KURZKRITIKEN

Rheinische Post Goch - - WISSEN FRÜHLING AUF DER INSEL -

Ge­schich­te ei­ner Va­ter­su­che im Li­ba­non Die Brat­sche schmie­det Mu­si­k­er­freund­schaf­ten Pa­per Dan­ces – Ma­le­rei trifft Tanz

Hör­buch Sa­mirs El­tern sind aus dem Li­ba­non ge­flo­hen. In Deutsch­land wächst der Jun­ge be­hü­tet auf – bis der Va­ter ei­nes Nachts ver­schwin­det. Wäh­rend Mut­ter und Schwes­ter ver­su­chen, sich im neu­en Le­ben ein­zu­rich­ten, wird Sa­mir mit dem Ver­lust nicht fer­tig. Als Er­wach­se­ner reist er end­lich zur Spu­ren­su­che in den Li­ba­non. Pier­re Ja­ra­wan wur­de 1985 als Sohn ei­nes li­ba­ne­si­schen Va­ters und ei­ner deut­schen Mut­ter in Jor­da­ni­en ge­bo­ren und kam mit drei nach Deutsch­land. Er ist er­folg­rei­cher Poe­try-Slam­mer, „Am En­de blei­ben die Ze­dern“ist sein ge­lun­ge­nes Ro­man­de­büt. Das ha­ben Ti­mo Weis­schnur und Wal­ter Kreye ein­fühl­sam ein­ge­spro­chen. Et­was we­ni­ger Rol­len­spiel wä­re bes­ser ge­we­sen, trotz­dem fes­selt die wen­dungs­rei­che Ge­schich­te.

Do­ro­thee Krings

„Am En­de blei­ben die Ze­dern“, Os­ter­wol­d­au­dio, 21,99 Eu­ro Klas­sik-CD In der Ge­schich­te der Phi­lo­so­phie wur­de der Wert der Freund­schaft vor al­lem und zu­erst von dem gro­ßen Grie­chen Epi­kur ver­foch­ten. Für ihn be­deu­te­te Freund­schaft die idea­le Stär­kung des Men­schen im All­tag; sie schütz­te ihn vor An­fein­dun­gen von au­ßen, und sie wärm­te sei­ne See­le. Es schien, als hät­te Wolf­gang Ama­de­us Mo­zart, der frag­los zu den Epi­ku­rä­ern zu zäh­len ist, die­sen Be­griff der Freund­schaft sehr ernst ge­nom­men. Un­ter den vie­len Mu­si­kern, mit de­nen er zu tun hat­te, fühl­te er sich ei­ni­gen na­he und tief ver­bun­den, vor al­lem dem le­gen­dä­ren Kla­ri­net­tis­ten An­ton Stad­ler. Den hat­te Mo­zart in Wi­en ken­nen­ge­lernt.

Stad­ler war of­fen­bar das Ge­gen­teil ei­ner ro­bus­ten und selbst­be­wuss­ten Per­sön­lich­keit, er trank, ging dem Glück­spiel nach und pump­te aus­ge­rech­net Mo­zart, des­sen fi­nan­zi­el­le Ver­hält­nis­se selbst al­les an­de­re als ge­ord­net wa­ren, um er­heb­li­che Men­gen Geld an. Aber er ver­stand es zu fei­ern und war ein aus­ge­zeich­ne­ter Mu­si­ker. Be­kannt war er vor al­lem da­für, dass er die tie­fen Re­gis­ter der Kla­ri­net­te be­herrsch­te. Um den Ton­raum zu er­wei­tern, ließ er das In­stru­ment so­gar durch Ver­län­ge­rung zur Bas­sett­kla­ri­net­te wei­ter­ent­wi­ckeln. An die­ses Bünd­nis für Kunst und Le­ben Buch Ma­ria Bey­kirch tanzt und malt. Das tut sie schon ein Le­ben lang. Und ganz ne­ben­bei ist sie auch noch Ärz­tin, nie­der­ge­las­se­ne In­ter­nis­tin mit ei­ge­ner Pra­xis. Sie kann al­so ih­ren All­tag ziem­lich gut or­ga­ni­sie­ren. Dass die Wahl-Münch­ne­rin ei­ne gro­ße Ma­le­rin ist, hat sich al­ler­dings erst in jün­ge­rer Zeit vor al­lem in ih­rer Wahl­hei­mat her­um­ge­spro­chen, weil sie ih­re Ar­bei­ten lan­ge Jah­re ver­schämt der Öf­fent­lich­keit ent­zo­gen hat. Zum Glück ist das jetzt nicht mehr so. Und zum Glück wid­met der Hir­mer-Ver­lag ih­rer Ma­le­rei nun ein Buch. Un­ter dem Ti­tel „Pa­per Dan­ces“be­geg­nen dem Be­trach­ter bei­de Lei­den­schaf­ten der Künst­le­rin, die 1957 in Goch am Nie­der­rhein ge­bo­ren wur­de. Tanz trifft hier auf Ma­le­rei, die 50 Bil­der ha­ben Rhyth­mus und Me­lo­die. Und sie sind be­freit von läs­ti­gen Text­ge­räu­schen, sie dür­fen für sich wir­ken. Es gibt al­lein ei­ne Ein­füh­rung des Kunst­kri­ti­kers Gott­fried Knapp. Auch das ist ein Glück.

Ro­bert Pe­ters Ma­ria Bey­kirch: fühlt man sich jetzt bei der wun­der­ba­ren neu­en CD des Brat­schis­ten Nils Mön­ke­mey­er er­in­nert (bei So­ny), der ers­tens drei be­rühm­te Freun­de um sich ge­schart hat und mit ih­nen zwei­tens an je­ne Stad­lerMo­zart-Al­li­anz er­in­nert. Die Mu­si­ker sind die Kla­ri­net­tis­tin Sa­bi­ne Mey­er, die Gei­ge­rin Ju­lia Fi­scher und der Pia­nist Wil­li­am Youn, und man stellt sich beim Hö­ren vor, wie die In­ter­pre­ta­tio­nen nicht nur an In­stru­men­ten, son­dern auch in ge­sel­li­ger Run­de ge­reift sind.

Kost­bar ist die Lis­te der Wer­ke, und Entdeckungen sind auch zu ma­chen. Man be­geg­net dem won­ni­gen Kla­ri­net­ten­t­rio KV 498 („Ke­gel­statt“) oder den frü­hen Vio­la­so­na­ten KV 14 und 30. Auch das wei­te­re Re­per­toire des Al­bums ist reiz­voll – so er­klin­gen ex­tra für die­se Auf­nah­me ar­ran­gier­te Aus­zü­ge aus dem Lon­do­ner Skiz­zen­buch oder die So­na­te in F-Dur in ei­ner Ver­si­on für Vio­la und Kla­vier, al­so Wer­ke, die Mo­zart mit neun und elf Jah­ren ge­schrie­ben hat. Wolf­ram Go­ertz

Hör­buch: „Am En­de blei­ben die Ze­dern“

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