Ste­fan Schlag­he­cken zweit­bes­ter Mel­ker

Rheinische Post Goch - - KREIS KLEVE – REGIONAL -

KREIS KLE­VE (nik) Beim NRW-Lan­des­wett­be­werb war es Platz drei ge­wor­den. Nun, beim Bun­des­melk­wett­be­werb im baye­ri­schen Achselschwang, kam der an­ge­hen­de Land­wirt Ste­fan Schlag­he­cken aus Bed­burg-Hau auf Platz zwei hin­ter Ste­phan Kreu­zer aus Bay­ern in der Ka­te­go­rie „Ka­rus­sell“. Was um­so an­er­ken­nens­wer­ter ist, weil der 22-Jäh­ri­ge im All­tag an ei­nen üb­li­chen Melk­stand ge­wöhnt ist, nicht an ein Ka­rus­sell. „Aber das geht den bei­den an­de­ren NRW-Ver­tre­tern ge­nau­so. Ei­ner muss­te sich op­fern, da hab’ ich es halt ge­macht.“Drei Ver­tre­ter je­des Bun­des­lan­des wa­ren im Ren­nen, zwei von ih­nen durf­ten im Melk­stand zei­gen, was sie drauf ha­ben, ei­ner im Melk­ka­rus­sell. Für Ste­fan Schlag­he­cken war das of­fen­sicht­lich kei­ne schlech­te Wahl.

„Ich bin noch et­was mü­de, denn ges­tern Abend wur­de es spät“, be­rich­te­te der jun­ge Mann, den die RP te­le­fo­nisch auf der Rück­fahrt er- wisch­te – im Stau. Die Preis­ver­ga­be war erst ge­gen 22 Uhr, und na­tür­lich wur­de noch ein we­nig ge­fei­ert.

Zuf­rie­den sein konn­te auch Eva Nün­ninghoff aus Straelen, die mit Platz sie­ben im Melk­stand nach Hau­se fuhr. Die jun­ge Frau hat­te den Lan­des­ent­scheid in Haus Düs­sel im Kreis Soest so­gar ge­won­nen. Dies­mal hat­te sie et­was Pech. „In Dort­mund und des NRWJu­nior­bal­letts so­wie Spre­cher des Deut­schen Be­rufs­ver­ban­des der Tanz­päd­ago­gik. Er weiß: So­wohl die Zu­schau­er­zahl an den deut­schen Thea­tern, als auch die An­zahl der Men­schen selbst, die tan­zen, geht seit Jah­ren nach oben. Bei Kin­dern und Er­wach­se­nen, selbst von Se­nio­ren-Grup­pen ha­be er schon ge­hört. Die stei­gen­de Nach­fra­ge am klas­si­schen Tanz, des­sen Be­grün­der Je­an-Ge­or­ges No­ver­re heu­te vor 289 Jah­ren ge­bo­ren wur­de, be­grün­det Ehin­ger so: „Bal­lett ist ei­ne Kunst­form, die kei­ne Sprachund Kul­tur­gren­ze kennt. Es ist ei­ne mo­der­ne Form der In­te­gra­ti­on. Zu­dem ge­hört die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem ei­ge­nen Kör­per zum Zeit­geist.“

Nicht das ers­te Mal. Denn En­de der 80er/An­fang der 90er Jah­re lag Bal­lett schon ein­mal im Trend. Da­mals wur­de die Se­rie „An­na“aus­ge­strahlt. Mil­lio­nen von Mä- dem Fisch­grät-Melk­stand, in dem wir ge­prüft wur­den, gab es ei­nen Melk­arm, den ich nicht kann­te. Der soll das Melk­zeug an der Kuh po­si­tio­nie­ren, aber mich hat er ge­stört.“Mit Platz sie­ben sei sie „mit­tel­mä­ßig“zuf­rie­den. Ganz be­stimmt wird ihr Chef Rai­ner Hag­mans in Gel­dern ihr aber eben­so gra­tu­lie­ren wie Leh­rer und Mit­schü­ler in Haus Ris­wick. dels ver­folg­ten 1987 vor dem Fern­se­her und ein Jahr spä­ter auch auf der Lein­wand das Schick­sal der jun­gen Bal­lett­tän­ze­rin An­na Pel­zer, die bei ei­nem Au­to­un­fall mit ih­rem Bru­der Phil­ipp ei­ne Wir­bel­säu­len­ver­let­zung er­litt. Da­von lie­ßen sich vie­le Mäd­chen an­ste­cken. Bal­lett boom­te.

Da­ran er­in­nert sich Da­ni­el Hüt­ten nur zu gut. Die Bal­lett­schu­le sei­ner Mut­ter, zu die­ser Zeit noch am Kö­nigs­gar­ten in Kle­ve be­hei­ma­tet, platz­te En­de der 80er Jah­re aus al­len Näh­ten. „Auf ein­mal woll­ten al­le Bal­lett ler­nen“, sagt Hüt­ten. Bis zu 250 Schü­ler ström­ten da­mals in die klei­ne Schu­le. Heu­te sind es am neu­en Stand­ort an der Sie­gert­stra­ße fast 200 Schü­ler zwi­schen vier und 60 Jah­ren. Ei­ne Grup­pe für Er­wach­se­ne ist fest in Pla­nung. „Wenn sich ge­nug In­ter­es­sen­ten mel­den, star­te ich don­ners­tags ei­nen neu­en Kur­sus. Bis­her tan­zen die Äl­te­ren bei den Ju­gend­grup­pen mit“, sagt Hüt­ten, der selbst ein­mal Pro­fi­tän­zer war und 2010 die Schu­le sei­ner Mut­ter Ma­nue­la über­nom­men hat.

