Fünf Jah­re Haft für Ma­ri­hua­na-An­bau

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KLEVE - VON SA­B­RI­NA PE­TERS

Ein 56-jäh­ri­ger Nie­der­län­der soll im vo­ri­gen Jahr in Nüt­ter­den ei­ne Ma­ri­hua­na-Plan­ta­ge be­trie­ben ha­ben. Er selbst schwieg ges­tern zu den Vor­wür­fen. Dem Rich­ter reich­ten die Viel­zahl von In­di­zi­en je­doch für ei­ne Ver­ur­tei­lung aus.

KRA­NEN­BURG-NÜT­TER­DEN In ei­nem ge­streif­ten Hemd mit Kra­wat­te und ei­nem schwar­zen An­zug be­trat ein 56-jäh­ri­ger Nie­der­län­der ges­tern Mor­gen den Ge­richts­saal vor dem

Staats­an­walt Land­ge­richt Kle­ve. Höf­lich stell­te er sich sei­nem Dol­met­scher vor. Sein strah­len­des Lä­cheln zeig­te er auch über den gan­zen Tag ver­teilt im­mer mal wie­der der 2. gro­ßen Straf­kam­mer, die ges­tern ei­ne Straf­ver­hand­lung ge­gen den ge­bür­ti­gen Ira­ner we­gen un­er­laub­ten Han­del­trei­bens mit Be­täu­bungs­mit­teln in nicht ge­rin­ger Men­ge führ­te. „Ihr Stol­per­stein ist Ih­re Höf­lich­keit ge­we­sen“, sag­te der Staats­an­walt nach Schlie­ßung der Be­weis­auf­nah­me in sei­nem Plä­doy­er, in dem er vier Jah­re Frei­heits­stra­fe for­der­te. Das Ge­richt ver­häng­te we­nig spä­ter mit ei­ner fünf­jäh­ri­gen Haft­stra­fe so­gar un­ge­wöhn­li­cher Wei­se ei­ne noch hö­he­re Haft­stra­fe. Zu die­ser führ­te ei­ne Viel­zahl von In­di­zi­en.

Al­les fing an im Spät­som­mer des ver­gan­ge­nen Jah­res. Der 56-jäh­ri­ge An­ge­klag­te kauf­te bei ei­nem nie­der- län­di­schen Im­mo­bi­li­en­mak­ler ein re­no­vie­rungs­be­dürf­ti­ges Haus in Nüt­ter­den. Ab Sep­tem­ber 2015 soll er laut An­kla­ge der Staats­an­walt­schaft ei­ne Ma­ri­hua­na-Plan­ta­ge in dem Ob­jekt be­trie­ben ha­ben, die am 5. No­vem­ber des­sel­ben Jah­res nach ei­nem Dach­stuhl­brand auf­flog. Der Be­schul­dig­te, wel­cher sich we­ni­ge Ta­ge spä­ter selbst der Po­li­zei stell­te, wies die Vor­wür­fe in ei­ner po­li­zei­li­chen Ver­neh­mung zu­rück und leg­te ei­nen schrift­lich ver­fass­ten Miet­ver­trag vor, der be­le­gen soll­te, dass er das Haus ab Sep­tem­ber 2015 an ei­nen Bul­ga­ren ver­mie­tet ha­be. Vor Ge­richt schwieg er dann al­ler­dings zu den ge­sam­ten Vor­wür­fen. Den Mie­ter konn­te die Staats­an­walt­schaft da­ge­gen nicht aus­fin­dig ma­chen. Wie die Er­mitt­lun­gen er­ga­ben, han­delt es sich bei dem hin­ter­leg­ten Pass um ei­nen ge­fälsch­ten Aus­weis. Der Na­men­ge­ber hat­te die­sen be­reits 2004 als ge­stoh­len ge­mel­det. Um den­noch zu be­wei­sen, dass es die­sen Mie­ter gab, lu­den die Ver­tei­di­ger des An­ge­klag- ten zwei Zeu­gen, ei­nen Freund und ei­nen Mit­ar­bei­ter aus dem Kle­ver Gas­tro­no­mie­be­trieb des An­ge­klag­ten, vor, die bei der ver­meint­li­chen Un­ter­zeich­nung des Miet­ver­tra­ges zu­ge­gen ge­we­sen sein sol­len. Der Staats­an­walt hielt je­doch be­son­ders den ers­ten Zeu­gen für un­glaub­wür­dig. In sei­ner Ur­teils­be­grün­dung fass­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter spä­ter zu­sam­men: „Die­ser Mie­ter war nicht auf­find­bar. Es war kei­ne An­schrift und kei­ne Te­le­fon­num­mer im Miet­ver­trag hin­ter­legt. Au­ßer- dem han­del­te es sich um ge­fälsch­te Pa­pie­re. Die­sen Mie­ter hat es nie ge­ge­ben.“Nach­barn vom Haus des An­ge­klag­ten, die ge­gen­über woh­nen, sag­ten ges­tern vor Ge­richt aus, dass sie kei­ne Per­son wahr­ge­nom­men hät­ten, die in die­sem Ge­bäu­de woh­ne. Je­doch ha­be sich der An­ge­klag­te ein­mal als neu­er Nach­bar bei ih­nen vor­ge­stellt. Die­se Höf­lich­keit sei ihm zum Ver­häng­nis ge­wor­den, mein­te der Staats­an­walt spä­ter.

Ein wei­te­res wich­ti­ges Merk­mal, das laut Ur­teils­be­grün­dung zur Ver­ur­tei­lung des 56-jäh­ri­gen Nie­der­län­ders ge­führt ha­be, war die pro­fes­sio­nell ein­ge­rich­te­te Ma­ri­hua­naPlan­ta­ge in Tei­len des Ober- und Un­ter­ge­schos­ses im Ge­bäu­de in Nüt­ter­den. Ne­ben den Ma­ri­hua­naPflan­zen sei zu­dem wei­te­res Equip­ment auch im Um­feld des Hau­ses ge­fun­den wor­den, heißt es in den Po­li­zei­be­rich­ten. Ein Gut­ach­ten er­klär­te au­ßer­dem, dass mit den 630 im Ob­jekt ge­fun­de­nen Pflan­zen ei­ne Ern­te­men­ge von 16 Ki­lo­gramm zur Be­rau­schung fä­hi­ges Ma­ri­hua­na vor­aus­sicht­lich er­zielt wor­den wä­re. „Zu­sam­men mit der Pro­fes­sio­na­li­tät kön­nen wir da nicht mehr von ei­nem min­der schwe­ren Fall spre­chen“, be­grün­de­te der Rich­ter.

Die Ver­tei­di­gung hat­te in­des auf Frei­spruch plä­diert, da es nur In­di­zi­en, aber kei­ne Be­wei­se ge­be. Für das Ge­richt reich­te die Viel­zahl an In­di­zi­en je­doch für die Ver­ur­tei­lung aus.

„Ihr Stol­per­stein, ist Ih­re Höf­lich­keit

ge­we­sen“

RP-AR­CHIV­FO­TO: EVERS

In der al­ten Kat­stel­le auf der Rö­mer­stra­ße in Nüt­ter­den wur­de der Hanf­an­bau sei­ner­zeit ent­deckt.

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