Die Kom­mu­nen sol­len künf­tig Pfle­ge­be­dürf­ti­ge be­ra­ten

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON EVA QUADBECK

Durch die Än­de­rung sol­len laut Ge­setz­ent­wurf zum drit­ten Pfle­ge­stär­kungs­ge­setz mehr Be­ra­tungs­stel­len ent­ste­hen.

Berlin Die Bun­des­re­gie­rung will die Be­ra­tung von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und de­ren An­ge­hö­ri­gen fe­der­füh­rend an die Kom­mu­nen über­tra­gen und da­mit bun­des­weit deut­lich mehr Be­ra­tungs­stel­len schaf­fen. Bis­lang or­ga­ni­sie­ren dies die Kran­ken- und Pfle­ge­kas­sen. Wie aus dem Ge­setz­ent­wurf zum drit­ten Pfle­ge­stär­kungs­ge­setz her­vor­geht, der un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt, sol­len die Kom­mu­nen künf­tig die Initia­ti­ve für die Ein­rich­tung neu­er Stütz­punk­te er­grei­fen. Fi­nan­ziert wer­den sol­len die Be­ra­tungs­stel­len zu je­weils ei­nem Drit­tel von Kom- mu­nen oder Län­dern, den Kran­ken­kas­sen und und den Pfle­ge­kas­sen. „Ge­mein­sa­mes Ziel ist es, so lan­ge wie mög­lich den Ver­bleib in der ver­trau­ten häus­li­chen und fa­mi­liä­ren Um­ge­bung zu un­ter­stüt­zen und ein selbst­be­stimm­tes Le­ben zu ge­währ­leis­ten“, heißt es im Ge­setz­ent­wurf. Wie vie­le Pfle­ge­stütz­punk­te zu­sätz­lich ent­ste­hen sol­len, lässt das Ge­setz of­fen.

Die meis­ten Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und An­ge­hö­ri­gen fin­den sich in dem Di­ckicht aus Hilfs­an­ge­bo­ten und den da­zu­ge­hö­ri­gen Vor­schrif­ten nicht zu­recht – ins­be­son­de­re wenn Pfle­ge­fäl­le sehr plötz­lich be­wäl­tigt wer­den müs­sen. Wel­che Zu- schüs­se be­kommt man, um ei­ne Woh­nung al­ten­ge­recht um­zu­bau­en? Wel­ches Pfle­ge­heim ist ge­eig­net? Wo be­kom­men Pfle­ge­be­dürf­ti­ge eh­ren­amt­li­che Hil­fe? Zu sol­chen Fra­gen be­ra­ten die Pfle­ge­stütz­punk­te. Aber da­von gibt es nach ein­hel­li­ger Mei­nung von Bund, Län­dern und Kom­mu­nen bis­lang nicht ge­nug in Deutsch­land.

„In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat sich mehr und mehr ge­zeigt, dass es Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al bei der Pfle­ge vor Ort, ins­be­son­de­re in Be­zug auf Ko­or­di­na­ti­on, Ko­ope­ra­ti­on und Steue­rung, gibt“, heißt es im Ge­setz­ent­wurf. Ziel ist es, dass Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und de­ren An­ge­hö­ri­ge künf­tig ei­ne „Be­ra­tung aus ei­ner Hand“er­hal­ten sol­len. Da­für bringt das Ge­setz zu­sätz­lich 60 Mo­dell­vor­ha­ben auf den Weg, in de­nen die Kom­mu­nen nicht nur die Pfle­ge­be­ra­tung über­neh­men, son­dern zu­gleich auch Men­schen mit Be­hin­de­rung die ih­nen zu­ste­hen­den Hil­fen auf­zei­gen, die über die So­zi­al­hil­fe fi­nan­ziert wer­den. Das Pro­jekt soll zu­nächst für fünf Jah­re lau­fen.

Das neue Ge­setz ist das drit­te und letz­te Re­gel­werk in ei­ner schon von der Vor­gän­ger-Re­gie­rung ge­star­te­ten groß­an­ge­leg­ten Pfle­ge­re­form. Mit den ers­ten bei­den Ge­set­zen wur­de das Leis­tungs­spek­trum der Pfle­ge­ver­si­che­rung aus­ge­wei­tet und ein neu­er Pfle­ge­be­dürf­tig­keits­be­griff ein­ge­führt. Er zielt dar­auf, dass sich der Um­fang der Pfle­ge für ei­nen Men­schen nach sei­nen noch vor­han­de­nen geis­ti­gen, psy­chi­schen und kör­per­li­chen Fä­hig­kei­ten rich­ten soll. Da­von pro­fi­tie­ren ins­be­son­de­re De­menz­kran­ke und de­ren An­ge­hö­ri­ge. In­ner­halb der Pfle­ge­re­form war ein Vor­sor­ge­fonds ver­ab­re­det wor­den, der aus Bei­trags­mit­teln der Ver­si­cher­ten ge­speist wird. Das Geld soll zum Ein­satz kom­men, wenn die in den 60er Jah­ren ge­bo­re­ne Ba­by-Boo­mer-Ge­ne­ra­ti­on ins Pfle­ge­al­ter kommt.

Das Ge­setz soll auch prak­ti­sche Pro­ble­me des All­tags von Pfle­ge­be- dürf­ti­gen be­sei­ti­gen. Mitt­ler­wei­le zah­len die Pfle­ge­kas­sen pro Mo­nat 125 Eu­ro, mit de­nen Hel­fer fi­nan­ziert wer­den kön­nen, die Pfle­ge­be­dürf­ti­ge zum Ein­kau­fen oder bei ei­nem Gang auf den Fried­hof be­glei­ten. Oft wis­sen die Be­trof­fe­nen aber nicht, wie sie die All­tags­be­glei­ter fin­den. Mit 50 Mil­lio­nen Eu­ro sol­len nun Bü­ro­räu­me für sol­che Un­ter­stüt­zungs­an­ge­bo­te fi­nan­ziert wer­den. Das neue Ge­setz soll zum 1. Ja­nu­ar 2017 in Kraft tre­ten. Dann wird auch der neue Pfle­ge­be­dürf­tig­keits­be­griff wirk­sam. Die Kos­ten sind über­schau­bar. Die gro­ßen Aus­ga­ben ste­cken in den ers­ten bei­den Pfle­ge­stär­kungs­ge­set­zen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.