Nied­ri­ges Zins­ni­veau cle­ver nut­zen

Rheinische Post Goch - - EXTRA - VON MAT­THI­AS VON AR­NIM

Bau­fi­nan­zie­run­gen sind noch im­mer his­to­risch günstig. Bau­her­ren soll­ten sich bei ih­rer Ent­schei­dung aber nicht nur von nied­ri­gen Zin­sen lo­cken las­sen.

Die Zin­sen sind im Kel­ler. „Für ein zehn­jäh­ri­ges Dar­le­hen zah­len Bau­her­ren, Im­mo­bi­li­en­käu­fer und An­schluss­fi­nan­zie­rer der­zeit oft nicht mehr als 1,2 bis 1,3 Pro­zent. Mit ei­ner Mo­nats­ra­te von 1000 Eu­ro las­sen sich so bei zwei­pro­zen­ti­ger An­fangs­til­gung rund 370.000 Eu­ro fi­nan­zie­ren“, rech­net Mi­chiel Go­ris, Vor­stands­vor­sit­zen­der der In-

Ei­gen­heim­käu­fer soll­ten sich Zeit neh­men, um die pas­sen­de Fi­nan­zie

rung zu fin­den

ter­hyp AG, vor. Der Traum vom Ei­gen­heim ist des­halb für vie­le in er­reich­ba­re Nä­he ge­rückt. Fi­nan­zie­run­gen sind günstig. Theo­re­tisch je­den­falls. Prak­tisch ma­chen sich Häus­le­bau­er lei­der oft das Le­ben un­nö­tig schwer. Denn der Wunsch, end­lich in den ei­ge­nen vier Wän­den zu le­ben, nimmt vie­len den ob­jek­ti­ven Blick für das Aus­lo­ten der bes­ten Kon­di­tio­nen für die nö­ti­ge Bau­fi­nan­zie­rung.

„Ei­gen­heim­käu­fer soll­ten sich die Zeit neh­men, um die in­di­vi­du­ell zu ih­ren Be­dürf­nis- sen pas­sen­de Fi­nan­zie­rungs­struk­tur zu fin­den“, sagt Mi­chiel Go­ris. So ist der­zeit ei­ne hö­he­re Til­gung meist ei­ne gu­te Wahl: Denn nied­ri­ge Zin­sen ver­län­gern durch die Mecha­nik des An­nui­tä­ten­dar­le­hens die Til­gungs­dau­er er­heb­lich. „Beim der­zei­ti­gen Zins­ni­veau dau­ert die Rück­zah­lung mit ei­ner an­fäng­li­chen Til­gungs­ra­te von ei­nem Pro­zent mehr als 60 Jah­re“, so Go­ris. Wer da­ge­gen mit ei­nem an­fäng­li­chen Til­gungs­satz von zwei bis drei Pro­zent star­tet, kann bis zum En­de der Zins­bin­dungs­frist sei­nes Dar­le­hens die Schul­den­last er­heb­lich drü­cken – und steht zu­dem nach fünf bis zehn Jah­ren nicht mög­li­cher­wei­se ge­stie­ge­nen Zin­sen und ei­ner ho­hen Rest­schuld hilf­los ge­gen­über. „Ein an­fäng­li­cher Til­gungs­satz von drei Pro­zent ist der­zeit un­se­re kla­re Emp­feh­lung“, so Go­ris.

Auch da­bei ist ein ho­hes Maß an Fle­xi­bi­li­tät mög­lich: Vie­le Banken bie­ten heu­te kos­ten­lo­se Son­der­til­gungs­op­tio­nen, und auch f le­xi­ble Til­gungs­wech­sel wäh­rend der Lauf­zeit sind im­mer häu­fi­ger mög­lich: „Über die Son­der­til­gung kann man zu­sätz­li­ches Ka­pi­tal als re­gel­rech­ten Ent­schul­dungs­tur­bo ein­set­zen“, so Go­ris, und er­gänzt: „Fle­xi­ble Til­gungs­wech­sel bie­ten die Chan­ce, im Lauf der Zeit die mo­nat­li­che Ra­te ein Stück weit an die per­sön­li­che Si­tua­ti­on wie auch das Um­feld an­zu­pas­sen.“Ins­be­son­de­re für Ei­gen­nut­zer emp­fiehlt es sich folg­lich, die ak­tu­ell nied­ri­gen Zin- sen mög­lichst lan­ge – al­so zum Bei­spiel für 15 Jah­re – fest­zu­schrei­ben.

