„Ak­tu­el­le St­un­de“ver­lässt Düs­sel­dorf

Rheinische Post Goch - - FERNSEHEN - VON LES­LIE BROOK UND UWE-JENS RUHNAU

Im dann sa­nier­ten Film­haus in Köln soll ab 2021 die ak­tu­el­le Be­richt­er­stat­tung im WDR ge­bün­delt wer­den.

DÜS­SEL­DORF Ein gro­ßer Um­zug steht be­vor: Die Sen­dun­gen des West­deut­schen Rund­funks „Ak­tu­el­le St­un­de“, „WDR ak­tu­ell“und „WDR ex­tra“wer­den ab 2021 nicht mehr in Düs­sel­dorf, son­dern in Köln pro­du­ziert. Dies be­stä­tig­ten ges­tern meh­re­re WDR-Mit­ar­bei­ter un­se­rer Re­dak­ti­on. Dem Ver­neh­men nach soll be­reits bis spä­tes­tens Mai die Sen­dung „da­heim und un­ter­wegs“nach Köln ver­legt wer­den.

WDR-In­ten­dant Tom Buhrow soll die Be­leg­schaft dar­über ges­tern per­sön­lich in­for­miert ha­ben. „Das ist hier ein­ge­schla­gen wie ei­ne Bom­be“, sag­te ein WDR-Mit­ar­bei­ter. Der Sen­der ha­be erst vor ei­nem Jahr die kom­plet­te drit­te Eta­ge für die „Ak­tu­el­le St­un­de“um­ge­baut und ne­ben dem gro­ßen Stu­dio auch ei­nen News­room ein­ge­rich­tet. Bei vie­len Kol­le­gen herr­sche Un­ver­ständ­nis, man kön­ne den Schritt nur schwer nach­voll­zie­hen. Die Ent­schei­dung ber­ge al­ler­dings ein gro­ßes Ein­spar­po­ten­zi­al und sei des­we­gen ver­mut­lich ge­trof­fen wor­den, so un­po­pu­lär sie auch sei.

Da­mit kehrt der WDR dem Stand­ort im Düs­sel­dor­fer Me­di­en­ha­fen wei­test­ge­hend den Rü­cken – in der Lan­des­haupt­stadt sol­len dem­zu­fol­ge künf­tig nur noch die „Lo­kal­zeit Düs­sel­dorf“, „West­blick“, „West­pol“und die „hier und heute“-Re­dak­ti­on ver­blei­ben. Der Wech­sel nach Köln wird nach An­ga­ben des WDR kei­ne per­so­nel­len Ein­spa­run­gen zur Fol­ge ha­ben. Da noch Ge­sprä­che mit den Mit­ar­bei­tern zum Kon­zept ge­führt wür­den, kön­ne man noch nicht kon­kret sa­gen, wie vie­le Kol­le­gen um­zie­hen wer­den. Der WDR-In­si­der geht da­von aus, dass bis zu 100 und mehr An­ge­stell­te nach Köln wech­seln könn­ten. „Da ge­hen ja nicht nur Re­dak­teu­re, son­dern auch Ka­me­ra­leu­te und Cut­ter.“

Der of­fi­zi­el­le Grund für den Wech­sel ins dann sa­nier­te Film­haus in Köln lau­tet: Die ak­tu­el­le Be­richt­er­stat­tung soll zen­tral ge­bün­delt wer­den, in­halt­lich, tech­nisch und cross­me­di­al, sag­te Un­ter­neh­mens­spre­che­rin In­grid Schmitz un­se­rer Re­dak­ti­on. Der Ar­beits­ti­tel da­für lau­te „Haus der Ak­tua­li­tät“. Der WDR be­stä­tig­te, dass auch der ak­tu­el­le Desk des Hör­funks so­wie ei­ne „In­for­ma­ti­ons­wel­le des Ra­di­os“in den neu­en News­room zie­hen.

Für die Stadt Düs­sel­dorf als Me­dien­stand­ort be­deu­tet die Ver­la­ge- rung auf je­den Fall ei­ne Schwä­chung. Das WDR-Stu­dio ist das größ­te der elf Re­gio­nal­stu­di­os in di­rek­ter Nach­bar­schaft zu Staats­kanz­lei und Land­tag. Es war der ers­te Leucht­turm für den Me­di­en­ha­fen, in sei­ner Nach­bar­schaft sie­del­ten die städ­ti­schen Wirt­schafts­för­de­rer in den 90er Jah­ren wei­te­re TVSen­der so­wie Me­di­en­fir­men an.

Die „Ak­tu­el­le St­un­de“aus Düs­sel­dorf zu sen­den, sei ei­ne nach­voll­zieh­ba­re Ent­schei­dung ge­we­sen, sagt ein WDR-Mit­ar­bei­ter. „Sie ge­hör­te in die Lan­des­haupt­stadt, da­hin, wo die Po­li­tik ge­macht wird.“Im Sen­der fra­gen sich die Me­dien­leu­te nun, wel­chen Er­satz das nun ge­schwäch­te Lan­des­stu­dio er­hal­ten kön­ne.

Das Funk­haus Düs­sel­dorf ist ei­ne Im­mo­bi­lie des WDR. Was mit den in fünf Jah­ren frei­wer­den­den Flä­chen pas­sie­ren soll, ist noch un­klar. „Der­zeit prü­fen wir meh­re­re Op­tio­nen“, er­klär­te die Sen­der­spre­che­rin.

Düs­sel­dorfs Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel (SPD) zeig­te sich am Abend über­rascht, der WDR-In­ten­dant hat­te ihn nicht vor­ab über den Um­zug der „Ak­tu­el­len St­un­de“in­for­miert. „Der Weg­gang ist sehr be­dau­er­lich“, sag­te Gei­sel, „und löst bei mir wahr­lich kei­ne Be­geis­te­rungs­stür­me aus.“Er ha­be mit Buhrow bei der Ver­lei­hung des „Deut­schen Fern­seh­prei­ses“im Ja­nu­ar in Düs­sel­dorf auch über die Si­tua­ti­on des Sen­ders ge­spro­chen, aber ei­ne Ent­schei­dung „in die­ser Rich­tung“sei da nicht an­ge­deu­tet wor­den.

FO­TO: WDR

Zwei der Mo­de­ra­to­ren der „Ak­tu­el­len St­un­de“: Martin von Mau­schwitz und As­li Se­vin­dim.

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