Ue­de­me­rin ret­tet ver­letz­ten Ka­ter „Ti­ger“

Rheinische Post Goch - - GRENZLAND POST - VON SE­BAS­TI­AN LATZEL

An­net­te Pollmann fand den Ka­ter an der B 9. Zu­vor war er von ei­nem Au­to an­ge­fah­ren wor­den.

UEDEM/WEEZE In­zwi­schen ist „Ti­ger“wie­der zu Hau­se und er­holt sich von den Stra­pa­zen der letz­ten Ta­ge. Ei­ner ist dar­über be­son­ders froh: Jus­tin St­ein­hau­er. Der Ka­ter des 15-Jäh­ri­gen war vor et­wa ei­ner Wo­che von ei­nem Au­to an­ge­fah­ren wor­den und hät­te wohl nicht über­lebt, wenn An­net­te Pollmann nicht ak­tiv ge­wor­den wä­re.

Die Frau aus Weeze hat­te die Kat­ze mor­gens ge­gen 7 Uhr auf der B 9 am Stra­ßen­rand zu­sam­men­ge­rollt lie­gen ge­se­hen. „Im ers­ten Mo­ment dach­te ich, dass die Kat­ze wohl an­ge­fah­ren wor­den ist und tot sei“, so An­net­te Pollmann. Sie ließ der Ge­dan­ke nicht los, dass das Tier vi­el­leicht auch ver­letzt sein könn­te und Hil­fe braucht.

Al­so ent­schloss sie sich da­zu, um­zu­dre­hen und nach dem Tier zu se­hen. Sie hielt auf dem Sei­ten­strei­fen der Ge­gen­fahr­bahn und über­quer­te die viel­be­fah­re­ne Bun­des­stra­ße. Die Kat­ze war schwer ver­letzt, blu­te­te aus der Na­se und den Au­gen. Au­ßer­dem hat­te sie ei­ne Ab­schür­fung am lin­ken Au­ge, das sehr an­ge­schwol­len war. Per Han­dy rief An­net­te Pollmann ei­nen Tier­arzt an. „Tier­arzt Lud­ger Reich­ling war trotz der frü­hen St­un­de so­fort be­reit, sich des Tie­res an­zu­neh­men“, be­rich­tet die Frau aus Uedem.

Ei­ne vor­bei­fah­ren­de Frau bot ih­re Hil­fe an und fuhr nach Hau­se, um ei­nen Kat­zen­korb zu ho­len. An­net­te Pollmann blieb der­wei­len bei dem ver­letz­ten Ka­ter. „Ich woll­te das Tier nicht al­lei­ne lie­gen las­sen, weil sonst ein vor­bei­fah­ren­des Fahr­zeug die Kat­ze über­fah­ren hät­te“, er­zählt sie.

Über das Ver­hal­ten vie­ler Au­to­fah­rer kann sie nur den Kopf schüt­teln. „Was mich bei die­ser Sa­che so wü­tend macht, ist, dass man­che Lkw- und Au­to­fah­rer oh­ne Grund so weit rechts über den Stand­strei­fen fuh­ren, als ob sie das hilf­lo­se Tier über­fah­ren woll­ten.“

Au­ßer­dem hät­ten sie ei­ni­ge Fah­rer an­ge­hupt und sei­en sehr nah an ihr vor­bei­ge­fah­ren. „In den 15 Mi­nu­ten, in de­nen die Frau ih­ren Kat­zen­korb ge­holt hat, hat sonst kein Au­to­fah­rer an­ge­hal­ten und mir sei­ne Hil­fe an­ge­bo­ten. Man­che fuh­ren auch lang­sam an mir vor­bei und schau­ten mich mit ei­nem stra­fen- den Blick an, als ob ich das Tier an­ge­fah­ren hät­te“, be­schreibt sie ihr Er­leb­nis.

Je­der, der das Tier dort lie­gen sah, soll­te sich fra­gen, war­um er nicht ge­hol­fen ha­be, so An­net­te Pollmann. „Es ist na­tür­lich leich­ter, weg­zu­se­hen, als sich zu küm­mern und sich da­mit zu be­gnü­gen, dass schon ir­gend­ein an­de­rer an­hal­ten wird. Die­se Gleich­gül­tig­keit und Ober­flä­chig­keit ist trau­rig und auch be­schä­mend.“

Im­mer­hin hat­te die Ge­schich­te ein Hap­py End. Der Tier­arzt röntg­te, un­ter­such­te und ver­sorg­te den Ka­ter. Der hat­te kei­ne lebensbedrohlichen Ver­let­zun­gen. Dar­auf­hin schal­te­te er noch am glei­chen Abend ei­nen Auf­ruf über sei­ne Face­book-Sei­te. Auf die­se An­zei­ge wur­de dann Fa­mi­lie St­ein­hau­er auf­merk­sam, die be­reits ver­zwei­felt nach ih­rem Ka­ter ge­sucht hat­te. „Ich hat­te ,Ti­ger’ schon ab­ge­schrie­ben“, sagt Jus­tin St­ein­hau­er. „Jetzt ist die Freu­de um­so grö­ßer.“

FOTO: POLLMANN

Auf die­ser Auf­nah­me ist die Wun­de am Au­ge noch gut zu se­hen.

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