„Was darf Sa­ti­re? Al­les“– Tuchol­s­kys be­kann­tes Zitat

Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS -

Wenn in Deutsch­land von Sa­ti­re die Re­de ist, wird re­flex­haft Tuchol­s­ky zi­tiert. Doch in wel­chem Zu­sam­men­hang der be­kann­te Jour­na­list und Au­tor die­se Aus­sa­ge traf, wis­sen nur we­ni­ge. Ein Über­blick: Wo hat es ge­stan­den? Kurt Tuchol­s­ky ver­öf­fent­lich­te am 27. Ja­nu­ar 1919 im „Ber­li­ner Ta­ge­blatt“un­ter sei­nem Pseud­onym Ignaz Wro­bel ei­ne Ko­lum­ne mit dem Ti­tel „Was darf Sa­ti­re?“. Was steht im Text? Tuchol­s­ky wird häu­fig mit den Wor­ten „Sa­ti­re darf al­les“wie­der­ge­ge­ben. Tat­säch­lich hat er es so aber gar nicht auf­ge­schrie­ben. Am En­de sei­nes Tex­tes, in dem er den Um­gang sei­ner Zeit­ge­nos­sen mit sa­ti­ri­scher Kri­tik und das We­sen der Gat­tung selbst ge­gen­über­stellt, for­mu­liert der Au­tor sein Fa­zit als Fra­ge. Kor­rekt wie­der­ge­ge­ben lau­tet das Zitat: „Was darf Sa­ti­re? Al­les“. Zur Person Kurt Tuchol­s­ky wur­de 1890 in Berlin ge­bo­ren und zähl­te zu den be­deu­tends­ten Pu­bli­zis­ten der Wei­ma­rer Re­pu­blik. Er galt als Ge­sell­schafts­kri­ti­ker in der Tra­di­ti­on Hein­rich Hei­nes und war ent­schie­de­ner Geg­ner des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus. Er starb 1935 im schwe­di­schen Gö­te­borg.

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