Charles de Gaul­le tritt zu­rück

Rheinische Post Goch - - UNTERHALTUNG -

Fast drei Jahr­zehn­te lang hat­te Charles de Gaul­le die Ge­schi­cke sei­nes Lan­des ent­schei­dend mit­be­stimmt – wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs, in der Vier­ten und als Staats­prä­si­dent der Fünf­ten Re­pu­blik. 1968 er­leb­te Frank­reich ei­ne Kri­se: Die MaiUn­ru­hen be­gan­nen mit Stu­den­ten­pro­tes­ten, die von der Pa­ri­ser Sor­bon­ne aus­gin­gen, und mün­de­ten in ei­nen Ge­ne­ral­streik, der das gan­ze Land lahm­leg­te. De Gaul­le re­agier­te auf die chao­ti­schen Zu­stän­de, in­dem er Neu­wah­len an­kün­dig­te, bei de­nen die Gaul­lis­ten ei­nen gro­ßen Er­folg ein­fuh­ren. Trotz­dem hat­ten die Un­ru­hen ei­nen Mo­der­ni­sie­rungs­schub aus­ge­löst, mit dem de Gaul­le kaum mit­hal­ten konn­te. Sei­ne Au­to­ri­tät war er­schüt­tert. Nur ein Jahr spä­ter mach­te der Prä­si­dent das Re­fe­ren­dum über die so­ge­nann­te Re­gio­nal­re­form zur Ab­stim­mung über sei­ne Prä­si­dent­schaft. Die­ses Mal zeig­te sich, dass die Mehr­heit der Fran­zo­sen nicht mehr hin­ter de Gaul­le stand. Ob­wohl Um­fra­gen zeig­ten, dass die Re­form durch­aus die Un­ter­stüt­zung ei­nes Groß­teils der Be­völ­ke­rung hat­te, stimm­ten 52,46 Pro­zent der Fran­zo­sen ge­gen die Ge­set­zes­vor­la­ge – und da­mit ge­gen de Gaul­le. Kurz nach Mit­ter­nacht in der Nacht auf den 28. April 1969 trat er zu­rück. Nach dem Rück­zug aus der ak­ti­ven Po­li­tik wid­me­te sich der Ge­ne­ral sei­nen Me­moi­ren, die er auf sei­nem Land­sitz Co­lom­bey-lesDeux-Ég­li­ses ver­fass­te. 1970 starb de Gaul­le im Al­ter von 79 Jah­ren.

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