Stey­ler führt Tou­ris­ten durchs To­ten­reich

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Uwe Heis­ter­hoff ist Stey­ler Mis­sio­nar und zeigt Tou­ris­ten die Grä­ber der ers­ten Chris­ten in Rom.

GOCH/GRAFENWALD/ROM (pbm/cb) Chi­na, die Phil­ip­pi­nen, Ja­pan – in zahl­rei­chen Län­dern rund um den Erd­ball sind Stey­ler Mis­sio­na­re ak­tiv, um das Wort Got­tes zu ver­kün­den. Den Grund­stein da­für leg­te vor vor mehr als 100 Jah­ren der ge­bür­ti­ge Go­cher Ar­nold Janssen. „Goch ken­ne ich, vor al­len Din­gen aber Steyl“, sagt Uwe Heis­ter­hoff. Dass er mal Tou­ris­ten durch die Grä­ber der ers­ten Chris­ten in Rom füh­ren wür­de, das hät­te er da­mals nicht ge­dacht. Und auch Ar­nold Janssen wird kaum ge­ahnt ha­ben, dass Brü­der sei­nes Or­dens einst über die letz­ten Ru­he­stät­ten der Mär­ty­rer wa­chen wür­den. Heis­ter­hoff blickt an die Wand sei­nes hel­len Bü­ros, di­rekt ne­ben dem Ein­gang zur Un­ter­welt. Von ei­nem Bild lä­chelt Ar­nold Janssen sei­nem Mis­sio­nar zu, den es vom Niederrhein über Bo­li­vi­en nun in die Ewi­ge Stadt ver­schla­gen hat.

Sei­ne Her­kunft kann Bru­der Uwe Heis­ter­hoff nicht ver­ber­gen. Der Stey­ler Mis­sio­nar ist Grafenwald bei Bot­trop auf­ge­wach­sen, mit­ten im Ruhr­ge­biet, an der Gren­ze zwi­schen dem Bis­tum Müns­ter und dem Ruhr­bis­tum. Ob­wohl er seit vie­len Jah­ren nicht mehr dort lebt, ha­ben sich sein „dat“und „wat“eben­so er­hal­ten wie die herz­lich-raue Of­fen­heit des Ruhr­pott­lers. „Ich komm‘ ausse Ar­beits­welt“, sagt er la­chend – Heis­ter­hoff ist ge­lern­ter Ma­schi­nen­schlos­ser und Schwei­ßer. Erst mit 25 Jah­ren hat er sich da­zu ent­schlos­sen, Mis­sio­nar zu wer­den. „Mein Traum war es, nach Chi­na zu ge­hen“, sagt er.

Mitt­ler­wei­le ist er 55 Jah­re alt, sitzt in ei­nem Bü­ro an der Stadt­gren­ze von Rom, schlürft ei­nen Kaf­fee aus ei­nem Plas­tik­be­cher, be­vor er sich trotz som­mer­li­cher Tem­pe­ra­tu­ren ei­ne di­cke Ja­cke an­zieht. Es geht in die Un­ter­welt der Stadt. Dort­hin, wo die ers­ten Chris­ten vor 1900 Jah­ren ih­re To­ten be­stat­te­ten. Wo Be­su­chern heu­te beim ers­ten Be­tre­ten ein Schau­er über den Rü­cken läuft. Es geht hin­ab in die Ka­ta­kom­ben der Do­mi­til­la.

Heis­ter­hoff kennt sich in den ver­win­kel­ten, dunk­len Gän­gen aus, geht mit si­che­rem Schritt vor­an. Seit sechs Jah­ren ist er der Di­rek­tor des un­ter­ir­di­schen Grä­ber­fel­des aus der An­ti­ke. „Kopf ein­zie­hen!“, ruft er den Be­su­chern zu. Dann beugt er sich selbst vor, um nicht an­zu­sto-

Uwe Heis­ter­hoff ßen. „Mein Wunsch war es im­mer, in die Mis­si­on zu ge­hen“, sagt er, nach­dem er die en­ge Stel­le pas­siert hat und muss grin­sen. Er deu­tet auf die dunk­len Gän­ge mit den Grä­ber­ni­schen, durch die ge­ra­de ei­ne bunt ge­klei­de­te Tou­ris­ten­grup­pe ge­führt wird. „Auf den ers­ten Blick hat das hier nicht viel mit Mis­si­on zu tun, oder?“

Im Zi­vil­dienst merk­te der Ma­schi­nen­schlos­ser, dass er ei­ne Ga­be da­für hat, mit Men­schen zu ar­bei­ten. Auf ei­ner Kran­ken­sta­ti­on be­glei­te­te er Ster­ben­de auf ih­rem letz­ten Weg. Drei Jah­re als Kran­ken­pfle­ger schlos­sen sich an. Da­mals ent­deck­te er sein In­ter­es­se für das Klos­ter­le- ben, be­such­te Or­dens­ge­mein­schaf­ten, die Vor­trä­ge oder Ein­kehr­wo­chen an­bo­ten. Im nie­der­län­di­schen Steyl fiel schließ­lich die Ent­schei­dung, dem Or­den der Ge­sell­schaft des Gött­li­chen Wor­tes bei­zu­tre­ten – so hei­ßen die Stey­ler of­fi­zi­ell.

