Löhr­mann wech­selt in Wahl­kampf­mo­dus

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON KIRS­TEN BI­AL­DI­GA

Auf dem Par­tei­tag der NRW-Grü­nen in Neuss ging es un­ter an­de­rem um das The­ma In­ne­re Si­cher­heit.

NEUSS Es sind kei­ne leich­ten po­li­ti­schen Auf­ga­ben, die in die­sen Ta­gen vor den NRW-Grü­nen lie­gen. In gut zwölf Mo­na­ten fin­den Land­tags­wah­len statt, und ak­tu­el­len Um­fra­gen zu­fol­ge kä­me die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung in NRW zur­zeit nicht mehr auf ei­ne Mehr­heit. Ins­be­son­de­re, weil die AfD dem­nach mehr als zehn Pro­zent der Stim­men er­hiel­te. In die­ser Si­tua­ti­on müs­sen die Grü­nen al­so den rich­ti­gen Um­gang mit den Rechts­po­pu­lis­ten fin­den, zu­gleich das ei­ge­ne Pro­fil ge­gen­über der NRW-SPD schär­fen, die wie­der­er­stark­te FDP auf Ab­stand hal­ten, sich aber mög­lichst auch an­de­re Op­tio­nen für Ko­ali­tio­nen of­fen­hal­ten, et­wa für schwarz-grün. Und bei all dem den ei­ge­nen Mar­ken­kern nicht aus den Au­gen ver­lie­ren – all das gilt es zu be­den­ken beim Par­tei­tag der Grü­nen in Neuss.

Rein op­tisch hat Ka­trin Gö­rin­gE­ckardt die­se Auf­ga­ben be­reits ge­löst. Die Grü­nen-Frak­ti­ons­che­fin im Bun­des­tag, als Gast­red­ne­rin ge­la­den, er­scheint im rot-schwar­zen Out­fit. Mit ei­nem klar do­mi­nie­ren­den ro­ten An­teil. In­halt­lich teilt die ge­bür­ti­ge Thü­rin­ge­rin so­wohl ge­gen die CDU aus als auch ge­gen die SPD. „Grund da­für, dass jetzt we­ni­ger Flücht­lin­ge nach Deutsch­land kom­men, ist ein ver­dammt schmut­zi­ger De­al von An­ge­la Mer­kel mit der Tür­kei“, sagt Gö­ring-Eckardt. Den SPD-Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el kri­ti­siert sie we­gen sei­nes Lo­bes für den ägyp­ti­schen Prä­si­den­ten Ab­del Fat­tah al Si­si.

Bei der In­ne­ren Si­cher­heit, ne­ben Mo­bi­li­tät das zwei­te Schwer­punkt­the­ma des NRW-Par­tei­ta­ges, kom­men die Grü­nen nach den Vor­fäl­len der Köl­ner Sil­ves­ter­nacht CDU-Po­si­tio­nen schon recht na­he. So buht denn kei­ner der rund 280 De­le­gier­ten, als sich ein grü­ner Red­ner auf dem Po­di­um ge­gen ei­ne Iden­ti­fi­zie­rungs­pflicht für Po­li­zis­ten aus- spricht. Oder als ein an­de­rer, der frü­he­re Müns­te­ra­ner Po­li­zei­prä­si­dent Hu­bert Wim­ber, vor­rech­net, dass NRW bei der Po­li­zei­stär­ke pro Kopf bun­des­weit den vor­letz­ten Platz be­legt und da­her wei­te­re Be­am­te er­for­der­lich sei­en. Gera­de­zu stolz zählt ei­ne De­le­gier­te am Ran­de des Par­tei­ta­ges auf, wie vie­le Po­li­zei­be­am­te die Grü­nen in­zwi­schen in ih­ren ei­ge­nen Rei­hen ha­ben.

Wäh­rend die Grü­nen in Neuss noch an den Po­si­tio­nen für das Wahl­pro­gramm fei­len, das im De­zem­ber ver­ab­schie­det wer­den soll, wech­selt die stell­ver­tre­ten­de NRWMi­nis­ter­prä­si­den­tin Syl­via Löhr­mann schon in den Wahl­kampf­mo­dus. Die Grü­nen müss­ten mehr über ih­re Er­fol­ge re­den: „Wenn Grü­ne ei­nen Zaun auf­stel­len, dann dis­ku­tie­ren sie auch nach­her noch dar­über, ob es ein Jä­ger­zaun oder ein Ma­schen­draht­zaun ist.“Da­mit meint sie wohl auch die ei­ge­nen Er­fol­ge in der Lan­des­re­gie­rung – und stellt sich er­neut als Spit­zen­kan­di­da­tin zur Ver­fü­gung: „Ich bin sehr ger­ne im nächs­ten Jahr be­reit, Eu­re Spit­zen­kan­di­da­tin zu sein, wenn Ihr denn ‚Ja‘ da­zu sagt.“

Doch so weit ist es noch nicht. In Neuss wäh­len die De­le­gier­ten zu­nächst ein­mal nur den Lan­des­vor- stand neu. Die NRW-Dop­pel­spit­ze aus Mo­na Neu­baur und Sven Leh­mann wird mit star­ken Er­geb­nis­sen im Amt für zwei wei­te­re Jah­re be­stä­tigt – 90,5 Pro­zent für Neu­baur und 92,2 Pro­zent für Leh­mann. Schwe­rer hin­ge­gen tut sich aus­ge­rech­net der NRW-Frak­ti­ons­chef der Grü­nen, Mehr­dad Mo­s­to­fi­z­a­deh, bei der Wahl in den Lan­des­vor­stand. Erst im drit­ten Wahl­gang kommt er auf ei­ne Mehr­heit von 56,3 Pro­zent. Ins­ge­samt hat­ten sich 15 Kan­di­da­ten auf acht Plät­ze be­wor­ben.

Ei­ner, der sich auch in den Lan­des­vor­stand wäh­len las­sen will, ist Her­mann Stub­be. Der De­le­gier­te aus Sa­er­beck im nörd­li­chen Müns­ter­land muss aber vor der Wahl zu­nächst ei­ne ent­schei­den­de Fra­ge aus dem Pu­bli­kum be­ant­wor­ten: „Wie stehst Du zu ei­ner schwarz­grü­nen Re­gie­rung in NRW?“Mit der Ant­wort tut sich der Mann mit dem Pfer­de­schwanz sicht­lich schwer: „Be­vor wir die­ses Land gar nicht re­gie­ren, müss­ten wir wohl in die­sen ganz, ganz sau­ren Ap­fel bei­ßen, mein Ziel ist das aber nicht.“Die Mehr­heit der De­le­gier­ten wünscht sich of­fen­bar mehr Of­fen­heit für schwarz-grün – in den Lan­des­vor­stand wird Stub­be je­den­falls nicht ge­wählt.

FOTO: DPA

Wie­der­ge­wähl­te Lan­des­spit­ze: Mo­na Neu­baur und Sven Leh­mann.

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