Tin­ker wol­len am Nie­der­rhein hei­ra­ten

Rheinische Post Goch - - GOCH / UEDEM - VON SE­BAS­TI­AN LATZEL kleve@rheinische-post.de 02821-59821 RP Kleve rp-on­line.de/whatsapp 02821-59828

Die iri­schen Land­ar­bei­ter sind wie­der da. Mon­tag sol­len sie den Platz an der Hüls ver­las­sen ha­ben, for­dert die Stadt.

KEVE­LA­ER In der Re­gi­on ge­hört es fast schon zum Au­gust da­zu: Dann rei­sen re­gel­mä­ßig die so ge­nann­ten Tin­ker an. Wie un­ver­hofft die Iren mit ih­ren Wohn­an­hän­gern in ei­ner Stadt auf­tau­chen, hat die Ver­wal­tung in Keve­la­er jetzt er­lebt. Das Ord­nungs­amt hat­te ex­tra noch bei der Po­li­zei nach­ge­fragt, ob es An­zei­chen für Tin­ker ge­be. Die Po­li­zei hat­te kei­ner­lei Er­kennt­nis­se – und doch wa­ren ei­nen Tag spä­ter plötz­lich die Iren da. Frei­tag­nach­mit­tag tauch­ten sie mit ih­ren Wa­gen auf und stell­ten sich auf den Park­platz an der Hüls. Dort cam­pie­ren sie seit­dem. Mit fast 50 Ge­span­nen ist die Grup­pe un­ge­wöhn­lich groß. Ei­gent­lich darf ein Wohn­wa­gen nur 24 St­un­den auf ei­nem öf­fent­li­chen Park­platz ste­hen. Die Stadt ist be­müht, das Pro­blem im Ein­ver­neh­men zu lö­sen.

Ges­tern wa­ren Bür­ger­meis­ter Do­mi­nik Pich­ler und Heinz-Jo­sef Theu­nis­sen vom Ord­nungs­amt zum Ge­spräch bei den Tin­kern. „Sie wa­ren sehr höf­lich und zu­gäng­lich, wir ha­ben ih­nen aber deut­lich ge­macht, dass sie bis Mon­tag den Platz ver­las­sen ha­ben müs­sen“, be­rich­tet der Bür­ger­meis­ter. Die nächs­ten Ta­ge wol­le die Stadt ab­war­ten, weil die Tin­ker gleich drei Hoch­zei­ten in Keve­la­er an­ge­mel­det ha­ben. An drei auf­ein­an­der fol­gen­den Ta­gen wer- den sich iri­sche Paa­re in St. Ma­ri­en das Ja-Wort ge­ben. Ka­plan Chris­toph Schwer­hoff wird die Trau­un­gen vor­neh­men. Die Tin­ker sei­en

Do­mi­nik Pich­ler als Iren sehr ka­tho­lisch ge­prägt, Keve­la­er sei für sie ein spi­ri­tu­el­ler Ort. Da­her hät­ten die künf­ti­gen Ehe­leu­te auch den Wunsch, hier zu hei­ra­ten. Ein Paar ha­be sich zu­dem in Keve­la­er ken­nen ge­lernt. „Ich ha­be mehr­fach mit den Iren te­le­fo­niert, sie wa­ren sehr höf­lich und freund­lich“, sagt der Ka­plan, für den es die ers­ten Trau­un­gen von Tin­kern sind. Den Got­tes­dienst wird er auf Eng­lisch hal­ten. Tin­ker kom­men tra­di­tio­nell um den 15. Au­gust (Ma­riä Him­mel­fahrt) in die Re­gi­on. Die Fahrt nach Keve­la­er ist für vie­le auch ei­ne Art Wall­fahrt.

Sie sind iri­sche Land­ar­bei­ter, die dann auch Dach­de­cker- und Teer­ar­bei­ten an­bie­ten. Viel­fach gibt es Pro­ble­me, weil nachts lau­te Mu­sik ge­hört wird oder jun­ge Tin­ker mit quiet­schen­den Rei­fen durch die Stra­ßen fah­ren. „Si­cher ist das al­les nicht schön, aber wir ha­ben hier so rich­tig kei­ne Hand­ha­be“, sagt der Bür­ger­meis­ter. Wenn man sie weg­schi­cke, such­ten sich die Rei­sen­den ein an­de­res Ge­län­de. Das Pro­blem wer­de so nur ver­la­gert. Man wol­le ei­ne Lö­sung su­chen, wo die Tin­ker bis Ma­riä Him­mel­fahrt in Keve­la­er blei­ben kön­nen. Klar sei aber, dass die Stadt den Park­platz ab Mon­tag brau­che, weil in der kom­men­den Wo­che die Ta­mi­len­wall­fahrt an­steht. „Wenn kei­ne Al­ter­na­ti­ve ge­fun­den wird, müs­sen die Tin­ker am Mon­tag ge­hen und dann eben in ei­ner Wo­che zu Ma­riä Him­mel­fahrt wie­der­kom­men“, sagt Pich­ler.

Po­li­zei­spre­cher Michael Er­mers er­läu­tert, dass man die Tin­ker im Au­ge ha­be. Die Po­li­zei fah­re re­gel­mä­ßig Strei­fe.

„Wenn kei­ne Al­ter­na­ti­ve

ge­fun­den wird, müs­sen die Tin­ker am

Mon­tag ge­hen“

Bür­ger­meis­ter

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RP-FO­TO: GOTTFRIED EVERS

Wä­sche auf der Lei­ne, Sa­tel­li­ten­schüs­sel aus­ge­rich­tet – die Tin­ker an der Hüls ha­ben sich of­fen­bar auf ei­nen län­ge­ren Auf­ent­halt ein­ge­rich­tet.

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