Es folg­ten Jah­re des Ler­nens, der Selbst­fin­dung. „Das war manch­mal ganz schön hart“, er­in­nert sich Heis­ter­hoff. Es ist ein Mo­ment, in dem er nach­denk­lich wird, kurz in­ne­hält. „Gott sei Dank bin ich dann nach Bo­li­vi­en ge­kom­men“, er­zählt er schließ­lich wei­ter. Im Hoch­land von El Al­to bei La Paz lern­te er ei­ne an­de­re Welt ken­nen. „Das Le­ben in Bo­li­vi­en ist nicht ganz ein­fach, aber ich ha­be im­mer al­les ge­schafft“, blickt er zu­rück. 15 Jah­re lang wirk­te er dort als Mis­sio­nar, half in der Kran­ken­pfle­ge und lud die Men­schen zur Bi­bel­ar­beit ein. Dann kam vom da­ma­li­gen „Ge­ne­ral“– ge­meint ist der Ge­ne­ral­su­pe­ri­or, al­so der Mann an der Spit­ze der Stey­ler Mis­sio­na­re – die Bit­te, als Di­rek­tor der Ka­ta­kom­ben nach Rom zu ge­hen. „Vor­her leb­te ich mehr als 4000 Me­ter hoch, jetzt bin ich im Un­ter­grund“, sagt er und muss wie­der laut la­chen.

Dass die Ka­ta­kom­ben et­was mit Mis­si­on zu tun ha­ben kön­nen, mit die­sem Ge­dan­ken muss­te sich Heis­ter­hoff erst an­freun­den. So wie sein Or­den: Die Stey­ler Mis­sio­na­re, de­ren Grün­der Ar­nold Janssen aus Goch am Niederrhein stamm­te, küm­mern sich um die heu­ti­ge Ge­denk­stät­te und Tou­ris­ten­at­trak­ti­on erst seit dem Jah­re 2009.

Durch die be­ein­dru­cken­de un­ter­ir­di­sche Ba­si­li­ka – al­lein in ihr könn­te der Ka­ta­kom­ben-Di­rek­tor stun­den­lan­ge Füh­run­gen an­bie­ten – geht es wie­der zu­rück ans Licht, an die Ober­flä­che, in die Welt der Le­ben­den. Im Bü­ro ist Heis­ter­hoff we­ni­ger der be­geis­ter­te Füh­rer, da­für um­so mehr der Di­rek­tor, der wäh­rend des Ge­sprächs noch schnell ein paar ad­mi­nis­tra­ti­ve Din­ge klärt. Er rührt den mitt­ler­wei­le er­kal­te­ten Kaf­fee in dem Plas­tik­be­cher um, den er schon die gan­ze Zeit fest­hält, dann leert er ihn mit ei­nem lan­gen Schluck und zuckt mit den Schul­tern: „Ita­lie­nisch muss­te ich auf die Schnel­le ler­nen, rich­tig gut kann ich es nicht. Aber zur Ver­stän­di­gung reicht es.“

Dass der Über­gang vor sechs Jah­ren funk­tio­nier­te, das ha­be er sei­nem Team zu ver­dan­ken. „Man­fred Wen­del ist seit mehr als 20 Jah­ren da­bei. Oh­ne ihn hät­te ich das gar nicht ge­packt“, gibt Heis­ter­hoff un­um­wun­den zu. Und auch die Hil­fe sei­nes Mit­bru­ders Rein­hard Nie­sel, in­zwi­schen 77 Jah­re alt, nimmt er noch ger­ne an. Doch nach sechs Jah­ren in Rom zieht es ihn wie­der in die Welt hin­aus. Ak­tu­ell wird im Or­den ein Nach­fol­ger für die Lei­tung der Do­mi­til­la-Ka­ta­kom­be ge­sucht. Wo­hin Heis­ter­hoff dann ge­schickt wird? Er weiß es nicht. Nur, dass er sich der neu­en Auf­ga­be stel­len wird.

„Auf den ers­ten Blick hat das hier nicht viel mit Mis­si­on zu tun,

oder?“

Stey­ler Mis­sio­nar

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Un­ter den Stra­ßen von Rom lie­gen die Do­mi­til­la-Ka­ta­kom­ben. Di­rek­tor Uwe Heis­ter­hoff ist Stey­ler Mis­sio­nar, er lei­tet die Ka­ta­kom­ben seit sechs Jah­ren.

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