Trond­heim steckt vol­ler Kon­tras­te: Im Schat­ten des Ni­daros­do­mes be­völ­kern Ein­hei­mi­sche die al­ten Fisch­docks.

Rheinische Post Goch - - KINDERSEITE - VON BERND F. MEI­ER

Tags­über ar­bei­tet Jo Es­ten Hafs­mo als Bio­lo­ge an der Uni­ver­si­tät NTNU, abends ent­wi­ckelt er mit sei­ner Frau An­ne Mor­ke­mo Gas­tro­no­mie-Ide­en. „Die meis­ten Be­su­cher se­hen nur den Ni­daros­dom und die al­ten La­ger­häu­ser am Fluss Ni­del­va. Da­bei ha­ben wir in Trond­heim viel mehr zu bie­ten“, sagt. Zu­sam­men mit Part­nern hat das Duo in der Prin­sens Ga­te ein ehe­ma­li­ges Kauf­haus zur Markt­hal­le mit Le­bens­mit­tel­stän­den, Re­stau­rants und ei­nem Ca­fé um­ge­wan­delt. Von 7 bis 19 Uhr ist die Mat­hall ge­öff­net. Und da­nach?

„Am Abend ist Sol­si­den un­se­re Par­ty­zo­ne. Un­ter den mehr als ei­nem Dut­zend Re­stau­rants fin­dest du al­les, von der Piz­ze­ria über die Su­shi-Bar bis zu Bur­ger­lä­den“, sagt Hafs­mo. Wo frü­her auf der Schiffs­werft hart ge­ar­bei­tet wur­de, ent­stan­den in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten schi­cke Woh­nun­gen am Was­ser, Re­stau­rants und das Ein­kaufs­zen­trum Sol­si­den, zu Deutsch „Son­nen­sei­te“. Wann im­mer die Son­ne vom Him­mel blin­zelt, be­völ­kern sich im Nu die Ter­ras­sen rund um die al­ten Schiffs­docks.

Im Schat­ten des 1161 ein­ge­weih­ten Ni­daros­do­mes ist Tri­ne Ne­u­mann-Lar­sen an­zu­tref­fen. Im Pi­le­grims­gård, dem Pil­ger­hof, be­treut sie Rei­sen­de, die zwi­schen Ju­ni und Sep­tem­ber auf dem Olavs-Pil­ger­weg un­ter­wegs sind. Ziel ist der Ni­daros­dom. Im größ­ten Got­tes­haus Skan­di­na­vi­ens be­fin­det sich der Über­lie­fe­rung nach das Gr­ab des nor­we­gi­schen Schutz­pa­trons Olav Ha­ralds­son.

Auf dem 1997 of­fi­zi­ell er­öff­ne­ten Olavs­weg sind von Jahr zu Jahr mehr Wan­de­rer un­ter­wegs. „Für ei­ni­ge ist das Pil­g­er­wan­dern nur ei­ne sport­li­che Her­aus­for­de­rung, für die al­ler­meis­ten je­doch ei­ne Rei­se zu sich selbst“, sagt Ne­u­man­nLar­sen. „Ei­ne Wan­de­rung et­wa am En­de ei­nes Le­bens­ab­schnitts, um sich in der Stil­le der Na­tur neu zu ori­en­tie­ren“. Nach den Nor­we­gern stel­len die Deut­schen mit rund ei­nem Drit­tel die zweit­größ­te Grup­pe. 643 Ki­lo­me­ter lang ist die Rou­te ab Os­lo, ver­kürz­te Stre­cken be­gin­nen in Ha­mar oder Lil­le­ham­mer.

Hin und wie­der nimmt Ne­u­mann-Lar­sen auch Gäs­te mit zum Schnup­per­pil­gern für Ein­stei­ger. Die mehr­stün­di­ge Wan­de­rung auf dem Olav-Pil­grims­le­den führt im Süd­wes­ten der Stadt über Kuh­wie­sen und durch Na­del­wäl­der zur End­sta­ti­on der Grå­k­all-Stra­ßen­bahn­li­nie. Vom hü­ge­li­gen Vo­r­ort Li­an ru­ckelt die Trond­hei­mer Tram rund neun Ki­lo­me­ter hin­un­ter ins Stadt­zen­trum.

„Auf un­se­re Stra­ßen­bahn sind wir sehr stolz: Sie ist schließ­lich die nörd­lichs­te der Welt“, sagt Ma­ria Kühnl. Die jun­ge Leip­zi­ge­rin ar­bei­tet in der Ha­fen­ver­wal­tung und nennt gleich ei­ne wei­te­re Be­son­der­heit: den ers­ten Fahr­rad­lift der Welt, der 1993 im his­to­ri­schen Stadt­teil Bak­klan­det ge­baut wur­de. Mit 7,4 Ki­lo­me­tern pro St­un­de hilft „Tram­pe“Rad­fah­rern 130 Me­ter weit die ex­trem stei­le Stra­ße Bru­bak­ken hin­auf in Rich­tung der Fe­s­tung Kris­ti­ans­ten.

Mit dem Fahr­rad las­sen sich Trond­heims Zentrum und die Ha­fen­ge­bie­te leicht er­kun­den. Für die Be­su­cher ste­hen an 15 Sta­tio­nen Mie­t­rä­der zur je­weils drei­stün­di­gen Nut­zung be­reit. „Hopp on und Hopp off“mit dem Zwei­rad zu Se­hens­wür­dig­kei­ten, vom Ni­daros­dom bis zum Mu­se­um Rock­heim. Hier wird mul­ti­me­di­al die Ge­schich­te nor­we­gi­scher Pop- und Rock­mu­sik von den 1950er Jah­ren bis heu­te er­zählt – von Wencke Myh­re über A-ha bis zu ak­tu­el­len Bands.

FO­TO: VISITNORWAY.COM

Trond­heims Ka­the­dra­le, der Ni­daros­dom, war einst Krö­nungs­ort der nor­we­gi­schen Kö­ni­ge.

FO­TO: TRØNDELAG REISELIV/S. SØDERHOLM

Die Ha­fen­stadt „Sol­si­den“am un­te­ren Fluß­ha­fen hat sich zum Sze­ne­treff ge­mau­sert.

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