Berlin will Be­triebs­ren­te ver­bes­sern

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON BIRGIT MARSCHALL

Die Mehr­heit der Bür­ger fühlt sich für ihr Al­ter nicht aus­rei­chend ab­ge­si­chert.

BERLIN Fi­nanz- und Ar­beits­mi­nis­te­ri­um be­rei­ten ei­ne Re­form der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge vor, um ihr in klei­ne­ren und mitt­le­ren Un­ter­neh­men mehr Schwung zu ge­ben. Ge­plant ist ein so ge­nann­tes So­zi­al­part­ner­mo­dell: Klei­ne­re Be­trie­be sol­len die Haf­tung für die Be­triebs­ren­te ih­rer Be­schäf­tig­ten an ei­nen von den Ta­rif­part­nern ge­tra­ge­nen Fonds ab­tre­ten kön­nen. Da­durch soll es für die Ar­beit­ge­ber at­trak­ti­ver wer­den, ih­ren Be­schäf­tig­ten ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge – et­wa in Form ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung – an­zu­bie­ten. Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) denkt zu­dem dar­an, für Be­trie­be mit bis zu 20 Mit­ar­bei­tern die Hälf­te der Ar­beit­ge­ber­zu­schüs­se zur be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge steu­er­lich ab­setz­bar zu ma­chen. Au­ßer­dem sind die Auf­wen­dun­gen be­reits jetzt zu­sätz­lich als Be­triebs­aus­ga­be ab­setz­bar.

Die be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge sta­gniert seit 2009. Nach ei­ner Un­ter­su­chung des Würz­bur­ger Steu­er­recht­lers Dirk Kie­se­wet­ter im Auf­trag des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums ver­fü­gen rund 60 Pro­zent der Ar­beit­neh­mer über ei­ne be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge. Doch be­kom­men vie­le nur ge­rin­ge Be­trä­ge her­aus. Die Ver­sor­gungs­lü­cke im Al­ter wird da­durch oft nicht ge­schlos­sen. Mit 57 Pro­zent fühlt sich die Mehr­heit der Bür­ger, die noch nicht Rent­ner oder Pen­sio­nä­re sind, laut dem ak­tu­el­len ARD-Deutsch­land­trend nicht ge­nü­gend für das Al­ter ab­ge­si­chert. Die Ko­ali­ti­on plant da­her auch für Ar­beit­neh­mer neue An­rei­ze. So will Nah­les Be­trie­be ver­pflich­ten, bei neu­en Ent­gelt­um­wand­lun­gen ei­nen Ar­beit­ge­ber­zu­schuss zu leis­ten.

Al­ler­dings ist un­ge­wiss, ob die Ko­ali­ti­ons­spit­zen die be­reits vor­be­rei­te­ten Plä­ne im Fi­nanz- und So­zi­al­mi­nis­te­ri­um zur be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge durch­win­ken – oder ob sie statt des­sen in ei­nem weit grö­ße- ren „Ge­samt­kon­zept“zur Ren­te auf­ge­hen wer­den. Da­bei wür­de es dann auch um ei­ne Re­form der pri­va­ten Vor­sor­ge ge­hen – und um das heik­le The­ma der ge­setz­li­chen Ren­te.

CSU und SPD wol­len das Ren­ten­ni­veau – das ist der pro­zen­tua­le An­teil ei­ner Stan­dard­ren­te am Durch­schnitts­ein­kom­men – von der­zeit et­wa 48 Pro­zent nicht mehr wei­ter ab­sen­ken. Da­durch dürf­ten die Ren­ten­bei­trä­ge schnel­ler wie­der stei­gen. Schäu­b­le hat­te da­her ei­ne De­bat­te auch über das Ren­ten­ein­tritts­al­ter er­öff­net, das nach 2029 über 67 Jah­re hin­aus stei­gen soll­te. Da­zu sag­te der Chef des Münch­ner Ifo-In­sti­tuts, Cle­mens Fu­est: „Herr Schäu­b­le hat Recht, dass oh­ne ei­ne län­ge­re Le­bens­ar­beits­zeit die Ren­te an­ge­sichts der Al­te­rung der Ge­sell­schaft nicht zu fi­nan­zie­ren ist.“Al­ler­dings müs­se man se­hen, dass Bes­ser­qua­li­fi­zier­te oft län­ger leb­ten und mehr von der Ren­te hät­ten als an­de­re. „Fair­ness er­for­dert es, das zu be­rück­sich­ti­gen“, sag­te Fu­est.

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