Spa­ni­en bringt kei­ne Re­gie­rung zu­stan­de

Rheinische Post Goch - - POLITIK -

Seit vier Mo­na­ten ist das EU-Land oh­ne ei­ne ge­wähl­te Re­gie­rung. Neu­wah­len schei­nen un­ver­meid­bar.

MADRID (dpa) Noch wur­den in Spa­ni­en kei­ne Neu­wah­len an­ge­setzt, aber die Po­li­ti­ker schei­nen den Wahl­kampf schon auf­ge­nom­men zu ha­ben. Ver­hand­lun­gen über mög­li­che Ko­ali­tio­nen oder Re­gie­rungs­bünd­nis­se wer­den nicht mehr ge­führt. Statt­des­sen rei­sen der kon­ser­va­ti­ve Mi­nis­ter­prä­si­dent Ma­ria­no Ra­joy und der so­zia­lis­ti­sche Op­po­si­ti­ons­füh­rer Pe­dro Sán­chez durch das Land und hal­ten Re­den auf Par­tei­tref­fen. Spa­ni­en ist seit den Wah­len vom 20. De­zem­ber 2015 oh­ne ei­ne ge­wähl­te Re­gie­rung und po­li­tisch ge­lähmt.

Kö­nig Fe­li­pe VI. un­ter­nimmt nun ei­nen letz­ten An­lauf zu ei­ner Re­gie­rungs­bil­dung. Der Mon­arch lud die Füh­rer der Par­tei­en für die­sen Mon­tag und Di­ens­tag zu Kon­sul­ta­tio­nen in den Zar­zue­la-Pa­last, um her­aus­zu­fin­den, ob noch ei­ne Chan­ce zur Wahl ei­ner Re­gie­rung im Par­la­ment be­steht. Die Aus­sich­ten wer­den als prak­tisch gleich null ein­ge­stuft. Das Kö­nigs­haus kün­dig­te be­reits an, wenn kein Po­li­ti­ker ei­ne aus­rei­chen­de Mehr­heit vor­wei­sen kön­ne, wer­de Fe­li­pe das Par­la­ment auf­lö­sen und Neu­wah­len für den 26. Ju­ni an­set­zen.

Die letz­te Frist zur Wahl ei­nes Re­gie­rungs­chefs läuft zwar erst am 2. Mai ab. Aber ei­ne Ab­stim­mung wür­de ei­nen ge­wis­sen Vor­lauf brau­chen, weil da­zu der Kö­nig vor­her ei­nen Kan­di­da­ten vor­schla­gen und das Par­la­ment zu ei­ner De­bat­te ein­be­ru­fen wer­den müss­te. Bis­her hat­te Fe­li­pe zwei Kan­di­da­ten vor­ge­schla­gen, aber bei­de Ma­le Pech ge­habt: Amt­s­in- ha­ber Ra­joy lehn­te die vor­ge­schla­ge­ne Kan­di­da­tur ab, denn er wuss­te, dass er im Par­la­ment Schiff­bruch er­lei­den wür­de. So­zia­list Sán­chez er­litt ein De­ba­kel, weil die Link­s­par­tei Po­de­mos (Wir kön­nen) ihm die Un­ter­stüt­zung ver­sag­te.

Die Le­gis­la­tur­pe­ri­ode scheint da­mit nach nicht ein­mal fünf Mo­na­ten zu En­de zu ge­hen, be­vor das Par­la­ment sei­ne Ar­beit rich­tig auf­neh­men konn­te. „Neu­wah­len sind das größ­te Fi­as­ko des mo­der­nen Par­la­men­ta­ris­mus in Spa­ni­en“, kom­men­tier­te die Zei­tung „El Mun­do“. Die spa­ni­schen Po­li­ti­ker, die in der Be­völ­ke­rung oh­ne­hin al­les an­de­re als po­pu­lär sind, dürf­ten sich durch die­sen Macht­kampf noch un­be­lieb­ter ge­macht ha­ben.

Nach Um­fra­gen wird sich bei ei­ner Neu­wahl im Ver­gleich zur Wahl im De­zem­ber 2015 re­la­tiv we­nig än­dern, die Wahl­be­tei­li­gung dürf­te aber deut­lich ge­rin­ger aus­fal­len. „Nie war die Ver­su­chung so groß, ei­ner Wahl fern­zu­blei­ben“, meint der Po­li­to­lo­ge Pe­re Vi­la­no­va in ei­ner Ko­lum­ne der Zei­tung „El Pe­rió­di­co“.

Die Wah­len im De­zem­ber hat­ten dem bis­her vor­herr­schen­den Zwei­par­tei­en­sys­tem ein En­de ge­setzt und da­zu ge­führt, dass vier stär­ke­re Par­tei­en im Par­la­ment ver­tre­ten sind. Dies sind ne­ben der kon­ser­va­ti­ven Volks­par­tei (PP) und den So­zia­lis­ten (PSOE) die Link­s­par­tei Po­de­mos und die li­be­ra­len Ci­u­dad­a­nos (Bür­ger). Mit die­ser neu­en Kon­stel­la­ti­on ka­men Spa­ni­ens Po­li­ti­ker nicht zu­recht.

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