Ren­ten­plä­ne em­pö­ren CDU-Wirt­schafts­flü­gel

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON MAR­TIN KESS­LER UND BIRGIT MARSCHALL

Mit­tel­stand und Wirt­schafts­rat fürch­ten hö­he­re Bei­trä­ge, wenn die gro­ße Ko­ali­ti­on neue Ren­ten­leis­tun­gen be­schließt.

BERLIN Die Wirt­schafts­po­li­ti­ker der Uni­on ma­chen Front ge­gen Plä­ne der Ko­ali­ti­ons­spit­zen, ge­rin­ge Ren­ten an­zu­he­ben, in­dem das Ren­ten­ni­veau we­ni­ger ge­senkt und ei­ne Le­bens­leis­tungs­ren­te ein­ge­führt wird. „Ich war­ne vor ei­ner De­bat­te über das Ren­ten­ni­veau. Die Ren­ten­re­form wur­de ge­macht, da­mit die Ren­ten­fi­nan­zen nicht aus dem Ru­der lau­fen“, sag­te Carsten Lin­ne­mann, Chef der CDU/CSU-Mit­tel­stands­ver­ei­ni­gung (MIT). „Ge­nau das könn­te aber pas­sie­ren, wenn wir die­ses Fass jetzt auf­ma­chen“, sag­te der CDU-Po­li­ti­ker. Das Ren­ten­ni­veau ist der pro­zen­tua­le An­teil ei­ner Stan­dard­ren­te am Durch­schnitts­ein­kom­men der Er­werbs­tä­ti­gen im glei­chen Jahr. Es soll bis 2030 von der­zeit 47 auf 43 Pro­zent sin­ken.

„Nicht ziel­füh­rend“ge­gen Al­ters­ar­mut sei auch die Le­bens­leis­tungs­ren­te. „Wir dür­fen jetzt nicht den Feh­ler ma­chen, das mo­de­ra­te Wachs­tum durch Mehr­aus­ga­ben bei den So­zi­al­leis­tun­gen zu ge­fähr­den, et­wa mit Blick auf ei­ne Le­bens­leis­tungs­ren­te“, warn­te auch Uni­ons­frak­ti­ons­vi­ze Micha­el Fuchs.

Die bei den Wirt­schafts­po­li­ti­kern so un­ge­lieb­te Le­bens­leis­tungs­ren­te soll die Al­ters­be­zü­ge für Rent­ner aus Steu­er­mit­teln auf­bes­sern, wenn sie 40 Bei­trags­jah­re nach­wei­sen kön­nen, ih­re Ren­te aber trotz­dem un­ter­halb der Grund­si­che­rung liegt. „Die Le­bens­leis­tungs­ren­te ist nicht ziel­füh­rend, weil sie nicht je­ne be­güns­tigt, die sie wirk­lich brau­chen“, sag­te MIT-Chef Lin­ne­mann. Ei­ne Zahn­arzt­gat­tin, die durch ih­ren Ehe­mann gut ver­sorgt sei, kön­ne eben­so in den Ge­nuss der Le­bens­leis­tungs­ren­te kom­men wie der­je­ni­ge, der sie wirk­lich be­nö­ti­ge.

Auch für den Ge­ne­ral­se­kre­tär des Wirt­schafts­rats, Wolf­gang Stei­ger, ist die ge­plan­te Le­bens­leis­tungs­ren­te ein Graus. „Es geht auf kei­nen Fall, dass ein neu­es Ren­ten­pa­ket auf die Müt­ter­ren­te und die Ren­te mit 63 noch mal fünf Mil­li­ar­den Eu­ro drauf­sat­telt. Oder gar das heu­ti­ge Ren­ten­ni­veau ein­ge­fro­ren wird, was am En­de mit 28 bis 30 Mil­li­ar­den Eu­ro drei­mal so teuer ist.“

Die Ko­ali­ti­ons­spit­zen wol­len ne­ben der Ein­füh­rung ei­ner Le­bens­leis­tungs­ren­te auch das lang­fris­ti­ge Ren­ten­ni­veau we­ni­ger ab­sen­ken als ge­setz­lich vor­ge­se­hen. So wol­len sie wach­sen­de Al­ters­ar­mut ver­hin­dern. Sie re­agie­ren da­mit auf Prog- no­sen, wo­nach die Al­ters­ar­mut künf­tig deut­lich zu­neh­men dürf­te, weil vie­le Ge­ring­ver­die­ner, Selbst­stän­di­ge oder Teil­zeit-Kräf­te zu we­nig in die Ren­ten­ver­si­che­rung ein­zah­len. Vie­le von ih­nen könn­ten auf die staat­li­che Grund­si­che­rung im Al­ter, ei­ne Art So­zi­al­hil­fe, an­ge­wie­sen sein. Bis­her sind dies erst drei Pro­zent al­ler Al­ters­rent­ner.

Uni­ons­frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (CDU) be­stä­tig­te ges­tern, dass die Ko­ali­ti­on die Ren­ten­plä­ne noch in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode an­ge­hen will. „Wir al­le soll­ten ver­su­chen, das The­ma Ren­te aus dem Wahl­kampf her­aus­zu­hal­ten“, so lau­tet der from­me Wunsch des Chefs der Uni­ons­Ab­ge­ord­ne­ten.

Ein hö­he­res Ren­ten­ni­veau als ge­plant wür­de die Aus­ga­ben der Ren­ten­ver­si­che­rung dras­tisch er­hö­hen. Die Ren­ten­bei­trags­sät­ze wür­den deut­lich schnel­ler stei­gen als bis­her vor­ge­se­hen. Schon ein Pro­zent­punkt Ve­rän­de­rung des Ren­ten­ni­veaus be­deu­tet nach Be­rech­nung der Ren­ten­ver­si­che­rung, dass die Ren­ten­bei­trä­ge um 0,5 Pro­zent stei­gen müs­sen.

Der Ge­ne­ral­se­kre­tär des Wirt­schafts­rats, Stei­ger, schlägt ein an- de­res Sys­tem vor, um die Al­ters­be­zü­ge jün­ge­rer Bei­trags­zah­ler zu er­hö­hen. „Die jun­gen Leu­te soll­ten recht­zei­tig, wenn es für sie günstig ist, mehr Vor­sor­ge tref­fen. Wir brau­chen ein säu­len­über­grei­fen­des In­for­ma­ti­ons­sys­tem, bei dem die ein­zel­ne Person wie an ei­nen Geld­au­to­ma­ten geht und per Knopf­druck al­le ih­re Al­ters­er­spar­nis­se sieht.“Als Vor­bild sieht Stei­ger Dä­ne­mark und Schwe­den, wo sol­che Kon­ten­sys­te­me schon eta­bliert sind. Der Ver­tre­ter des Wirt­schafts­flü­gels weist auch auf den im Ko­ali­ti­ons­ver­trag fest­ver­ein­bar­ten De­mo­gra­fieCheck hin, nach dem al­le Mehr­be­las­tun­gen für die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on ver­mie­den wer­den sol­len. Dar­auf, so Stei­ger, müs­se die Uni­on po­chen.

Auch die So­zi­al­po­li­ti­ker der gro­ßen Ko­ali­ti­on set­zen auf an­de­re For­men der Al­ters­be­zü­ge. So will Ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) die Be­triebs­ren­te stär­ken. Be­son­ders in klei­nen und mitt­le­ren Un­ter­neh­men sol­le die be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge wei­ter ver­brei­tet wer­den. Un­ter­stützt wird sie da­bei auch vom CDU-So­zi­al­ex­per­ten Pe­ter Weiß.

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