Vor­rats­kam­mern des Glau­bens

Rheinische Post Goch - - GOTT UND DIE WELT - PROPST JO­HAN­NES MECKING, KREISDECHANT IN KLEVE

An die­sem Sonn­tag fei­ert die ka­tho­li­sche Kir­che das Fest der Ver­klä­rung des Herrn. Die Evan­ge­lis­ten Mat­thä­us, Mar­kus und Lukas be­rich­ten da­von: Je­sus geht mit sei­nen Jün­gern auf ei­nen Berg (als Berg Ta­bor im Hei­li­gen Land ge­deu­tet), wo er in ein strah­len­des Licht ge­hüllt wird und die Stim­me Got­tes er­klingt.

Was war das Be­son­de­re an die­sem Ge­sche­hen?

Bis­lang hat­te Je­sus im­mer an an­de­ren Men­schen ge­han­delt, sie ge­heilt von Krank­hei­ten, sie be­freit von bö­sen Dä­mo­nen. Aus­sät­zi­ge konn­ten wie­der zu­rück­keh­ren in das Le­ben der Ge­sell­schaft.

Selbst­ver­ständ­lich hat­te sich da schon die Fra­ge ge­stellt: Wer ist die­ser Je­sus, dass er sol­che Wun­der voll­brin­gen kann?

Die Ver­klä­rung auf dem Berg be­trifft nun Je­sus selbst. An ihm ge­schieht et­was: Aus ihm strahlt der Glanz gött­li­cher Kraft. Hier wird sein gött­li­cher Ur­sprung deut­lich. Und um al­le Zwei­fel zu neh­men, er­klingt aus dem Him­mel die Stim­me Got­tes: „Das ist mein aus­er­wähl­ter Sohn; auf ihn sollt ihr hö­ren.“

Was den Jün­gern auf dem Berg ge­schieht, soll sie stär­ken für das, was Je­sus be­vor­steht in sei­nem Lei­den und sei­nem Tod. Denn ihr Glau­be wird in die­sen Au­gen­bli­cken hart auf die Pro­be ge­stellt!

Ob sie da an die­se Be­geg­nung auf dem Ber­ge ge­dacht ha­ben? Si­cher nicht im Au­gen­blick un­ter dem Kreuz, im Au­gen­blick des Leids und der Ent­täu­schung. Aber ver­mut­lich ist es ih­nen bei der Be­geg­nung mit dem Au­fer­stan­de­nen wie­der be­wusst und in le­ben­di­ge Er­in­ne­rung ge­ru­fen ge­wor­den.

Die Ver­klä­rung Je­su will auch uns ei­ne Ant­wort ge­ben auf die Fra­ge, der kein Mensch aus­wei­chen kann: Gibt es über un­ser ir­di­sches Le­ben, über die­se Welt hin­aus noch et­was an­de­res? Gibt es die Welt Got­tes, die kei­ne Gren­zen kennt, ein­fach „herr­lich“ist?

Was ist mit mei­ner Zu­kunft? En­det al­les im Tod und ist dann al­les aus?

Oder ist der Tod gleich­sam ei­ne Schwel­le, die wir über­schrei­ten in ein an­de­res Le­ben hin­ein, in das Le­ben Got­tes? Das Fest der Ver­klä­rung des Herrn will Ant­wort auf al­le die­se Fra­gen ge­ben. Die Ver­klä­rung des Herrn ist die Ver­hei­ßung ewi­gen Le­bens in der strah­len­den Welt Got­tes für al­le, die die Ge­rech­tig­keit su­chen und le­ben.

So wün­sche ich al­len ei­nen fro­hen und ge­seg­ne­ten Sonn­tag in der Ge­wiss­heit, dass wir im Glau­ben ei­ne Zu­ver­sicht ha­ben und aus dem Glau­ben Vor­rats­kam­mern an­le­gen dür­fen, die uns Kraft und Trost ge­ben in den Tal­soh­len des all­täg­li­chen Le­bens.

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