Wie man den rich­ti­gen Wert er­mit­telt

Rheinische Post Goch - - EXTRA SCHULE. - VON TOM NE­BE

Der Ent­schluss steht fest: Das al­te Au­to soll raus. Aber nicht zum Dum­ping-Preis, son­dern zu ei­nem fai­ren Kurs. Man soll­te sich des­halb im Vor­feld ge­nau in­for­mie­ren, denn es gibt vie­le Mög­lich­kei­ten der Wer­ter­mitt­lung.

Au­tos ver­kau­fen ist ei­ne Kunst, heißt es. Die­se Weis­heit hat ei­nen wah­ren Kern. Ge­ra­de aus­ge­buff­te Händ­ler kön­nen un­wis­sen­de Au­to­fah­rer stark nach un­ten han­deln. Da­mit man sein Au­to nicht deut­lich un­ter Wert ver­kauft, soll­te man ganz ge­nau wis­sen, wie viel es tat­säch­lich noch ein­brin­gen kann.

An­zei­gen in der Ta­ges­zei­tung und Au­to­bör­sen im In­ter­net bie­ten ei­ne ers­te Ori­en­tie­rung. Dort su­chen Au­to­fah­rer nach ih­rem Fahr­zeug und ver­glei­chen die An­ge­bo­te. Im In­ter­net soll­te man aber nicht den Feh­ler ma­chen, gleich die Tref­fer auf der ers­ten Sei­te zum Maß­stab zu neh­men, sagt Micha­el Kop­pel­mann vom TÜV Süd. Ei­ne rea­lis­ti­sche Ein­schät­zung ge­lingt, wenn man aus den Preis­an­ga­ben der ers­ten vier Sei­ten ei­nen Mit­tel­wert bil­det.

Laut Markt­be­ob­ach­ter Schwa­cke sind vie­le Pri­vat­käu­fer auf den In­ter­net­por­ta­len über­for­dert. Die­se eig­nen sich dem­nach nur für ei­nen ers­ten Über­blick. Die­ser Preis­ver­gleich im Web lie­fert nur ei­nen „Un­ge­fähr“-Wert, be­tont Gun­nar Beer vom Au­to Club Eu­ro­pa (ACE). Vie­le Au­to­fah­rer über­schät­zen au­ßer­dem mit­un­ter den Ist-Zu­stand des Au­tos, er­gänzt Kop­pel­mann. „Sie sind nicht ob­jek­tiv.“

Bei hö­her­wer­ti­gen Au­tos im fünf­stel­li­gen Be­reich lohnt sich ein Gut­ach­ten von Sach­ver­stän­di­gen, er­klärt Beer. „Ei­ne rea­lis­ti­sche, fun­dier­te Wert­schät­zung kann beim Ver­kauf im teu­re­ren Seg­ment meh­re­re Tau­send Eu­ro aus­ma­chen.“

Sol­che Checks bie­ten ei­ni­ge Au­to­clubs und Prüf­or­ga­ni­sa­tio­nen an. Der ADAC zum Bei­spiel ver­an­schlagt da­für stand­ort­ab­hän­gig zwi­schen 89 und 110 Eu­ro für Nicht­mit­glie­der. Beim TÜV Süd kos­tet das Gut- ach­ten 125 bis 150 Eu­ro. Bei spe­zi­el­le­ren Au­tos, bei­spiels­wei­se Old­ti­mern, neh­men Spe­zia­lis­ten die Beur­tei­lung vor. Da wird es in der Re­gel teu­rer.

On­li­ne bie­tet Schwa­cke für 7,90 Eu­ro ei­ne Be­wer­tung mit Zer­ti­fi­kat auf Ba­sis sei­ner Markt­be­ob­ach­tun­gen. Da­bei kön­nen Fak­to­ren wie Lauf­leis­tung, Mo­nat der Zu­las­sung oder Schä­den wert­stei­gernd oder -min­dernd sein. Al­ler­dings be­tont Schwa­cke, dass der in­di­vi­du­el­le Zu­stand, et­wa des Lacks, nicht be­rück­sich­tigt und das Zer­ti­fi­kat des­halb nicht mit dem Gut­ach­ten ei­nes Sach­ver­stän­di­gen gleich­ge­setzt wer­den kann.

