Abo-Wind wirkt über­for­dert

Rheinische Post Goch - - ZUHAUSE IN KRANENBURG - Pe­ter Sins­beck, Kes­sel

Zu­sam­men mit vie­len an­de­ren be­trof­fe­nen Men­schen aus Kes­sel und Ven-Zel­der­hei­de war ich im Bür­ger­haus in Kra­nen­burg bei der Vor­stel­lung der Wind­kraft­gut­ach­ten, um zu er­fah­ren, wie es wei­ter­geht – oder hof­fent­lich nicht – mit dem Bau der 200 Me­ter ho­hen Wind­in­dus­trie­an­la­gen. Die Bür­ger stell­ten zu den Teil­gut­ach­ten sehr prä­zi­se Fra­gen, aus de­nen ih­re Sor­ge um die Aus­wir­kun­gen der An­la­ge sehr deut­lich wur­de. Die Ver­tre­ter von Abo-Wind hin­ge­gen ver­mit­tel­ten bei der Be­ant­wor­tung häu­fig den Ein­druck, über­for­dert zu sein oder aber ab­sicht­lich un­klar zu ant­wor­ten. Bür­ger­meis­ter St­eins mach­te es sich bei un­an­ge­neh­men Fra­gen ein­fach und zog sich auf die Po­si­ti­on zu­rück, le­dig­lich den Rats­be­schluss aus­zu­füh­ren. Da fragt man sich doch, wer denn den Ge­mein­de­rat zu die­sem Be­schluss ge­führt hat? Bei den Vor­stel­lun­gen der Bild­ani­ma­tio­nen ge­riet die Darstel­lung ganz zur Far­ce. Auf den ge­zeig­ten Bil­dern wa­ren die Wind­kraft­an­la­gen zum Teil nur zu er­ah­nen. Ob­wohl St­eins im­mer wie- der ab­so­lu­te Of­fen­heit ver­spricht, zieht sich die­se Ver­harm­lo­sung oder Ver­ne­be­lung wie ein ro­ter Fa­den durch al­le In­for­ma­tio­nen. So wer­den im Um­welt­be­richt der Ge­mein­de Kra­nen­burg von Ju­ni 2015 nur Graf­we­gen und Mils­beek als die nächst­ge­le­ge­nen Sied­lungs­stand­or­te ge­nannt. Über­haupt nicht er­wähnt wer­den die am stärks­ten be­trof­fe­nen Ort­schaf­ten Ven-Zel­der­hei­de und Kes­sel-Gru­ne­wald, in de­nen mehr als 1000 Men­schen le­ben. Der Bericht spricht hier nur von „Ein­zel­hö­fen auf nie­der­län­di­scher Sei­te“. Selbst wenn hier kei­ne bö­se Ab­sicht un­ter­stellt wird, so spricht das doch von äu­ßerst schlam­pi­ger Ar­beit. Die­ser Um­welt­be­richt war die Ba­sis für die Än­de­rung des Flä­chen­nut­zungs­plans! Die Me­di­en be­rich­ten in­zwi­schen sehr häu­fig über Um­denk­pro­zes­se in den Ent­wick­lungs­län­dern. Dort geht man weg von kurz­fris­ti­gen Ge­winn­mit­nah­men hin zur nach­hal­ti­gen Be­wirt­schaf­tung. Bei uns will Kra­nen­burg die­sen so schö­nen Hö­hen­zug am „Kar­ten­spie­ler Weg“mit zwölf gi­gan­ti­schen Wind­in­dus­trie­an­la­gen ver­schan­deln. Na­tür­lich geht es hier ums Geld. Al­le an­de­ren Grün­de ha­ben für mich nur ei­ne Ali­bi-Funk­ti­on. Dass aber die über 1000 be­trof- fe­nen Bür­ger aus der Nach­bar­schaft durch die­se Wind­an­la­gen ei­ne enor­me Ein­bu­ße an Le­bens­qua­li­tät er­lei­den wür­den, kann und darf doch den Kra­nen­bur­ger Rat nicht ein­fach kalt las­sen. Lie­be Kra­nen­bur­ger Ent­schei­dungs­trä­ger, wir hof­fen, dass un­se­re Sor­gen und Ängs­te bei Ih­nen noch of­fen dis­ku­tiert wer­den. Zur Kor­rek­tur ist es kei­nes­wegs zu spät. Wir hof­fen, dass vie­le Mit­glie­der des Kreis­ta­ges die Ver­an­stal­tung be­sucht ha­ben. Der Kreis­tag hat noch ei­ne sehr wich­ti­ge Ent­schei­dung zur Ge­neh­mi­gung der ge­plan­ten Wind­in­dus­trie­an­la­gen zu tref­fen. Ei­ne po­si­ti­ve Nach­richt zum Schluss: Die Stadt­wer­ke Goch ha­ben sich schon aus die­sem Pro­jekt ver­ab­schie­det.

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