An „An­na“er­in­nert sich auch Su­san­ne Boe­se aus Wee­ze gern. Die 39-Jäh­ri­ge durf­te als Kind nicht zum Bal­lett, hat sich dann aber als Er­wach­se­ne be­wusst für den klas­si­schen Aus­drucks­tanz ent­schie­den. Das war vor zwei Jah­ren. „Man­che be­lä­cheln mich da­für, vie­le fin­den Dass Jo­han­nes Schlag­he­cken in Huis­ber­den stolz auf sei­nen Sohn ist, steht au­ßer Fra­ge. An 60 Milch­kü­hen „übt“Ste­fan seit Jah­ren. Und na­tür­lich – in Theo­rie und Pra­xis – in der Fach­schu­le Haus Ris­wick, die auch die Kol­le­gin be­sucht. Von Ar­beit und Un­ter­richt ab­ge­se­hen kön­ne man für die Wett­be­wer­be kaum ler­nen, ver­si­chern bei­de. Ent­spre­chend sei die Plat­zie­rung auch ein we­nig Glücks­sa­che. Der Bun­des­melk­wett­be­werb wird von der Deut­schen Land­wirt­schafts-Ge­sell­schaft aus­ge­rich­tet und fand dies­mal im Zen­trum für Milch­vieh- und Rin­der­hal­tung Achselschwang am Am­mer­see statt. Es ging um mo­der­ne Melk­tech­nik, Mel­ken, um Milch­hy­gie­ne und Eu­ter­ge­sund­heit. Zu­dem wur­den die Fach­kennt­nis­se zur Milch­pro­duk­ti­on ab­ge­fragt. eit 1951 will die Bran­che wis­sen, wer Deutsch­lands bes­ter Mel­ker ist. Der be­ruf­li­che Nach­wuchs aus dem Kreis Kle­ve ge­hört da­zu. es aber rich­tig cool“, sagt Boe­se. Sie selbst weiß, dass sie kei­ne So­lo­tän­ze­rin mehr wird. Auch Ni­co­la Pas­call, die an der Stel­la Man School of Dan­ce in Lon­don Bal­lett ge­lernt und die Lehr­plä­ne der Roy­al Aca­de­my of Dan­ce nach Keve­la­er ge­bracht hat, sagt übers Hob­by-Bal­lett: „Bal­lett für Er­wach­se­ne ist an­ders als ei­ne St­un­de mit mei­nen fort­ge­schrit­te­nen Schü­lern. Da muss man manch­mal ein biss­chen die Au­gen schlie­ßen.“Pas­call lacht. Im Un­ter­richt heißt es dann: „Ha­ben wir das schon ein­mal ge­macht? Ich kann mich gar nicht mehr da­ran er­in­nern.“

Aber auf Per­fek­ti­on kommt es zu­min­dest beim „Hob­by-Bal­lett für Er­wach­se­ne“auch gar nicht so an. Auf Dis­zi­plin, Be­we­gung, Kör­per­hal­tung, Ele­ganz und An­mut um­so mehr. Zu­hö­ren, hin­schau­en, nacht­an­zen. „Am An­fang wuss­te ich gar nicht, wo mir der Kopf steht – bei all den deut­schen, fran­zö­si­schen und eng­li­schen Be­grif­fen zu­gleich“, sagt Zorn. Mitt­ler­wei­le weiß sie aber, was Plié, Pi­que und Pi­rou­et­ten sind. Und was für Kin­der vi­el­leicht müh­sam und stra­pa­zi­ös ist, kann Er­wach­se­ne vom All­tags­stress be­frei­en. „Es ent­spannt, ob­wohl es an­stren­gend ist“, sagt auch Ste­pha­nie Fran­ke (44) aus Keve­la­er. Sie hat von acht bis 16 Bal­lett ge­tanzt und ist vor ei­nem Jahr wie­der da­mit an­ge­fan­gen. Das Schö­ne da­ran, sagt sie: „Wenn ich tan­ze, bin ich ganz bei mir.“

22-Jäh­ri­ger übt in Va­ters Milch­vieh­be­trieb in Bed­burg-Hau. Eva Nün­ninghoff aus Straelen auf Platz 7.

Eva Reul (49) aus Keve­la­er hat mit 36 Jah­ren wie­der an­ge­fan­gen, zu tan­zen.

FO­TO: PRI­VAT

Al­fons Bau­mann (links) und Andre­as Pel­zer von Haus Düs­sel freu­en sich mit Ste­fan Schlag­he­cken, Eva Nün­ninghoff und To­bi­as Mie­bach (v.l.n.r.).

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