Far­be durchs gan­ze Jahr

Rheinische Post Goch - - WISSEN/SERIE - VON MAR­TI­NA STÖ­CKER

KRE­FELD/GEL­DERN Im Früh­ling ha­ben die Tul­pen ih­ren gro­ßen Auf­tritt, im Som­mer blü­hen Stau­den um die Wet­te, im Herbst sor­gen kun­ter­bun­te Blät­ter für Far­ben­spiel, und im Win­ter sind Grä­ser und im­mer­grü­ne Pflan­zen die Farb­tup­fer: Ei­nen Gar­ten an 365 Ta­gen im Jahr in vie­len Far­ben er­strah­len zu las­sen, dar­in be­steht laut dem eng­li­schen Gar­ten-Ex­per­ten Nick Bai­ley die wah­re Kunst­fer­tig­keit des Gärt- ners. Da­mit das ge­lingt, soll­te ein Gar­ten durch­dacht sein. „Es braucht ei­ne gu­te Mi­schung“, sagt The­re­sa To­poll, Gärt­ne­rin und Gar­ten­ar­chi­tek­tin aus Kre­feld. Viel­falt be­deu­tet aber nicht, von je­der Pflan­ze ein Ex­em­plar. Denn man­che wir­ken erst in der Grup­pe. So­li­tär­pflan­zen, meist Ge­höl­ze, be­ste­chen hin­ge­gen durch Blü­te, Wuchs, Frucht­stand und Laub­fär­bung. „Die Fel­sen­bir­ne ist zum Bei­spiel als So­li­tär ge­eig­net, eben­so der chi­ne­si­sche Blu­men­har­trie­gel“, sagt To­poll. Sie bie­ten durchs Jahr un­ter­schied­li­che Blick­fän­ge, an­ders die For­sy­thie. „Sie ist im Früh­jahr ein Hin­gu­cker, aber da­für im rest­li­chen Jahr eher un­spek­ta­ku­lär.“Wer ei­nen Gar­ten plant, soll­te des­halb die Blü­te­zei­ten sei­ner Wunsch­pflan­zen no­tie­ren – so sieht er ge­nau, wo noch Lü­cken im Farb­spek­trum sind.

Der Gärt­ner muss die Pflan­zen fin­den, die sich durch die Jah­res­zei­ten ver­än­dern, und dann die­se mit den­je­ni­gen kom­bi­nie­ren, die nur kur­ze, da­für in­ten­si­ve Blü­te­pha­sen ha­ben oder sich auch über Mo­na­te nicht ver­än­dern. „In ei­nen Gar­ten muss man vie­le Ak­zen­te rein­brin­gen, Blät­ter und For­men ge­gen­sätz­lich an­ord­nen“, emp­fiehlt Fer­di­nand Peun, In­ha­ber ei­nes Be­triebs für Gar­ten- und Land­schafts­bau in Gel­dern. Ei­nen Farb­tup­fer im Gar­ten set­zen Ro­sen. „Je nach Sor­te blü­hen sie et­wa ein Drei­vier­tel­jahr“, sagt Peun. Ro­sen gel­ten als Sen­si­bel­chen, wer beim Kauf auf die Buch­sta­ben „ADR“ach­tet, der be­kommt Sor­ten, die we­ni­ger an­fäl­lig ge­gen Schäd­lin­ge sind.

Der Früh­ling ist die Zeit der Zwie­beln (sie­he Tipp), im Som­mer blü­hen Zier­ta­bak, Sal­bei, Schmuck­körb­chen und Spin­nen­pflan­ze. Stau­den mit be­son­ders lan­gen Blü­te­zei­ten zwi­schen sechs bis acht Wo­chen sind zum Bei­spiel Licht­ker­ze, Gold­lack, Ver­be­ne und Phlox. Im Herbst er­rei­chen die Grä­ser ih­ren Hö­he­punkt, sie ge­ben dem Gar­ten dann Struk­tur und Hö­he, wenn die Stau­den schon platt wie­der am Bo­den lie­gen. Und die Ge­höl­ze lie­fern schö­ne Laub­far­ben, gut ge­eig­net sind der Korkspin­del- und der Fe­der­busch­strauch. Aber auch die Eich­blatt-Hor­ten­sie oder Spät­blü­her wie Herbst-Chry­san­the­men und Mar­ge­ri­ten sor­gen noch für Farb­tup­fer.

