Mi­nis­ter: Braun­koh­le-Plä­ne ge­fähr­den Tau­sen­de Jobs

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON ANT­JE HÖ­NING

ES­SEN Die Vor­schlä­ge der Denk­fa­brik Ago­ra zum vor­zei­ti­gen Braun­koh­le-Aus sor­gen in NRW für gro­ße Auf­re­gung: „Sie ge­fähr­den die Ver­sor­gungs­si­cher­heit eben­so wie Tau­sen­de von Ar­beits­plät­zen im rhei­ni­schen Re­vier“, warnt Wirt­schafts­mi­nis­ter Gar­relt Du­in (SPD). „Es gibt auch kei­ne kli­ma­po­li­ti­sche Not­wen­dig­keit für ei­nen ver­früh­ten Aus­stieg. Mit den jüngst be­schlos­se­nen Maß­nah­men wer­den die CO2- Zie­le er­reicht.“Es be­ste­he kein Grund, durch ei­ne neue De­bat­te Un­si­cher­heit in Re­gi­on und Un­ter­neh­men zu tra­gen. RWE hat im rhei­ni­schen Re­vier gut 9000 Mit­ar­bei­ter.

Fast wort­gleich hat­te sich zu­vor RWE ge­äu­ßert. „Es ist be­dau­er­lich, dass bei den Men­schen im Re­vier er­neut Un­ru­he ge­schürt wer­den soll. Die Vor­schlä­ge wür­den zum Struk­tur­bruch füh­ren mit ver­hee­ren­den Fol­gen.“Das ha­be schon beim Kli­ma­bei­trag ge­droht, den 2015 das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis- te­ri­um vor­ge­schla­gen hat­te, der aber „durch gro­ße, ge­mein­sa­me An­stren­gun­gen ver­hin­dert wor­den ist“. Statt­des­sen ge­hen in den nächs­ten Jah­ren fünf RWE-Blö­cke in ei­ne Kraft­werks­re­ser­ve, wo­für RWE auch noch Geld be­kommt.

Die Denk­fa­brik Ago­ra schlägt (wie ges­tern be­rich­tet) vor, dass RWE zur Er­rei­chung der Kli­ma­schutz­zie­le mehr als die Hälf­te der rhei­ni­schen Braun­koh­le in der Er­de las­sen soll. In Ber­lin ist zu hö­ren, dass Ago­ra das Pa­pier eng mit Rai­ner Baa­ke ab- ge­stimmt ha­be, der bis 2013 Chef der Denk­fa­brik war und heute als Staats­se­kre­tär im Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um die Ener­gie­po­li­tik be­stimmt. Der Ta­ge­bau In­den soll dem­nach bis 2023 ge­schlos­sen wer­den, Mit­te der 2020er Jah­ren sol­len Garz­wei­ler oder Ham­bach fol­gen, 2039 end­gül­tig Schluss sein. RWE geht da­ge­gen von Aus­koh­lung bis Mit­te des Jahr­hun­derts aus.

Die CDU sprach von ei­nem An­griff auf den In­dus­trie­stand­ort NRW, die FDP von ei­nem un­ver­ant- wort­li­chen Vor­schlag. Die Grü­nen be­grüß­ten da­ge­gen die Ago­ra-Plä­ne: Sie stell­ten ei­ne gu­te Grund­la­ge für die nö­ti­gen Ge­sprä­che zum Koh­le­aus­stieg dar. Die Re­gi­on brau­che Pla­nungs­si­cher­heit.

Un­ab­hän­gig da­von ge­rät RWE un­ter Druck. „Wir wer­den noch mehr spa­ren müs­sen“, sag­te der künf­ti­ge RWE-Chef Rolf Martin Schmitz dem „Han­dels­blatt“. Man kom­me um Ein­schnit­te nicht rum, spe­zi­ell 2018 und 2019, wenn RWE den Ver­fall der Strom­prei­se voll spü­ren wer­de.

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