Bo­rus­sia zwi­schen Rück­schlag und Re­kord

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON KARS­TEN KELLERMANN

Nach dem 0:2 in Hannover gab es Pfif­fe für die Mön­chen­glad­ba­cher Pro­fis. Das Ge­fühl, ei­nen eu­ro­päi­schen Wett­be­werb zu ver­pas­sen, ist da. Wirt­schaft­lich wer­den hin­ge­gen heu­te auf der Haupt­ver­samm­lung Er­fol­ge ver­mel­det.

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach hat heu­te Mit­glie­der­ver­samm­lung im Bo­rus­sia-Park. Und da­heim pro­du­zie­ren die Glad­ba­cher in die­ser Sai­son ge­wöhn­lich gu­te Nach­rich­ten. So wird es auch heu­te sein. So­eben wur­de das 75.000. Mit­glied auf­ge­nom­men. Heu­te wird Ge­schäfts­füh­rer Ste­phan Schip­pers mit­tei­len, dass der Bun­des­li­gist im Ge­schäfts­jahr 2015 den Re­kord­um­satz des Vor­jah­res (rund 130 Mil­lio­nen Eu­ro) noch mal ge­stei­gert hat. An­ge­sichts der ers­ten Cham­pi­ons-Le­ague-Teil­nah­me und der Trans­fer­ein­nah­men 2015, dürf­te es auf rund 150 Mil­lio­nen Eu­ro hin­aus­lau­fen. Der Re­kord­ge­winn des Jah­res 2014 von rund 13 Mil­lio­nen Eu­ro dürf­te da­her auch noch mal deut­lich über­bo­ten wer­den.

Auch vor fast ge­nau ei­nem Jahr be­ju­bel­ten die Bo­rus­sen bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung wirt­schaft­li­che Re­kor­de. Da­mals gab es auch in der Spar­te Sport Klar­heit: Glad- bach war fix im Eu­ro­pa­po­kal. Am En­de wur­de es die ers­te di­rek­te Teil­nah­me an der Cham­pi­ons Le­ague. Das ist theo­re­tisch auch jetzt noch mög­lich. Bo­rus­sia ist Fünf­ter und hat vier Spiel­ta­ge vor Schluss sechs Punk­te Rück­stand auf den Drit­ten Leverkusen. Aber das Eu­ro­pa-Aus ist eben­falls noch denk­bar. Weil aber Wolfsburg ver­lo­ren hat, ist der Ein­zug in ei­nen Eu­ro­pa­po­kal wahr- schein­lich, die Fra­ge ist vor al­lem: Wel­cher wird es? Trotz­dem: Das Ge­fühl, et­was Mög­li­ches vi­el­leicht zu ver­pas­sen, ist da – we­gen der Aus­wärts-Rück­schlä­ge.

Die wirt­schaft­li­chen Er­folgs­zah­len be­le­gen, dass die Cham­pi­ons Le­ague nicht nur sport­lich Spaß macht. Die Bo­rus­sen ha­ben sich bei den Trips nach Tu­rin oder Manchester auch An­re­gun­gen ge­holt, wie das ganz gro­ße Fuß­ball­busi­ness geht. Und sie ha­ben ei­ne Mann­schaft bei­sam­men, die dem An­spruch, we­nigs­tens die Grup­pen­pha­se der Eu­ro­pa Le­ague zu schaf­fen, ge­recht wer­den soll­te. Da­zu wür­de schon Platz sechs be­rech­ti­gen. Dass das Team toll ki­cken kann, zeigt es re­gel­mä­ßig in Heim­spie­len. Da ist En­ter­tain­ment ga­ran­tiert – und Er­folg. 34 von 45 Punk­ten wur­den zu Hau­se ein­ge­sam­melt. Aus­wärts in­des, wenn es auch dar­auf an­kommt, da­ge­gen zu hal­ten, et­was zu er­kämp­fen, geht zu we­nig. In Hannover gab es Pfif­fe, im In­ter­net wird hef­tig dis­ku­tiert. Sport­di­rek­tor Max Eberl nahm in Hannover das Team, ins­be­son­de­re die er­fah­re­nen Spie­ler, in die Pflicht. „Die Leis­tun­gen bis vor dem Spiel in In­gol­stadt wa­ren so, dass ich ge­sagt ha­be: Wenn die Leis­tung so ist, wirst du ir­gend­wann den Spieß um­dre­hen. Jetzt hat sich aber die Leis­tung ge­dreht. So wie wir ge­spielt ha­ben, geht Bundesliga nicht“, sa­ge er.

Bo­rus­si­as Faust­pfand auf dem Weg nach oben war Kon­stanz. Der­zeit geht es am Nie­der­rhein je­doch zu wie auf ei­ner Ach­ter­bahn. Glad­bach ist sich ein we­nig selbst ein Rät­sel: Vor zwei Wo­chen, beim 5:0 ge­gen Berlin, wur­de die Schu­ber­tBo­rus­sia ge­fei­ert. Wä­re da­nach die Mit­glie­der­ver­samm­lung ge­we­sen, es hät­te wohl viel Bei­fall für den Trai­ner ge­ge­ben. Ent­schei­dend ist aber im­mer der jüngs­te Trend – und nach den Nie­der­la­gen bei Auf­stei­ger In­gol­stadt und dem de­si­gnier­ten Ab­stei­ger Hannover dürf­te es kri­ti­sche Fra­gen ge­ben, auch an Schu­bert, ins­be­son­de­re nach der Aus­wärts­schwä­che. „Wie kann es sein, die­ses Auf und Ab?“Und: „Krie­gen Sie das in den Griff?“.

Die wirt­schaft­li­che Bi­lanz wird den Fans Freu­de ma­chen. Max Eberl hat zu­letzt im­mer wie­der da­für ge­wor­ben, auch den sport­li­chen Wert der in vie­len Be­lan­gen kur­vi­gen Sai­son, die trotz al­ler Wen­dun­gen nach Eu­ro­pa füh­ren kann, nicht zu ge­ring zu schät­zen. Aber auch Glad­bachs Ma­na­ger wird erst nach 34 Spie­len die Sai­son ab­schlie­ßend be­wer­ten. „Wir soll­ten tun­lichst ver­mei­den, am En­de ei­ner kom­pli­zier­ten Sai­son al­les zu ver­spie­len. Ich möch­te die Sai­son so be­en­den, wie es ihr an­ge­mes­sen wä­re. Da­für müs­sen wir aber Leis­tung in­ves­tie­ren. Das kommt nicht vom Re­den, und nicht da­von, dass wir schon was ge­konnt ha­ben. Wir hat­ten al­le tol­le Er­leb­nis­se bei Ju­ven­tus und in Manchester. Die ha­ben wir aber nicht ge­schenkt be­kom­men, son­dern ha­ben sie uns hart er­ar­bei­tet. Und das müs­sen wir wie­der tun“, gab Eberl in Hannover die Ziel­vor­ga­be vor. Und auch den Weg da­hin.

FOTO: DPA

Bo­rus­sia hat­te tol­le Er­leb­nis­se in der Cham­pi­ons Le­ague und ver­dien­te da­mit viel Geld. Hier bo­ten die Fans im Sep­tem­ber 2015 ge­gen Manchester Ci­ty ei­ne se­hens­wer­te Cho­reo­gra­fie.

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