Leh­ren aus Tscher­no­byl

Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS - VON MAR­TIN KESS­LER

Vor 30 Jah­ren ha­va­rier­te der Re­ak­tor­block 4 des so­wje­ti­schen Kern­kraft­werks Tscher­no­byl und riss ei­ne Re­gi­on mit Mil­lio­nen von Men­schen in Mit­lei­den­schaft. Ob­wohl deut­sche Ener­gie­ver­sor­ger nicht mü­de wur­den, die Un­ter­schie­de hie­si­ger Re­ak­to­ren zu sol­chen so­wje­ti­schen Bau­typs zu be­to­nen, war es der ers­te Schlag ge­gen die Kern­kraft.

In­zwi­schen ist der Aus­stieg in Deutsch­land Ge­wiss­heit, wenn auch man­che die­ser Ener­gie­art nach­trau­ern. Wahr bleibt: Die Atom­kraft hat sich nur mit öf­fent­li­cher Hil­fe durch­set­zen las­sen. Sie kann als Bei­spiel für staat­li­che Fehl­pla­nung an­ge­se­hen wer­den. Denn mit al­len Fol­ge­kos­ten – in­klu­si­ve der noch im­mer nicht ge­klär­ten End­la­ge­rung – kommt sie teu­rer als markt­wirt­schaft­li­che Ener­gie­for­men.

Nur drei­ein­halb Jah­re nach dem Atom­un­fall ha­va­rier­te auch das Ge­sell­schafts­sys­tem des So­zia­lis­mus. Es hat­te die zen­tra­le Pla­nung zum Prin­zip er­ho­ben und war gran­di­os ge­schei­tert. Man kann dar­aus ge­trost ler­nen, dass auch staat­li­che Ener­gie­pla­nung, wenn sie auf fal­schen öko­no­mi­schen Prä­mis­sen be­ruht, zum Schei­tern ver­ur­teilt ist. BERICHT

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