Ber­lin schickt wie­der Sol­da­ten an rus­si­sche Gren­ze in Li­tau­en

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON GRE­GOR MAYNTZ

BER­LIN Gre­gor Gy­si von den Lin­ken ist hel­lauf em­pört: „75 Jah­re nach dem let­zen Über­fall Trup­pen an Russ­lands Gren­ze zu schi­cken, ist ge­schichts­ver­ges­sen und es­ka­lie­rend“, lau­tet sein Pro­test ge­gen die ab­seh­ba­re Ent­schei­dung der Na­to, zu­sätz­li­che Trup­pen im Ro­ta­ti­ons­ver­fah­ren ins Bal­ti­kum zu brin­gen. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel be­stä­tig­te ih­re Ent­schlos­sen­heit, auch Bun­des­wehrEin­hei­ten zur Ver­fü­gung zu stel­len, ges­tern am Ran­de ei­nes Ge­sprächs mit Lett­lands Mi­nis­ter­prä­si­dent Ma- ris Ku­cins­kis in Ber­lin. „Wir wer­den die Prä­senz so ge­stal­ten, dass sie nicht im Wi­der­spruch zur Na­to-Russ­lan­dGr­und­ak­te steht“, ver­si­cher­te Mer­kel.

Da­mit glaubt die Bun­des­re­gie­rung den Ver­ein­ba­run­gen von 1997 Rech­nung zu tra­gen, wo­nach die Na­to jen­seits der frü­he­ren Gren­ze zu den War­schau­er-Pakt-Staa­ten „kei­ne sub­stan­zi­el­len Kampf­trup­pen dau­er­haft sta­tio­niert“. Des­halb ist seit dem Na­to-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter­tref­fen vom 10. Fe­bru­ar dar­an ge­dacht, per­ma­nent tau­send Sol­da­ten prä­sent zu hal­ten, die stän­dig durch fri­sche Kräf­te er­setzt wer­den sol­len. Beim Mi­ni- Gip­fel in Han­no­ver soll Mer­kel USPrä­si­den­ten Oba­ma zu­ge­sagt ha­ben, dass Deutsch­land da­bei ei­ne grö­ße­re Rol­le in der Or­ga­ni­sa­ti­on über­nimmt und die Bun­des­wehr sich in der Grö- ßen­ord­nung von ei­ner Kom­pa­nie (rund 150 bis 250 Sol­da­ten) be­tei­ligt.

Das ist kei­ne neue Qua­li­tät. Schon vor ei­nem Jahr wa­ren 300 Bun­des­wehr­sol­da­ten für drei Mo­na­te in Li­tau­en, im Som­mer ver­leg­ten 250 an­de­re Sol­da­ten für eben­falls drei Mo­na­te nach Lett­land. Hin­zu kom­men wie­der­hol­te Ma­nö­ver vor al­lem in der Ost­see. Der Auf­bau von acht Na­to-Ar­beits­stä­ben mit je 50 Sol­da­ten in den öst­li­chen Mit­glieds­län­dern so­wie ei­ner schnel­len Ein­greif­trup­pe mit bis zu 40.000 Sol­da­ten bil­den die Ant­wort auf die Anne­xi­on der Krim durch Russ­land und die an­dau­ern­de Ukrai- ne-Kri­se. Auch die ter­ri­to­ria­le In­te­gri­tät war in der Gr­und­ak­te zwi­schen Na­to und Russ­land ver­ein­bart wor­den.

Die kraft­strot­zen­den War­nun­gen von Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin („Ich könn­te in zwei Wo­chen Kiew ein­neh­men“) pas­sen eben­falls nicht zur Gr­und­ak­te. Auch sie ha­ben die USA zu der Ent­schei­dung ge­bracht, mi­li­tä­ri­sches Ma­te­ri­al in grö­ße­rem Stil vor­sorg­lich in den öst­li­chen Ge­bie­ten der Na­to zu la­gern. Für er­heb­li­che Ner­vo­si­tät in Brüs­sel sorg­te zu­dem ei­ne Viel­zahl so­ge­nann­ter Über­ra­schungs­übun­gen, bei de­nen rus­si­sche Trup­pen oh­ne Vor­war­nun­gen des Wes­tens alar­miert wur­den und ein Vor­rü­cken in Rich­tung Na­toTer­ri­to­ri­um si­mu­lier­ten. „Wo­her wis­sen wir, dass sie im­mer recht­zei­tig zum Ste­hen kom­men, wenn sie ih­re Übun­gen gar nicht mehr an­mel­den?“, gab ein ho­her Na­to-Ge­ne­ral zu be­den­ken.

Im­mer wie­der be­rich­ten Be­fehls­ha­ber von Na­to-Schif­fen auch von Schein­an­grif­fen durch rus­si­sche Jets, zu­letzt erst wie­der Mit­te April in in­ter­na­tio­na­len Ost­see-Ge­wäs­sern. Die­se ag­gres­si­ven Ma­nö­ver sei­en ge­fähr­lich ge­we­sen.

FO­TO: DPA

Ab­zei­chen für ei­nen Ein­satz im Bal­ti­kum auf ei­ner Bun­des­wehr­ja­cke

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