Be­rufs-Hir­te

Rheinische Post Goch - - GOTT UND DIE WELT - MICHA­EL RÜBO DIA­KON, KLE­VE

In mei­nem Be­ruf ha­be ich mit den un­ter­schied­lichs­ten Be­ru­fen in der Aus­bil­dung und Wei­ter­bil­dung zu tun. Und so wie sich die An­for­de­run­gen aus In­dus­trie und Hand­werk ver­än­dern, so ver­än­dern sich auch Be­ru­fe und Be­rufs­bil­der. Al­te Be­ru­fe ver­schwin­den, neue kom­men hin­zu, an­de­re be­kom­men ein ganz neu­es Pro­fil.

Wenn wir durch den trau­ri­gen Tod von Ma­ria Kis­ters in die­sen Ta­gen auf das Le­bens­werk von Karl und Ma­ria Kis­ters schau­en, wer­den wir auch im Blick ha­ben, wie sehr sich die Ehe­leu­te mit Pio­nier­geist die­sen Ve­rän­de­run­gen ge­stellt ha­ben und mit ih­rer Stif­tung auf Zu­kunft hel­fen, dass Men­schen sich gut qua­li­fi­ziert der Ar­beits­welt stel­len kön­nen.

Am Sonn­tag steht ein ganz al­ter Be­ruf im Zen­trum des Evan­ge­li­ums – Je­sus als der Gu­te Hir­te. Die Her­de ver­än­dert sich. Wenn sie über­haupt mal zu ver­glei­chen war mit ei­ner Schafs­her­de, die treu und brav hin­ter ih­rem Hir­ten her­läuft, ist sie si­cher­lich heu­te an­ders: viel­fach treu und ver­bun­den, im­mer mehr kri­tisch und dis­tan­ziert; oft­mals ei­gen­wil­lig und selbst­be­wusst ei­gen­stän­dig; manch­mal ver­är­gert und re­bel­lie­rend, der Her­de ver­bun­den oder auch der Her­de den Rü­cken keh­rend.

Und so wie die Her­de ei­ne an­de­re ge­wor­den ist , so wie sich die Chris­tin­nen und Chris­ten ver­än­dern und wie ih­re Le­bens­we­ge häu­fig ganz an­ders ver­lau­fen als die Spur des vor­her­ge­hen­den Hir­ten es vor­sieht , so muss sich auch die Ar­beit des Hir­ten ver­än­dern. Da­bei braucht er noch nicht mal die We­sens­merk­ma­le sei­nes Be­ru­fes, das Pro­fil sei­ner Be­ru­fung ver­än­dern. Auch heu­te muss der Hir­te den Ver­lo­re­nen nach­ge­hen, die Ver­let­zen an Leib und See­le ver­bin­den; den Ver­ängs­tig­ten und Ent­täusch­ten neue Hoff­nung ge­ben, die Schwa­chen tra­gen, die Star­ken und Ei­gen­wil­li­gen nut­zen; die Trau­ri­gen trös­ten, die Ent­fern­ten su­chen und de­nen, die die Her­de ver­las­sen ha­ben oder sie ver­las­sen muss­ten die Stall­tü­re of­fen­hal­ten.

Papst Fran­zis­kus hat es uns in die­sen Ta­gen ge­zeigt, wie es geht. Dan­ke Fran­zis­kus, du bist ein gu­ter Hir­te in die­sen Zei­ten.

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