Wer an sei­nem Au­to klei­ne Beu­len und Krat­zer hat, soll­te sich vom Händ­ler nicht zu stark drü­cken las­sen. „Smar­tRe­pai­rer bes­sern die­se mit­un­ter für 100 Eu­ro aus, wäh­rend der Händ­ler er­zählt, er müs­se das für 1000 Eu­ro nachla­ckie­ren las­sen“, sagt Kop­pel­mann.

Wenn der Händ­ler ge­ne­rell nö­ti­ge Re­pa­ra­tu­ren mo­niert, soll­ten Au­to­be­sit­zer im Hin­ter­kopf ha­ben, dass der Händ­ler da­für meist Zu­gang zu we­sent­lich güns­ti­ge­ren Re­pa­ra­tur­mög­lich­kei­ten hat, schil­dert Gun­nar Beer vom ACE. „Durch die vie­len Auf­trä­ge, die er über Part­ner ab­wi­ckelt, be­kommt er meist ei­nen we­sent­lich bes­se­ren Preis als nor­ma­le Au­to­fah­rer. Oder er re­pa­riert gleich in Ei­gen­leis­tung.“

Egal ob man an Pri­vat­per­so­nen oder Händ­ler ver­kauft: Ein lü­cken­lo­ses Ser­vice­heft ist ein ent­schei­den­der Wert­fak­tor, be­tont Kop­pel­mann. „Der Nach­weis über Re­pa­ra­tu­ren und re­gel­mä­ßi­ge War­tung muss da sein.“Oh­ne das Heft kön­ne man an­sons­ten schlech­te Kar­ten ha­ben. So kann zum Bei­spiel der Aus­tausch von Ver­schleiß­tei­len be­legt wer­den. „Da­mit kann man mit Ver­weis auf das neu­wer­ti­ge Teil ge­gen Preis­ab­schlä­ge ar­gu­men­tie­ren.“

Je hö­her die Ki­lo­me­ter­zahl des Ge­brauch­ten ist, des­to tie­fer fällt meist der Händ­ler­ein­kaufs­preis. „Händ­ler ver­kau­fen ab et­wa 120.000 bis 150.000 Ki­lo­me­ter nicht mehr ger­ne an End­kun­den, weil ih­nen das Ri­si­ko der Ge­währ­leis­tung zu groß wird“, er­läu­tert Kop­pel­mann. Die­se schau­en dann statt­des­sen, ob sie das Au­to an an­de­re Händ­ler ver­kau­fen oder in den Ex­port ge­ben kön- nen. Beim Händ­ler müs­sen Au­to­be­sit­zer mit Ab­schlä­gen rech­nen. Denn die ver­die­nen erst durch den Wei­ter­ver­kauf. Sie müs­sen zu­dem Stell­platz und Ge­währ­leis­tung ein­kal­ku­lie­ren. Erst ein Ein­kaufs­preis un­ter Ver­kaufs­wert si­chert ih­nen Ge­winn.

Doch wie viel Mar­ge ist fair? Das hängt auch vom Wert des Au­tos ab, sagt ACE-Fach­mann Beer. Steigt die­ser, nimmt die Hö­he der Mar­ge ab, lau­tet ei­ne Faust­re­gel. Im güns­ti­gen Seg­ment un­ter 3000 Eu­ro et­wa sei­en 50 Pro­zent nicht zu hoch, sagt Beer. Bei teu­re­ren Au­tos sind sol­che Mar­gen da­ge­gen über­trie­ben.

Auch Markt­be­ob­ach­ter Schwa­cke be­stä­tigt die­se Faust­for­mel. Auf dem Schwa­cke-Zer­ti­fi­kat wird der Händ­ler­ein­kaufs- und Händ­ler­ver­kaufs­preis an­ge­ge­ben. Die­se An­ga­ben kön­nen bei der Ein­schät­zung des Händ­ler-An­ge­bots hel­fen.

FOTO: JU­LI­AN STRA-

Prüf­or­ga­ni­sa­tio­nen neh­men für ih­re Gut­ach­ten die Au­tos ge­nau un­ter die Lu­pe. Das lohnt sich vor al­lem bei hö­her­wer­ti­gen Mo­del­len.

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