Un­ter­füh­rung in Kalkar – „Angs­traum“

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KLEVE - VON ANJA SETTNIK

Die höl­zer­nen Fuß­gän­ger­brü­cken in Kal­kars Mit­te sind größ­ten­teils in schlech­tem Zu­stand und müs­sen er­neu­ert wer­den. Ei­ne Fra­ge ist, ob die Un­ter­füh­rung „Am Boll­werk“über­haupt nö­tig ist. Schul­lei­ter hal­ten sie für ver­zicht­bar.

KALKAR Grä­ben und Was­ser­läu­fe gibt es in Kalkar reich­lich – und des­halb die Not­wen­dig­keit, di­ver­se Que­run­gen nicht nur für den mo­to­ri­sier­ten Ver­kehr, son­dern auch für Rad­fah­rer und Fuß­gän­ger zu schaf­fen. Fürs mit­tel­al­ter­li­che Kalkar,

„Un­se­re Toch­ter mag die Un­ter­füh­rung nicht,

weil sie dun­kel und schmut­zig ist “

Kal­kare­rin

Mut­ter ei­ner Schü­le­rin

dach­ten sich die Stadt­pla­ner schon vor vie­len Jah­ren, sei­en Holz­brü­cken be­son­ders ge­eig­net. Al­ler­dings sind die nicht ewig halt­bar und ver­wit­tern im Lau­fe der Jah­re. Die Lö­sung: sa­nie­ren, so lan­ge das mög­lich ist, oder ab­rei­ßen, wenn der Scha­den zu groß und die Si­cher­heit nicht mehr ge­ge­ben ist. Ein Bericht der Ver­wal­tung brach­te im Pla­nungs­aus­schuss zum Vor­schein, dass ei­ni­ge der elf Brü­cken kaum mehr zu hal­ten sind.

Die Un­ter­füh­rung Am Boll­werk / Xan­te­ner Stra­ße („H 12“), ge­dacht, um den Schul­weg der Kin­der un­ge­fähr­li­cher zu ge­stal­ten, ist nicht nur bau­lich in kei­nem gu­ten Zu­stand, sie ist auch schmud­de­lig und zieht un­will­kom­me­ne Gäs­te an. Nicht zu­letzt ha­be man dort ein Rat­ten­pro­blem, merk­te Stadt­bau­rat Frank Sun­der­mann an.

Kars­ten Naß von der kal­ka­rer CDU als Vor­sit­zen­der des Aus­schus­ses sag­te, er wol­le „nicht gleich von ei­nem Angs­traum spre­chen“, aber es sei be­kannt, dass die Un­ter­füh­rung oft „miss­bräuch­lich“ge­nutzt wer­de. Graf­fi­ti, Schmutz und lee­re Bier­fla­schen im Ufer­ge­büsch wei­sen dar­auf hin, dass sich dort ger­ne Leu­te auf­hal­ten, die man beim Bau der An­la­ge nicht im Sinn ge­habt ha­be.

Was mei­nen die Schu­len der Ni­co­lai­stadt – wird die Un­ter­füh­rung für ei­nen si­che­ren Schul­weg be­nö­tigt? An­dré Bo­be, Rek­tor der Re­al­schu­le Kalkar, sagt da­zu ganz klar: „Wir brau­chen die Un­ter­füh­rung nicht, be­zie­hen sie bei un­se­rer Schul­weg­pla­nung gar nicht ein. Viel­mehr stört es uns, dass sich jun­ge Leu­te dort un­be­merkt auf­hal­ten kön­nen. Wir ha­ben un­se­re Schü­ler aber lie­ber im Blick.“Nicht ein­seh­ba­re Be­rei­che sei­en im­mer pro­ble­ma­tisch. Für Kal­kars Kin­der ge­be es ge­nü­gend an­de­re We­ge, zur Schu­le zu ge­lan­gen.

