Nichts für Weich­ei­er

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON THO­MAS SCHULZE

April­wet­ter der übels­ten Art wird den Läu­fern mor­gen beim Ma­ra­thon in Düs­sel­dorf er­spart blei­ben. Aber es wird kalt. Die To­p­ath­le­ten wer­den trotz nied­ri­ger Tem­pe­ra­tu­ren erst­klas­si­ge Zei­ten lau­fen, ver­spre­chen die Ver­an­stal­ter.

DÜS­SEL­DORF Die Wet­ter­pro­gno­se vor zwei, drei Ta­gen war gru­se­lig. Ty­pi­sches April­wet­ter wur­de vor­her­ge­sagt mit Grau­pel­schau­ern und Schnee­re­gen. In­zwi­schen ist die­ses Schre­ckens­sze­na­rio ver­wor­fen wor­den. Am Sonn­tag­mor­gen um neun Uhr, wenn der Start­schuss zum 14. Me­tro Group Ma­ra­thon über 42,195 Ki­lo­me­ter fällt, soll es hei­ter bis wol­kig sein und mit sechs Grad recht frisch, zu­mal sie sich wie nur drei Grad an­füh­len wer­den. Es herr­sche ein schwa­cher Wind mit al­ler­dings fri­schen Bö­en, sa­gen die Me­teo­ro­lo­gen. Das Nie­der­schlags­ri­si­ko sei gleich null.

All das in­ter­es­siert die meh­re­ren zehn­tau­send Zu­schau­er und 16.000 Läu­fe­rin­nen und Läu­fer, je­doch we­ni­ger die Welt­klas­se­ath­le­ten. „Das wä­re nur pro­ble­ma­tisch, wenn es kalt wä­re und reg­nen wür­de, weil das für die Mus­ku­la­tur schlecht wä­re“, er­klärt Ath­le­ten-Ma­na­ger Christoph Kopp. „Man meint im­mer, die afri­ka­ni­schen Läu­fer hät­ten lie­ber war­me Tem­pe­ra­tu­ren, aber dem ist nicht so. Sie lie­ben tie­fe Tem­pe­ra­tu­ren. Sie trai­nie­ren in Afri­ka oft auf 2300, 2400 Me­tern Hö­he, da ist es mor­gens auch kalt. Sechs Grad sind für sie über­haupt kein Pro­blem.“

Phil­ipp San­ga lä­chelt. Der 32 Jah­re al­te Ke­nia­ner ist aus meh­re­ren Grün­den der gro­ße Fa­vo­rit. Zum ei­nen weil sei­ne Best­zeit von 2:06:07 St­un­den von kei­nem an­de­ren Läu­fer, der in Düs­sel­dorf am Start ist, un­ter­bo­ten wur­de, zum an­de­ren weil das kei­ne Ein­tags­flie­ge war und bei ihm die Uhr be­reits vier Mal un-

Christoph Kopp ter 2:10 St­un­den ste­hen­blieb – in Pa­ris, Seo­ul, Frank­furt und Wien. Al­ler­dings muss­te er zu­letzt kür­zer tre­ten, weil ihm Rü­cken­pro­ble­me zu schaf­fen mach­ten. „Aber die ha­be ich aus­ku­riert“, sagt er. „Ich bin fit.“Das will er mor­gen zei­gen und sich ne­ben sei­nem An­tritts­geld auch die Sieg­prä­mie in Hö­he von 5000 Eu­ro si­chern. Der Zwei­te er­hält 3500 Eu­ro, der Drit­te 2500 Eu­ro – üb­ri­gens Män­ner wie Frau­en.

Dass Phil­ipp San­ga über­haupt in Düs­sel­dorf star­tet, ist ei­ni­gen Wid­rig­kei­ten zu ver­dan­ken. „Für Düs­sel­dorf aber ist das ein glück­li­cher Um­stand“, sagt Renn­di­rek­tor Jan Win­scher­mann. Dem­nach woll­te San­ga am 10. April in Hannover ei­nen Ma­ra­thon ab­sol­vie­ren, doch am Flug­ha­fen wur­de ihm mit­ge­teilt, dass sein Vi­sum erst ab dem 11. April gel­te. Der Feh­ler der Bot­schaft war so schnell nicht zu kor­ri­gie­ren, San­ga flog nicht nach Hannover und mel­de­te für Düs­sel­dorf.

Dass San­ga um die Sieg­prä­mie kämp­fen muss, da­für will Ti­tel­ver- tei­di­ger Ma­ri­us Io­nescu sor­gen. Der 31 Jah­re al­te Ru­mä­ne sieg­te im Vor­jahr in 2:13:19 St­un­den und hat sich ein ehr­gei­zi­ges Ziel ge­setzt: „Ich will ei­nen neu­en Lan­des­re­kord auf­stel­len. Da­für muss ich die 2:12:30 St­un­den un­ter­bie­ten.“Die Olym­pia­norm von 2:19 St­un­den war für ihn kei­ne all­zu gro­ße Hür­de, so dass er nach London 2012 im Au­gust in Rio zum zwei­ten Mal an den Som­mer­spie­len teil­nimmt.

Um das Ti­cket zu den Olym­pi­schen Spie­len woll­ten fünf deut­sche

„Sie trai­nie­ren in Afri­ka oft auf 2300 Me­tern

Hö­he. Da ist es mor­gens auch kalt.“ „Es ist für mich ein gro­ßes Aben­teu­er. Aber ich ha­be die Zeit drauf.“

Hen­drik Pfeif­fer Ath­le­ten kämp­fen, von de­nen vier ab­ge­sagt ha­ben, so dass nur noch Hen­drik Pfeif­fer (22) die Chan­ce zur Qua­li­fi­ka­ti­on hat. Der ge­bür­ti­ge Düs­sel­dor­fer, der jetzt in Gel­sen­kir­chen wohnt und in Dort­mund Jour­na­lis­mus stu­diert, woll­te erst 2017 sein Ma­ra­thonde­büt ge­ben. Doch nach­dem der Deut­sche Leicht­ath­le­tik-Ver­band die Norm ge­än­dert hat, hat er sei­nen Plan ge­än­dert. „Es ist für mich ein gro­ßes Aben­teu­er“, sagt der Langstre­cken­läu­fer. „Aber ich hab die Zeit drauf.“Ge­meint sind 2:13:57 St­un­den. Ar­ne Ga­bi­us und Phil­ipp Flie­ger ha­ben das Ti­cket nach Rio si­cher, der Re­gens­bur­ger Ju­li­an Flü­gel ist der Drit­te im Bun­de, wenn sei­ne Zeit von Pfeif­fer nicht un­ter­bo­ten wird.

Bei den Frau­en zählt ne­ben den bei­den Bel­gie­rin­nen Fer­a­hi­wat Ga­ma­chu und Han­na Van­den­bus­sche Be­ver­ly Sue Ra­mos Mora­les aus Pu­er­to Ri­co zum Fa­vo­ri­ten­kreis. Aber nicht nur sie sorgt für in­ter­na­tio­na­les Flair. Sechs Ath­le­ten aus Me­xi­ko sind auf ei­ge­ne Kos­ten da­bei.

FOTO: ANDRE­AS ENDERMANN

Die Düs­sel­dor­fer Ma­ra­thon­läu­fer ha­ben Er­fah­rung mit schlech­tem Wetter: 2014 rann­ten sie durch den Re­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.