Düs­sel­dorf will au­to­frei­en Sonn­tag

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE - VON DENISA RICHTERS UND CHRISTIAN SCHWERDTFEGER

Die Lan­des­haupt­stadt will ein Zei­chen für mehr ur­ba­ne Le­bens­qua­li­tät set­zen und be­lebt ei­ne Idee wie­der, die vor über 40 Jah­ren aus der Not ge­bo­ren wur­de. Über die De­tails wird von heu­te an be­ra­ten.

DÜS­SEL­DORF Die nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­haupt­stadt könn­te bald an aus­ge­wähl­ten Sonn­ta­gen für den Au­to­ver­kehr ge­sperrt wer­den. Die Stra­ßen sol­len dann aus­schließ­lich Fuß­gän­gern und Rad­fah­rern zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Düs­sel­dor­fer Stadt­po­li­tik dis­ku­tiert heu­te im zu­stän­di­gen Aus­schuss über die Ein­füh­rung des ers­ten au­to­frei­en Sonn­tags seit der Öl­kri­se 1973. Die Idee da­zu stammt vom All­ge­mei­nen Deut­schen Fahr­ra­dClub (ADFC) in Düs­sel­dorf, der ei­nen ent­spre­chen­den An­trag ein­ge­reicht hat­te.

Düs­sel­dorfs Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel (SPD) zeigt sich auf­ge­schlos­sen für den Vor­schlag. Er könn­te sich vor­stel­len, ei­nen au­to­frei­en Sonn­tag mit ei­nem gleich­zei­tig statt­fin­den­den Groß­er­eig­nis in der Stadt zu kop­peln. „Beim Grand Dé­part der Tour de Fran­ce sind oh­ne­hin vie­le Stra­ßen ge­sperrt, des­halb wä­re das ein denk­ba­rer An­lass für ei­nen au­to­frei­en Sonn­tag“, so das Düs­sel­dor­fer Stadt­ober­haupt. „Auch der Ja­pan-Tag mit Mil­lio­nen Be­su­chern könn­te ein da­für ge­eig­ne­tes Groß­er­eig­nis sein“, sag­te Gei­sel. Da­durch lie­ße sich die Auf­ent­halts- und Le­bens­qua­li­tät in der Stadt deut­lich stei­gern. Er be­ton­te zu­gleich, dass es ihm nicht dar­um ge­he, Au­tos in der Stadt zu ver­hin­dern. Er sei kein Freund sol­cher Sym­bol-Po­li­tik.

Un­ter­stüt­zung für das Vor­ha­ben kommt auch von NRW-Um­welt­mi­nis­ter Jo­han­nes Rem­mel (Grü­ne). „Wir be­grü­ßen al­le Ak­tio­nen, bei de­nen ei­ne um­welt­freund­li­che und emis­si­ons­freie Mo­bi­li­tät im Mit­tel­punkt steht“, sag­te Rem­mel un­se­rer Re­dak­ti­on. In die Pla­nung und Durch­füh­rung die­ser Ak­ti­on wol­le er sich aber nicht ein­mi­schen.

Auch für den Na­tur­schutz­bund BUND ist ein au­to­frei­er Sonn­tag sinn­voll. „Da­durch wird in der Be­völ­ke­rung das Be­wusst­sein für um­welt­freund­li­che­re Tech­no­lo­gi­en ge­schärft“, sag­te BUND-Ge­schäfts­lei­ter Dirk Jan­sen.

Der All­ge­mei­ne Deut­sche Fahr­rad-Club, der im Düs­sel­dor­fer Rat­haus den An­trag ge­stellt hat, ar­gu­men­tiert, dass der Rad- und Fuß­gän­ger­ver­kehr im­mer mehr an Be­deu­tung ge­winnt und die Zahl der Haus­hal­te mit ei­ge­nem Au­to auch in Düs­sel­dorf sinkt. Der Ver­ein ver­weist auch auf Pa­ris, wo es 2015 den ers­ten au­to­frei­en Sonn­tag in der In­nen­stadt ge­ge­ben hat. Die Ak­ti­on war so er­folg­reich, dass die Stadt in die­sem Jahr gleich an zwei Ta­gen au­to­frei sein wird. In Köln gibt es be­reits seit 2013 je­weils in ei­nem Stadt­teil ei­nen au­to­frei­en Tag.

Das Düs­sel­dor­fer Amt für Ver­kehrs­ma­nage­ment macht in ei­ner schrift­li­chen Ein­schät­zung des ADFC-An­trags Ein­schrän­kun­gen: Die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung er­mög­li­che flä­chen­de­cken­de In­nen­stadt­sper­run­gen oder pau­scha­le Fahr­ver­bo­te an ein­zel­nen Ta­gen nicht. Dies müs­se mit ei­ner Ver­an­stal­tung ver­bun­den und räum­lich klar um­grenzt sein. Zu­dem müs­se der Ver­an­stal­ter die Sper­run­gen or­ga­ni­sie­ren und die Kos­ten tra­gen. Dass es schon 2016 mit ei­nem au­to­frei­en Sonn­tag in Düs­sel­dorf klappt, wird in der städ­ti­schen Ver­wal­tung aber na­he­zu aus­ge­schlos­sen, denn es sei mit ei­ner Vor­lauf­zeit von et­wa ei­nem Jahr zu rech­nen.

In vie­len an­de­ren Städ­ten in NRW wird das Vor­ha­ben in Düs­sel­dorf mit gro­ßem In­ter­es­se be­ob­ach­tet. In Duis­burg wür­de man dem ger­ne fol­gen. Dort soll ge­prüft wer­den, wie ein sol­cher au­to­frei­er Tag zu rea­li­sie­ren wä­re. „Vor­aus­set­zung da­zu ist auf je­den Fall ein Kon­zept, in das be­glei­ten­de Ver­an­stal­tun­gen und In­for­ma­tio­nen ein­zu­be­zie­hen sind. Denk­bar wä­re dies bei­spiels­wei­se im Rah­men der Duis­bur­ger Um­welt­ta­ge“, sag­te Um­welt­de­zer­nent Ralf Krum­p­holz.

FOTO: DPA

In der Düs­sel­dor­fer Alt­stadt sind am 2. De­zem­ber 1973, dem zwei­ten von vier au­to­frei­en Sonn­ta­gen, die Men­schen zu Fuß, mit dem Rad oder auf Pfer­den un­ter­wegs.

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