Ei­ne Mut­ter, die ge­ra­de an der Xan­te­ner Stra­ße ent­lang spa­ziert, be­stä­tigt: „Un­se­re Toch­ter mag die Un­ter­füh­rung nicht, weil sie dun­kel und schmut­zig ist. Sie wech­selt die Stra­ßen­sei­te lie­ber über­ir­disch.“Schon vor der Sit­zung hat­te sich die FBK-Frak­ti­on üb­ri­gens fest­ge­legt und be­an­tragt, die Brü­cke Am Boll­werk kön­ne er­satz­los auf­ge­ge­ben wer­den. Sie sei nicht bar­rie­re­frei, „oben“gel­te Tem­po 30, die Bus­se hiel­ten oh­ne hin dort, und es könn­ten 96 000 Eu­ro ein­ge­spart wer­den.

Al­le fünf Jah­re lässt die Stadt die Bau­wer­ke von ei­nem In­ge­nieur­bü­ro un­ter­su­chen, hin­zu kom­men re­gel­mä­ßi­ge Sich­tun­gen. Die letz­te von 2015 er­brach­te fol­gen­des Er­geb­nis: Mit Aus­nah­me der Brü­cken „Fa­mi­li­en­bil­dungs­stät­te“und „Hei­en­berg“wei­sen sämt­li­che Holz­brü­cken ei­nen min­des­tens kri­ti­schen Bau­werks­zu­stand auf; drei ge­hö­ren schnellst­mög­lich ent­fernt. Bei letzt­ge­nann­ten han­delt es sich um die Brü­cken „Am Schul­zen­trum“, zwi­schen­zeit­lich sa­niert, „Ley­gräf­te“, zwi­schen­zeit­lich ab­ge­bro­chen, und „Hin­ter der Ten­nis­hal­le“, ak­tu­ell ge­sperrt und für ei­nen er­satz­lo­sen Rück­bau vor­ge­se­hen. Im Haus­halts­jahr 2016 sol­len die Holz­brü­cken „Sport­platz SUS Kalkar“und „Mon­re­stra­ße/Xan­te­ner Stra­ße neu her­ge­stellt wer­den. Wo­bei jetzt of­fen­bar auch ei­ne Op­ti­on ist, sich die Kos­ten für die Neu­er­stel­lung der Un­ter­füh­rung zu spa­ren.

Die Brü­cken in Hö­he der Wall­stra­ße 37 und „Fuß­weg im Schwa­nen­horst“sol­len laut Ver­wal­tung der Stadt Kalkar im kom­men­den Jahr 2017 für ge­schätz­te 65.000 Eu­ro er­neu­ert wer­den. Al­lein der Ab­bruch der Brü­cken an der Ten­nis­hal­le so­wie an der Wall­stra­ße 69 und 27 dürf­te 15.000 Eu­ro kos­ten. Ge­prüft wird noch, ob die Feu­er­wehr beim Ab­riss hel­fen kann, um Aus­ga­ben zu spa­ren. Bis­her ist von 263.000 Eu­ro für Ab­riss / Sa­nie­rung und von 248.000 Eu­ro für den Neu­bau meh­re­rer Brü­cken die Re­de.

Das kann sich al­ler­dings noch deut­lich än­dern, denn Kal­ka­rer Bür­ger ha­ben ge­gen­über den Kom­mu­nal­po­li­ti­kern al­ler Frak­tio­nen schon vie­le gu­te Grün­de für den Er­halt ih­rer je­wei­li­gen Lieb­lings­brü­cke an­ge­führt. Kei­ne Sor­gen ma­chen müs­sen sich wohl der Müh­len­ver­ein und die Fa­mi­li­en­bil­dungs­stät­te in Kalkar: Den kur­zen Weg vom Park­platz am Ley­bach will nie­mand zu­nich­te ma­chen.

RP-FOTO: NIK

Die Un­ter­füh­rung am Mon­re­tor in Kalkar wird laut Kars­ten Nass von der CDU oft „miss­bräuch­lich“ge­nutzt.

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