Phy­sio­the­ra­peu­ten sor­gen für mehr Be­weg­lich­keit

Rheinische Post Goch - - KINDERSEITE - VON KRIS­TIN KRUTHAUP

Stän­dig frem­de Fü­ße, Knie oder Hüf­ten an­fas­sen – kei­ne Fra­ge: Wer zu an­de­ren ger­ne Ab­stand hält, ist im Be­ruf des Phy­sio­the­ra­peu­ten ver­kehrt.

Um 8 Uhr kommt der ers­te Pa­ti­ent mit Knie­pro­ble­men. „Tut et­was weh? Gab es Re­ak­tio­nen nach der letz­ten Be­hand­lung?“, ge­hö­ren zu den ers­ten Fra­gen von Phy­sio­the­ra­peut Ste­phan Hin­kel. Wird das ver­neint, be­ginnt er mit der Mo­bi­li­sa­ti­on. Er sorgt mit sei­nen Grif­fen da­für, dass zum Bei­spiel ein Ge­lenk be­weg­li­cher wird. Da­nach zeigt er dem Pa­ti­en­ten Übun­gen, die er zu Hau­se ma­chen kann. Um 8.25 Uhr kommt dann der Nächs­te – viel­leicht mit star­ken Rü­cken­schmer­zen. Bis zur Mit­tags­pau­se geht es so wei­ter.

Hin­kel ar­bei­tet seit 1989 als Phy­sio­the­ra­peut, seit vie­len Jah­ren mit ei­ge­ner Pra­xis in Ber­lin-Moabit. Phy­sio­the­ra­peu­ten oder Kran­ken­gym­nas­ten, wie sie frü­her hie­ßen, hel­fen Men­schen, de­nen be­stimm­te Be­we­gun­gen oder Be­we­gungs­ab­läu­fe schwer­fal­len, die­se zu er­ler­nen oder sie zu ver­bes­sern. Das kön­nen Kin­der und Ju­gend­li­che sein, die mit ei­nem Hohl­kreuz kämp­fen. Sie un­ter­stüt­zen Er­wach- se­ne, die an Kni­en oder Hüf­ten Ver­schleiß­er­schei­nun­gen und Schmer­zen ha­ben. Sie be­han­deln Se­nio­ren, die nach ei­nem Schlag­an­fall be­stimm­te Be­we­gun­gen neu ler­nen müs­sen.

Wer sich für den Be­ruf ent­schei­det, hat in Zu­kunft ei­ne An­stel­lung so gut wie si­cher, er­klärt Rai­ner Groß­mann vom Deut­schen Ver­band für Phy­sio­the­ra­pie. Der Bran­che fehlt es an Fach­kräf­ten. Gleich­zei­tig steigt auf­grund des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels der Be­darf. Im Ok­to­ber 2015 wa­ren in dem Be­reich 5150 of­fe­ne Stel­len aus­ge­schrie­ben, dem stan­den 3700 ar­beits­lo­se Phy­sio­the­ra­peu­ten ge­gen­über. Dass es der Bran­che an Fach­kräf­ten fehlt, lie­ge ne­ben dem ge­rin­gen Pres­ti­ge des Jobs vor al­lem an den ge­rin­gen Ver­dienst­mög­lich­kei­ten, glaubt Groß­mann: „Als Phy­sio­the­ra­peut ver­dient man in Ber­lin mit ei­ner vol­len Stel­le et­wa 1800 Eu­ro brut­to, in Bran­den­burg sind es so­gar nur 1600 Eu­ro.“Hin­zu kommt, dass man für die Aus­bil­dung im Schnitt zwi­schen 15.000 und 20.000 Eu­ro auf­wen­den muss – egal wel­chen der zwei Aus­bil­dungs­we­ge man wählt. Die ei­ne Mög­lich­keit ist, an ei­ner Be­rufs­fach­schu­le ei­ne drei­jäh­ri­ge Aus­bil­dung zu ma­chen. Sie schließt mit ei­nem Staats­ex­amen ab. Vor­aus­set­zung hier­für ist min­des­tens ein Re­al­schul­ab­schluss. Die an­de­re Op­ti­on ist, ein sechs oder sie­ben Se­mes­ter lan­ges Phy­sio­the­ra­pie-Stu­di­um an ei­ner pri­va­ten Hoch­schu­le zu ab­sol­vie­ren. Stu­den­ten er­wer­ben eben­falls das Staats­ex­amen – dar­über hin­aus aber auch ei­nen Ba­che­l­or­ab­schluss. Be­wer­ber brau­chen min­des­tens die Fach­hoch­schul­rei­fe.

Phy­sio­the­ra­peut Hin­kel ge­fällt sei­ne Ar­beit – trotz des ge­rin­gen Ein­kom­mens. Für ihn gibt es nichts Bes­se­res, als täg­lich mit Men­schen in Kon­takt zu kom­men. „Man kommt den Pa­ti­en­ten al­ler­dings auch sehr nah. Je­den Tag frem­de Fü­ße an­zu­fas­sen, das ist nicht je­der­manns Sa­che. Wem da­vor graut, der ist in dem Be­ruf falsch.“

FO­TO: DPA/WAR­NE­CKE

Mo­bi­li­sa­ti­on von Jun­gen und Äl­te­ren: Phy­sio­the­ra­peut Ste­phan Hin­kel hat mit Pa­ti­en­ten in je­dem Al­ter zu tun.

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