Vor­sich­tig sein soll­ten Im­mo­bi­li­en­be­sit­zer auch bei der An­schluss­fi­nan­zie­rung: „Noch im­mer neh­men vie­le Kun­den das Pro­lon­ga­ti­ons­an­ge­bot ih­rer bis­he­ri­gen Bank an, oh­ne ge­nau nach­zu­rech­nen oder Ver­gleichs­an­ge­bo­te ein­zu­ho­len“, so Go­ris. Kein Wun­der: Die An­ge­bo­te bie­ten der­zeit meist ei­nen nied­ri­ge­ren Zins für den An­schluss­kre­dit, und die mo­nat­li­che Ra­te ist ge­rin­ger als beim al­ten, lau­fen­den Kre­dit.

Doch bei­de Fak­to­ren soll­ten Kre­dit­neh­mer kri­tisch über­prü­fen: „Ei­ne aus­führ­li­che Analyse und An­pas­sung der bis­he­ri­gen Fi­nan­zie­rungs­struk­tur an die ak­tu­el­le Le­bens­si­tua­ti­on bie­tet ge­ra­de im ak­tu­el­len Um­feld enor­me Chan­cen. Ei­ne Sen­kung der mo­nat­li­chen Ra­te ist da­ge­gen nicht un­be­dingt sinn­voll“, sagt Mi­chiel Go­ris. Denn wer ge­rin­ge­re Mo­nats­ra­ten zahlt, tilgt auch lang­sa­mer. Bes­ser sei es, die mo­nat­li­che Ra­te des ak­tu­el­len Kre­dits ein­fach wei­ter­zu­füh­ren und mehr zu til­gen. „Wenn ei­ne Fa­mi­lie bei­spiels­wei­se 1000 Eu­ro im Mo­nat an Zin­sen und Til­gung zah­len kann, dann soll­te sie die­se Ra­te ein­fach fort­füh­ren und die bes­se­ren Kon­di­tio­nen für ei­ne ent­spre­chend hö­he­re Til­gung nut­zen, um schnel­ler schul­den­frei zu sein“, so Go­ris. Wer bei ei­nem Zins­satz von 1,3 Pro­zent mit drei Pro­zent tilgt und nicht das bis­he­ri­ge Til­gungs­ni­veau fort­setzt, hat die Chan­ce, be­reits nach gut knapp 28 Jah­ren schul­den­frei zu sein.

„Vie­le Im­mo­bi­li­en­be­sit­zer un­ter­schät­zen zu­dem, dass ih­re Bo­ni­tät und da­mit ih­re Ver­hand­lungs­po­si­ti­on im Lau­fe der Jah­re oft ge­stie­gen ist“, sagt Mi­chiel Go­ris. Denn wer bei­spiels­wei­se zehn Jah­re lang ei­ne Hy­po­thek be­dient hat, der hat be­reits ei­nen Teil sei­ner Schul­den ab­ge­tra­gen, muss we­ni­ger fi­nan­zie­ren und be­sitzt ei­ne Im­mo­bi­lie, de­ren Wert viel­fach ge­stie­gen ist. „Die­se Fak­to­ren müs­sen sich auch in den Kon­di­tio­nen ei­ner An­schluss­fi­nan­zie­rung be­merk­bar ma­chen“, so Go­ris. Wie sehr sich sol­che Fi­nan­zie­rungs­stra­te­gi­en in Zah­len aus­drü­cken, kön­nen Ei­gen­heim­be­sit­zer am bes­ten über­prü­fen, wenn sie Ver­gleichs­an­ge­bo­te ein­ho­len. Nach­rech­nen und Ver­glei­chen lohnt sich. Im­mer.

Vie­le Banken bie­ten heu­te kos­ten­lo­se Son­der­til­gungs

op­tio­nen an

FOTO: IS­TOCK­PHO­TO/GOOD­LUZ

Auf­grund der nied­ri­gen Zin­sen ist der Traum vom Ei­gen­heim für vie­le in greif­ba­re Nä­he ge­rückt: Fi­nan­zie­run­gen sind günstig.

FOTO: BERN­HARD HU­BER/IN­TER­HYP

Mi­chiel Go­ris, Vor­stands­vor­sit­zen­der der In­ter­hyp AG

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.