Ge­werk­schaf­ten pfei­fen auf Ta­rif-Cho­reo­gra­fie

Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS - VON MAXIMILIAN PLÜCK

Ta­rif­ver­hand­lun­gen folg­ten zu­letzt oft der glei­chen Cho­reo­gra­fie: Die Ge­werk­schaft leg­te mit ei­ner ex­trem ho­hen For­de­rung los, die Ar­beit­ge­ber bü­gel­ten die­se als völ­lig un­ver­hält­nis­mä­ßig ab. Es kam zu Warn­streiks, am En­de ei­nig­te man sich Pi mal Dau­men in der Mit­te.

Dies­mal ist die Aus­gangs­la­ge ver­zwick­ter: Ver­di und Co. ver­wei­sen auf die spru­deln­den Staats­ein­nah­men. Zu­dem ver­lan­gen sie, der öf­fent­li­che Di­enst müs­se beim Lohn end­lich zu an­de­ren Bran­chen auf­schlie­ßen. Die Ar­beit­ge­ber ver­wei­sen ih­rer­seits auf die nied­ri­ge In­fla­ti­on, auf ih­re Schul­den­last und die Flücht­lings­kri­se. An­ge­sichts der Null­zins­po­li­tik der EZB lie­ßen sich zu­dem die Zin­s­er­trä­ge für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung schwer er­zie­len. Auch ha­be Ver­di für die Er­zie­he­rin­nen schon vor ei­nem Jahr ein Lohn­plus au­ßer der Rei­he durch­ge­setzt.

Trotz­dem ha­ben die Ar­beit­ge­ber an der al­ten Cho­reo­gra­fie fest­ge­hal­ten und die Hälf­te der For­de­rung ge­bo­ten – wenn auch über zwei Jah­re ge­streckt. Dass die Ge­werk­schaf­ten die drei Pro­zent nicht mal als Ge­sprächs­grund­la­ge gel­ten las­sen und Warn­streiks vom Ka­li­ber ei­nes Er­zwin­gungs­streiks vom Zaun bre­chen, lässt Schlim­mes für den wei­te­ren Ver­hand­lungs­ver­lauf und da­mit für die Bür­ger be­fürch­ten. BERICHT

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