Cha­os vor der Wahl in Ma­ze­do­ni­en

Rheinische Post Goch - - POLITIK -

107.000 „Phan­tom­wäh­ler“– die Op­po­si­ti­on droht we­gen Ma­ni­pu­la­ti­ons­ge­fahr mit Boy­kott.

SKOP­JE (gru-) Auch wenn die Bal­kan­rou­te blo­ckiert ist, bleibt Ma­ze­do­ni­en für Eu­ro­pa ein wich­ti­ger Part­ner bei der Lö­sung der Flücht­lings­kri­se. Po­li­zei­ein­hei­ten be­wa­chen die mit Na­to-St­a­chel­draht be­wehr­te süd­li­che Gren­ze zu Grie­chen­land. Dort, im Grenz­la­ger Ido­me­ni, har­ren seit Wo­chen noch im­mer rund 10.000 Flücht­lin­ge aus, die nach Deutsch­land, Ös­ter­reich oder Schwe­den wei­ter­zie­hen wol­len. Des­halb wer­den die ma­ze­do­ni­schen Po­li­zis­ten von Kol­le­gen aus meh­re­ren EU-Län­dern un­ter­stützt.

Doch in der in­nen­po­li­ti­schen Kri­se, die nun­mehr schon zwei Jah­re dau­ert, kann dem klei­nen Bal­kan­land an­schei­nend nie­mand hel­fen. EU und USA ha­ben in den letz­ten Mo­na­ten Emis­sä­re in die Haupt­stadt Skop­je ent­sandt, um zwi­schen tief ver­fein­de­ten Par­tei­füh­rern zu ver­mit­teln. Al­les, was sie in zä­hen Ver­hand­lun­gen zu­stan­de brach­ten, war der provisorische Rück­tritt des au­to­kra­ti­schen Pre­mier­mi­nis­ters Ni­ko­la Gruev­ski Mit­te Ja­nu­ar, der da­mit den Weg zu Neu­wah­len am 5. Ju­ni frei­gab. Doch bleibt un­ge­wiss, ob da­mit die Kri­se be­en­det wird. Denn Zoran Zaev, Chef der op­po­si­tio­nel­len So­zi­al­de­mo­kra­ten, droht wie­der ein­mal mit Wahl­boy­kott. Er sieht die Vor­aus­set­zun­gen für freie und fai­re Wah­len wei­ter­hin nicht ge­ge­ben. Zaev hat­te be­reits vor zwei Jah­ren Gruev­ski, dem Chef der Na­tio­na­lis­ten­par­tei, vor­ge­wor­fen, sich den Wahl­sieg über ver­al­te­te und ma­ni­pu­lier­te Wäh­ler­ver­zeich­nis­se er­schwin­delt zu ha­ben.

Laut Zaev sind die Wahl­lis­ten noch im­mer nicht von rund 400.000 „Kar­tei­lei­chen“ge­säu­bert – von Wäh­lern al­so, die kei­nen Wohn­ort in Ma­ze­do­ni­en auf­wei­sen, längst ge­stor­ben, aus­ge­wan­dert oder sch­licht frei er­fun­den sind. Die Über­gangs­re­gie­rung und die na­tio­na­le Wahl­kom­mis­si­on räu­men im­mer­hin 107.000 sol­cher „Phan­tom­wäh­ler“ein und ver­spra­chen, die Ver­zeich­nis­se bis zum Wahl­ter­min zu kor­ri­gie­ren. Zaev traut dem Ver­spre­chen nicht, auch die Wahl­be­ob­ach­ter-Or­ga­ni-

Wahl­be­ob­ach­ter-NGO „Ci­vil“ sa­ti­on „Ci­vil“zwei­felt: „Nicht ei­ne der drei Schlüs­sel­re­for­men, die EU und USA ver­lan­gen, wur­de um­ge­setzt“, sagt de­ren Spre­cher. Die Emis­sä­re ha­ben ex­tra den Neu­wahl­ter­min um zwei Mo­na­te ver­scho­ben, um der Über­gangs­re­gie­rung mehr Zeit zu ge­ben. Die Links­op­po­si­ti­on for­dert au­ßer ei­ner Wahl­re­form auch freie Me­di­en – die über­wie­gend un­ter dem Ein­fluss der bis­he­ri­gen Re­gie­rungs­par­tei ste­hen – und un­ab­hän­gi­ge staat­li­che In­sti­tu­tio­nen. So nutzt Gruev­ski den Re­gie­rungs­ap­pa­rat als Mo­tor für sei­ne Wahl­kam­pa­gne. Die Wahl wird statt­fin­den, ob mit oder oh­ne Op­po­si­ti­on, denn das Par­la­ment hat sich ver­gan­ge­ne Wo­che auf­ge­löst. Nur mas­si­ver Druck von au­ßen kann ei­ne Ver­schär­fung der po­li­ti­schen Kri­se noch ver­hin­dern.

„Nicht ei­ne der drei Schlüs­sel­re­for­men, die EU und USA ver­lan­gen,

wur­de um­ge­setzt“

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