Meis­ter­ma­cher Don Jack­son

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON THO­MAS SCHULZE

München ge­winnt die Fi­nal­se­rie der Deut­schen Eishockey Li­ga. Der Trai­ner fei­ert sei­nen sechs­ten Ti­tel in der DEL seit 2008 und soll hel­fen, den Sport in der baye­ri­schen Haupt­stadt zu eta­blie­ren.

DÜS­SEL­DORF Don Jack­son steht see­len­ru­hig da, ei­ne Trä­ne kul­lert über sei­ne lin­ke Wan­ge. Der 59 Jah­re al­te Trai­ner von Red Bull München ist ganz bei sich. Er ge­nießt den be­we­gen­den Mo­ment ganz still, scheint über­haupt nicht mit­zu­be­kom­men, wel­che Freu­den­tän­ze sei­ne Spie­ler auf­füh­ren. Für sei­ne Mann­schaft und et­li­che rou­ti­nier­te Spie­ler ist es der ers­te Ti­tel­ge­winn in der Deut­schen Eishockey Li­ga (DEL), für Don Jack­son be­reits der sieb­te in den ver­gan­ge­nen neun Jah­ren. Fünf Mal (2008, 2009, 2011, 2012, 2013) ge­wann er mit den Eis­bä­ren Berlin die Fi­nal-Play-off-Run­de, 2014 mit Red Bull Salz­burg in Ös­ter­reich. Im Som­mer hol­ten ihn die Mün­che­ner.

Wer ist die­ser Don Jack­son? Was ist das Er­folgs­ge­heim­nis des Meis­ter­ma­chers? Na­tür­lich war der Ame­ri­ka­ner ein her­vor­ra­gen­der Spie­ler. Als Ver­tei­di­ger ab­sol­vier­te er 311 NHL-Spie­le und ge­wann mit den Ed­mon­ton Oi­lers ge­mein­sam mit der ka­na­di­schen Eishockey-Le­gen­de Way­ne Gretz­ky den St­an­ley Cup.

2005 kam Jack­son nach Berlin, wo er ei­ne Sai­son als CoTrai­ner ar­bei­te­te, ehe er drei Jah­re lang als Chef­trai­ner in Düs­sel­dorf tä­tig war. Es war sei­ne letz­te Sta­ti­on, die oh­ne Meis­ter­schafts-Tri­umph zu En­de ging. Auch der sieb­te Ti­tel­ge­winn ist für ihn nicht selbst­ver­ständ­lich.

„Je­der war an­ders, je­der hat­te was Spe­zi­el­les“, sagt er. Die Meis­ter­schaft mit München hat gleich ei­ne gan­ze Rei­he nicht all­täg­li­cher Fa­cet­ten. Jack­son hat Pio­nier­ar­beit ge­leis­tet. Es ist zwar die vier­te deut­sche Meis­ter­schaft für ei­ne Münch­ner Mann­schaft, doch we­der der MTV im Jah­re 1922, noch He­dos 1994 oder die Ba­rons 2000 konn­ten Eishockey in der baye­ri­schen Me­tro­po­le eta­blie­ren.

Das soll dies­mal mit Hil­fe vie­ler Mil­lio­nen Eu­ro von Spon­sor Red Bull je­doch ge­lin­gen. Der Weg ist al­ler­dings noch weit, was die be­schei­de­ne Zahl von 4600 Zu­schau­ern im Schnitt in den Heim­spie­len der Haupt­run­de zeigt. Und es wird auch kei­ne Meis­ter­fei­er auf dem Ma­ri­en­platz ge­ben – man­gels Fans. „Aber ich bin fest da­von über­zeugt, dass Eishockey sei­nen Platz in München fin­det“, sagt Na­tio­nal­spie­ler Frank Mau­er. „Wir ha­ben das Fun­da­ment ge­legt.“

Doch das ging nicht rei­bungs­los. Als die Münch­ner als Li­ga-Krö­sus im De­zem­ber nur Ta­bel­len­ach­ter wa­ren, gab es Kri­tik – auch am Trai­ner. Doch Don Jack­son hielt Kurs. Der Mann mit dem gro­ßen Sach­ver­stand be­hielt sein sehr of­fen­si­ves Sys­tem bei. Er weiß um das Ri­si­ko, aber auch um die Chan­ce, wenn die Mann­schaft es ver­in­ner­licht hat. Er ar­bei­te­te mit den Spie­lern dar­an, ver­fei­ner­te es und hat­te wie­der ein­mal Er­folg. Im Vier­tel­fi­na­le ge­gen Strau­bing und Halb­fi­na­le ge­gen Köln gab es je­weils nur ei­ne Nie­der­la­ge, in der Fi­nal­se­rie ge­gen Wolfsburg kei­ne – Haupt­run­den-Pri­mus München wur­de ganz sou­ve­rän Meis­ter.

Na­tür­lich stan­den Don Jack­son in Berlin, Salz­burg und München stets Mann­schaf­ten von höchs­ter Qua­li­tät zur Ver­fü­gung. Doch das ga­ran­tiert nicht den Ti­tel­ge­winn, son­dern ist le­dig­lich ei­ne sehr gu­te Vor­aus­set­zung, ge­nau so wie sei­ne mit den Er­fol­gen im­mer grö­ßer ge­wor­de­ne Re­pu­ta­ti­on. Den Mo­ment des er­neu­ten Ti­tel­ge­winns ge­nießt er – in sich ru­hend, be­schei­den, dank­bar.

FOTO: DPA

Fast schon Tra­di­ti­on: Zum sechs­ten Mal prä­sen­tiert Don Jack­son die Tro­phäe, die der deut­sche Eis­ho­ckey­meis­ter er­hält.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.