Ver­höhnt

Rheinische Post Goch - - LESERBRIEFE - Dr. Hel­mut Blum Düs­sel­dorf

Ich bin kein „Er­do­gan-Freund“, doch bin ich Ih­rer Mei­nung, dass man die­se pri­mi­ti­ven und zo­ti­gen Ver­se nicht durch­ge­hen las­sen kann. Hier wird nicht in sprach­lich über­zo­ge­ner Form ei­ne Person at­ta­ckiert, son­dern auf häss­lichs­te Wei­se be­lei­digt, ver­höhnt und nie­der­ge­macht. Wenn dümm­li­che Schau­spie­ler/in­nen hier Bei­fall klat­schen, dann er­in­nert mich das an de­ren arm­se­li­ges Ge­la­ber in den so­ge­nann­ten Talk­shows, die be­dau­er­li­cher­wei­se Scha­ren von Zu­schau­ern auf­wei­sen, wel­che hin­ge­bungs­voll die­sem Ge­schwa­fel lau­schen. Die öf­fent­lich er­kenn­ba­re brei­te Zu­stim­mung nicht nur aus dem Pre­ka­ri­at, son­dern auch aus al­len an­de­ren Ebe­nen der Ge­sell­schaft zeigt, dass der Wer­te­ver­lust an mo­ra­li­scher Dis­zi­plin, an Selbst­be­herr­schung und ein­fachs­ten An­stands­re­geln im­mer grö­ßer ge­wor­den ist. In­zwi­schen wird zu viel un­ter den Be­grif­fen von To­le­ranz und Mei­nungs­frei­heit kri­tik­los für gut be­fun­den, weil al­le glau­ben – auch die Pres­se – im Mas­sen­ge­schmack mit­schwim­men zu müs­sen. So hofft man auf vie­le Le­ser, auf vie­le Käu­fer, auf mehr Geld. Der dün­ne Fir­nis der Wer­tig­keit der Ge­sell­schaft oder de­ren ethi­sche Hal­tung wird da­bei im­mer dün­ner.

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