Im Win­ter rü­cken Im­mer­grü­ne wie Ei­be (Ach­tung, gif­tig! Aber pflegeleicht, weil lang­sam wach­send) oder Efeu in den Mit­tel­punkt. Auch Grä­ser mit ih­ren un­ter­schied­li­chen Far­ben, For­men und Blü­ten­stän­den zie­hen die Blicke auf sich – erst recht, wenn Eis oder Schnee sie in bi­zar­re Fi­gu­ren ver­wan­deln. To­poll schätzt auch Zier­ap­fel­bäu­me wie den Red Sen­ti­nel. „Die Äp­fel sind zwar ess­bar, aber nur so groß wie Kir­schen. Wenn man sie hän­gen­lässt, ha­ben die Tie­re et­was da­von, und die ro­ten Äp­fel­chen se­hen hübsch aus.“Auch der Lie­bes­per­len-Strauch (eben­falls gif­tig) mit sei­nen knal­li­gen li­la Bee­ren ist ein Hin­gu­cker, eben­so der Ap­fel­dorn. Blick­fang in der kal­ten Jah­res­zeit kann al­ler­dings auch ei­ne schwe­den­rot ge­stri­che­ne Per­go­la sein, an der ein im­mer­grü­nes Efeu rankt, emp­fiehlt Peun.

Eben­so wich­tig für ei­nen im­mer­bun­ten Gar­ten in den war­men Mo­na­ten ist ei­ne gu­te Pflan­zen­pfle­ge. Wer Blu­men selbst aus­sät, der kann mit Fol­ge­saa­ten die Blüh­pe­ri­ode ver­län­gern. Der Mohn oder die Rin­gel­blu­me zum Bei­spiel zei­gen ih­re Blü­ten nur zwei Wo­chen. Nach der ers­ten Aus­saat in der Früh­lings­mit­te folgt nach drei Wo­chen die zwei­te Saat, dann sind die ers­ten Keim­lin­ge schon zu se­hen. Nach wei­te­ren drei Wo­chen folgt die drit­te Saat. Bei sehr gu­tem Wetter über­schnei­den sich die drei Blü­te­zei­ten, und man hat wo­chen­lang Freu­de da­ran. Auf je­den Fall soll­te man im­mer wel­ke Blü­ten ab­schnei­den, sonst steckt die Pflan­ze all ih­re Kraft in die Sa­men­bil­dung – und nicht in die Blü­ten.

Bei Stau­den lässt sich der Blüh­be­ginn durch ei­nen Rück­schnitt ver­zö­gern, emp­fiehlt Gar­ten­ex­per­te Nick Bai­ley. Wer­den et­wa Korb­blüt­ler, Phlox und Eh­ren­preis im Spät­früh­ling auf die Hälf­te ge­kappt, wach­sen sie kom­pak­ter und blü­hen ei­nen Mo­nat spä­ter. Ab­schluss Der letz­te Teil un­se­rer Gar­ten­se­rie, „Wel­che Ge­rä­te im Schup­pen ste­hen müs­sen“, er­scheint am Frei­tag. Le­se­tipp: „Blü­hen­de Bee­te, 365 Ta­ge Gar­ten­glück“, von Nick Bai­ley, Call­w­ey Ver­lag, 224 S., 29,95 Eu­ro

FO­TOS: JO­NA­THAN BUCKLEY/CALL­W­EY VER­LAG

Der Früh­ling ge­hört den Tul­pen, hier kom­bi­niert mit Grä­sern und blü­hen­den Stau­den.

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