Die Lind­ner-Prä­to­ria­ner­gar­de

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON THO­MAS REISENER

Wel­che FDP-Po­li­ti­ker aus NRW wech­seln 2017 mit dem Par­tei­chef nach Ber­lin?

DÜS­SEL­DORF Im an­ti­ken Rom war die Prä­to­ria­ner­gar­de die Leib­wa­che des Kai­sers. Als der da­mals noch eben­so jun­ge wie un­be­kann­te Chris­ti­an Lind­ner 2009 sein Ver­hält­nis zum da­ma­li­gen FDP-Chef be­schrei­ben soll­te, be­zeich­ne­te er sich und an­de­re FDP-Nach­wuchs­kräf­te als „Gui­do Wes­ter­wel­les Prä­to­ria­ner“. Sie­ben Jah­re spä­ter stellt Lind­ner, jetzt selbst FDP-Chef, sich sei­ne ei­ge­nen Prä­to­ria­ner zu­sam­men.

Für das kom­men­de Jahr plant er das Come­back der Li­be­ra­len im Deut­schen Bun­des­tag. Da­für braucht er ei­ne ein­ge­schwo­re­ne Trup­pe mehr als je­der an­de­re Par­tei­chef dort: Bei all dem Hohn, mit dem die Wäh­ler die FDP 2013 aus dem Par­la­ment feg­ten, ist Lind­ner be­son­ders bei sei­nem Neu­start auf ei­ne er­fah­re­ne, wehr­haf­te und loya­le Mann­schaft an­ge­wie­sen. Denn der po­li­ti­sche Geg­ner war­tet nur dar­auf, dass Lind­ner mit ei­ner Bauch­lan­dung be­ginnt.

Rück­grat sei­ner Ber­li­ner Mann­schaft wer­den FDP-ler aus NRW sein. Nicht nur, weil hier der größ­te Lan­des­ver­band ist. Son­dern auch, weil die NRW-ler Lind­ner vor we­ni­gen Ta­gen fast ein­stim­mig als Lan­des­chef wie­der­ge­wählt ha­ben. Ob­wohl der gleich­zei­ti­ge Bun­des­chef zu­vor er­klärt hat­te, dass er sei­ne Zu­kunft ab 2017 nicht in Düs­sel­dorf, son­dern in Ber­lin sieht: Deut­li­cher konn­te die NRW-FDP ih­re Loya­li­tät nicht do­ku­men­tie­ren.

Nach La­ge der Din­ge wird Lind­ner et­wa zehn Ge­folgs­leu­te von hier mit­neh­men. Die Kal­ku­la­ti­on ist ein­fach: Oh­ne Über­hang­man­da­te wird der nächs­te Bun­des­tag rund 630 Sit­ze ha­ben. Bei den sie­ben bis acht Pro­zent, die Be­ob­ach­ter den Li­be­ra­len bei der nächs­ten Bun­des­tags­wahl im Mit­tel zu­trau­en, ent­fal­len dann rund 45 bis 50 Sit­ze auf die FDP. Weil NRW als größ­tes Bun­des­land in der Re­gel gut ein Fünf­tel der Ab­ge­ord­ne­ten in den je­wei­li­gen Frak­tio­nen stellt, sind un­ter nor­ma­len Um­stän­den et­wa zehn FDPBun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te aus NRW im nächs­ten Jahr zu er­war­ten.

Bei et­wa der Hälf­te der künf­ti­gen FDP-Trup­pe in Ber­lin ste­hen die Köp­fe dem Ver­neh­men nach fest. Ne­ben Lind­ner selbst wird die Düs­sel­dor­fe­rin Ma­rie-Ag­nes StrackZim­mer­mann mit ihm nach Ber­lin ge­hen. Als stell­ver­tre­ten­de FDPBun­des­vor­sit­zen­de und Frak­ti­ons­che­fin im Düs­sel­dor­fer Stadt­rat hat sie sich über­durch­schnitt­lich pro­fi­liert – au­ßer­dem muss Lind­ner dar­auf ach­ten, nicht zu we­nig Frau­en in sei­ner Frak­ti­on zu ha­ben. Als ge­setzt gel­ten auch der der­zei­ti­ge Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Mar­co Bu­sch­mann (Gel­sen­kir­chen) so­wie NRWGe­ne­ral Jo­han­nes Vo­gel. Ob­wohl Lan­des­schatz­meis­ter Ot­to Fri­cke nicht zu Lind­ners engs­ten Ver­trau­ten ge­hört, wird er auf Fri­ckes Er­fah­rung in Ber­lin nicht ver­zich­ten kön­nen: Der Kre­fel­der war dort jah­re­lang Chef des Haus­halts­aus­schus­ses und hat als Par­la­men­ta­ri­scher Ge­schäfts­füh­rer die Bun­des­tags­frak­ti­on or­ga­ni­siert. Im Res­sort Au­ßen­po­li­tik will Lind­ner in Ber­lin wohl mit dem Noch-Eu­ro­pa­po­li­ti­ker Alex­an­der Graf Lambs­dorff punk­ten. Für die üb­ri­gen NRW-Pos­ten in der Frak­ti­on wer­den noch un­ter­schied­li­che Na­men ge­nannt.

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