MEHR­DAD MO­S­TO­FI­Z­A­DEH „Ver­mö­gens­steu­er nur für Rei­che“

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - DAS GE­SPRÄCH FÜHR­TEN KIRS­TEN BI­AL­DI­GA UND THO­MAS REI­SE­NER

Der Grü­nen-Frak­ti­ons­chef will im Land­tags­wahl­kampf 2017 auch mit neu­en Steu­ern auf Ka­pi­tal­er­trä­ge punk­ten.

Mit wem wol­len Sie 2017 ko­alie­ren? MO­S­TO­FI­Z­A­DEH Wir tre­ten zu­nächst ein­mal für star­ke Grü­ne an. Aber na­tür­lich stre­ben wir die Fort­set­zung von Rot-Grün in NRW an. Wir ar­bei­ten ja gut zu­sam­men. …im­mer noch so gut wie am An­fang? MO­S­TO­FI­Z­A­DEH Ja, war­um? Sie wol­len schnel­ler aus der Braun­koh­le aus­stei­gen … MO­S­TO­FI­Z­A­DEH Ja, das ist rich­tig. Aber im Kern sind wir uns beim Aus­stieg ei­nig. Al­ler­dings ha­ben wir Grü­ne als ein­zi­ge Par­tei im Land­tag ei­nen kon­kre­ten Fahr­plan bis zum Aus­stieg in spä­tes­tens 25 Jah­ren vor­ge­legt. Wenn die SPD oder die CDU al­lei­ne re­gie­ren wür­den, hät­ten wir noch lan­ge ei­nen kla­ren Schwer­punkt auf der Braun­koh­le. Woll­ten Sie nicht auch ein stren­ge­res Kli­ma­schutz­ge­setz als die SPD? MO­S­TO­FI­Z­A­DEH Wir ha­ben als ers­tes Bun­des­land ein Kli­ma­schutz­ge­setz ver­ab­schie­det – und mit die­sem Ziel sind wir auch an­ge­tre­ten. … aber die ver­bind­li­chen Vor­ga­ben sind im Ge­spräch mit der SPD ab­han­den­ge­kom­men, oder? MO­S­TO­FI­Z­A­DEH Es stimmt, dass wir das Kli­ma­schutz­ge­setz nicht ord- nungs­recht­lich ver­an­kert ha­ben. Trotz­dem läuft die Wirt­schaft da­ge­gen Sturm. Ganz so zahn­los kann es al­so nicht sein. Der jet­zi­ge Sta­tus des Ge­set­zes er­öff­net der nächs­ten Lan­des­re­gie­rung die Mög­lich­keit, die Ver­bind­lich­keit der NRW-Kli­ma­schutz-Zie­le zu stei­gern. Wenn Sie den Kli­ma­schutz so ernst neh­men, war­um wol­len Sie dann Thys­sen­krupp beim EU-Zer­ti­fi­ka­te­han­del ent­las­ten? MO­S­TO­FI­Z­A­DEH Dass die Stahl­her­stel­ler am Han­del mit Zer­ti­fi­ka­ten ver­dient ha­ben, ist nicht in Ord­nung. Den­noch kön­nen die deut­schen Stahl­her­stel­ler der­zeit kei­ne zu­sätz­li­chen Be­las­tun­gen ver­kraf­ten. Au­ßer­dem ha­ben die deut­schen Her­stel­ler schon mehr für das Kli­ma ge­tan als an­de­re. Das Wirt­schafts­wachs­tum ist hier­zu­lan­de so nied­rig wie sonst nir­gends in Deutsch­land… MO­S­TO­FI­Z­A­DEH Nir­gends spie­len die Ener­gie­wirt­schaft, der Stahl und die Che­mie ei­ne so gro­ße Rol­le. Die­se Bran­chen ha­ben schwe­re Zei­ten. Die meis­ten Lan­des­re­gie­run­gen kom­men oh­ne neue Schul­den aus. War­um schafft NRW das nicht? MO­S­TO­FI­Z­A­DEH Weil wir Schwer­punk­te in der Bil­dung und in der Kin­der­be­treu­ung set­zen und mehr in künf­ti­ge Ge­ne­ra­tio­nen in­ves­tie­ren. Ge­fähr­det das die Schul­den­brem­se? MO­S­TO­FI­Z­A­DEH Der Ab­baupfad bei der Neu­ver­schul­dung wird von uns ein­ge­hal­ten. Aber der Bund muss sich trotz­dem we­sent­lich stär­ker be- tei­li­gen, ins­be­son­de­re an Flücht­lings­kos­ten. Al­so braucht NRW den Bund für den Schul­den­ab­bau? MO­S­TO­FI­Z­A­DEH Nicht nur für den Schul­den­ab­bau. Es wird höchs­te Zeit, in Deutsch­land wie­der ei­ne Ver­mö­gen­steu­er ein­zu­füh­ren. 32 Pro­zent des Ver­mö­gens in Deutsch­land sind in der Hand des reichs­ten Pro­zents der Be­völ­ke­rung. Wenn die­se Zins-Mil­lio­nä­re auf Ka­pi­tal­er­trä­ge 1,0 bis 1,5 Pro­zent Ver­mö­gens­steu­er zah­len, wer­den sie nicht är­mer, aber auch NRW kann mehr in In­fra­struk­tur und Bil­dung in­ves­tie­ren. Auch da­rin sind wir uns mit der SPD ei­nig.

FOTO: DPA

Der Vor­sit­zen­de der NRW-Grü­nen: Mehr­dad Mo­s­to­fi­z­a­deh.

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