei­ni­gen Re­gio­nen ge­lun­gen, durch Kon­trol­len die Un­fall­zahl zu ver­rin­gern – wie zum Bei­spiel im Sau­er­land, im Sie­ger­land und der Ei­fel, wo es vie­le kur­vi­ge Stra­ßen gibt, die ei­ni­ge Mo­tor­rad­fah­rer als Renn­stre­cke be­nut­zen. Im ver­gan­ge­nen Som­mer hat die Po­li­zei dort ins­ge­samt rund 17.500 Bi­ker über­prüft. Mehr als 3000 von ih­nen wa­ren dem­nach mit über­höh­ter Ge­schwin­dig­keit un­ter­wegs. Die­se Kon­trol­len sol­len auch in die­sem Jahr fort­ge­setzt wer­den. Doch die Po­li­zei be­tont auch, dass sich die Un­fall­ge­fah­ren zwar mi­ni­mie­ren, aber trotz al­ler Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men und Kon­trol­len nie aus­schlie­ßen lie­ßen.

Nach An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts sank zwar die Zahl der Mo­tor­rad- und Mo­ped­un­fäl­le mit Ver­letz­ten im ver­gan­ge­nen Jahr bun­des­weit um 1386 auf 42.878. Doch gleich­zei­tig stieg die Zahl der To­des­op­fer in dem Zei­t­raum um drei Pro­zent: 2014 ka­men 667 Men­schen bei Mo­tor­rad­un­fäl­len ums Le­ben, 2015 wa­ren es 687. In NRW wa­ren es laut In­nen­mi­nis­te­ri­um in die­sem Zei­t­raum 72 Mo­tor­rad­fah­rer. Ein Groß­teil der Ver­un­glück­ten stirbt an Kopf­ver­let­zun­gen. Der ADAC hat 900 Mo­tor­rad­un­fäl­le mit über 1000 be­tei­lig­ten Per­so­nen un­ter­sucht. Da­bei kam her­aus, dass mehr als 40 Pro­zent der Bi­ker Schä­del-Hirn-Trau­ma­ta zu be­kla­gen hat­ten. In rund drei Pro­zent der Un­fäl­le streif­te sich der Helm vom Kopf des Fah­rers ab. Der ADAC emp­fiehlt Mo­tor­rad­hel­me mit In­nen­pols­tern, die sich an die Kopf­form des Bi­kers an­pas­sen las­sen. „Die­se er­hö­hen die Si­cher­heit be­trächt­lich“, be­tont ein ADAC-Spre­cher.

„Et­li­che Au­to­fah­rer über­se­hen die Mo­tor­rä­der mit ih­ren schma­len

Sil­hou­et­ten“

Ver­kehrs­wacht NRW

FO­TO: AR­NULF STOF­FEL

Auf die­ser Land­stra­ße in Uedem kol­li­dier­te ein Mo­tor­rad mit ei­nem Trak­tor. Der Bi­ker kam da­bei ums Le­ben. Er war aus un­be­kann­ter Ur­sa­che in den Ge­gen­ver­kehr ge­ra­ten.

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