Die Gra­bungs­spra­che im APX ist Deutsch

Rheinische Post Goch - - KREIS KLEVE - REGIONAL - VON HEIDRUN JAS­PER

15 Stu­den­ten aus sie­ben Na­tio­nen neh­men im Archäo­lo­gi­schen Park Xan­ten an der 29. Som­mer­aka­de­mie teil und set­zen mit der Mau­rer­kel­le in die Pra­xis um, was sie theo­re­tisch ge­lernt ha­ben. Als „Lohn“gibt es 50 Eu­ro in der Wo­che.

NIE­DER­RHEIN Wer der­zeit den Archäo­lo­gi­schen Park be­sucht, dem dürf­ten in ei­ner Gra­bungs­stel­le di­rekt ne­ben den re­kon­stru­ier­ten Lehm­häu­sern 15 jun­ge Leu­te kaum ent­ge­hen, die dort seit Mit­te Ju­li mit Mau­rer­kel­len in müh­se­li­ger Klein­ar­beit Erd­schich­ten aus dem Weg räu­men und Stein um Stein frei­le­gen. Sie stu­die­ren al­le an eu­ro­päi­schen Uni­ver­si­tä­ten und ge­hö­ren zur In­ter­na­tio­na­len Archäo­lo­gi­schen Som­mer­aka­de­mie, die zum 29. Mal im APX statt­fin­det.

Fe­lix Eder

Gra­bungs­lei­ter ist Dr. Michael Drechs­ler, der für ein hal­bes Jahr vom Land­schafts­ver­band Rhein­land (LVR) nach Xan­ten ge­holt wur­de. Er hat „Pro­vin­zi­al­rö­mi­sche Archäo­lo­gie“in Köln stu­diert, schreibt zur Zeit sei­ne Pro­mo­ti­on über die „Be­fes­ti­gung der Stadt­mau­er von Tri­er“und be­treut die Stu­den­ten aus sie­ben Na­tio­nen – Deutsch­land, Ös­ter­reich, Ita­li­en, Ru­mä­ni­en, Kroa­ti­en, Sy­ri­en und der Schweiz. Die Gra­bungs­spra­che ist Deutsch.

Zwei von ih­nen sind Fe­lix Eder und Mi­ri­am Gil­de­haus. Der 22-Jäh­ri­ge stu­diert im sechs­ten Se­mes­ter klas­si­sche Archäo­lo­gie in Wi­en, die 25-jäh­ri­ge Müns­te­ra­ne­rin stu­diert ar­chäo­lo­gi­sche Wis­sen­schaf­ten an der Uni Er­lan­gen. „Hier wird uns ein brei­tes An­ge­bot der Wel­t­ar­chäo­lo­gie ge­zeigt“, be­grün­det Fe­lix Eder, war­um er sich um ei­nen der be­gehr­ten Plät­ze in der Som­mer­aka­de­mie be­wor­ben hat. Au­ßer­dem be­kom­me man Ein­blick un­ter an­de­rem auch in Archäo­bo­ta­nik, wo­zu zum Bei­spiel Pflan­zen­res­te in Form von Koh­le­stück­chen zäh­len, die bei Aus­gra­bun­gen zu­ta­ge kom­men. Der Stu­dent aus Wi­en möch­te ein­mal ge­nau das ma­chen, was der Gra­bungs­lei­ter macht: Pro­vin­zi­al­rö­mi­sche Archäo­lo­gie.

Der Weg von Mi­ri­am Gil­de­haus, die bald ih­ren Ba­che­lor macht und den Mas­ter dran­hängt, geht eher in Rich­tung klas­si­sche Archäo­lo­gie. Über ei­nen Aus­hang an der Uni ist die 25-Jäh­ri­ge an die Som­mer­aka­de­mie im APX ge­kom­men, die in den 29 Jah­ren schon 870 jun­ge Stu­die­ren­de aus vie­len Na­tio­nen aus­ge­bil­det hat. „Ei­ni­ge von ih­nen leh­ren mitt­ler­wei­le an Uni­ver­si­tä­ten oder archäo­lo­gi­schen In­sti­tu­ten“, weiß Se­bas­ti­an Held, wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter beim LVR.

30 Stu­den­ten kom­men je­des Jahr nach Xan­ten. Sie wer­den in zwei Grup­pen ge­teilt, ar­bei­ten je­weils vier Wo­chen in ei­ner Gra­bungs­stät­te, die die Über­res­te rö­mi­scher Wohn­häu­ser birgt. Die jun­gen Frau­en und Män­ner le­ben in karg ein­ge- rich­te­ten Zim­mern der rö­mi­schen Her­ber­ge im APX.

„Das ist schon rich­tig lu­xu­ri­ös hier“, sagt Mi­ri­am Gil­de­haus und lacht. „Wir sind top aus­ge­rüs­tet und ha­ben so­gar ei­ne Wasch­ma­schi­ne und ei­ne Kü­che.“Und Fahr­rä­der, mit de­nen sie in klei­nen Grup­pen in der Frei­zeit mal in die Stadt oder Um­ge­bung ra­deln.

Der Tag ist durch­ge­tak­tet: 6 Uhr auf­ste­hen, 7 Uhr Gra­bungs­be­ginn, 10 Uhr kur­ze Pau­se, da­nach klei­ne Ex­kur­sio­nen oder Vor­trä­ge, 13 Uhr Mit­tags­pau­se. Da­nach wird bis 16 Uhr wei­ter­ge­gra­ben. Nur sonn­tags ha­ben die jun­gen Stu­den­ten Pau­se. Kost und Lo­gis sind frei. Es gibt auch ein klei­nes Ta­schen­geld: 50 Eu­ro in der Wo­che. Fi­nan­ziert wird die In­ter­na­tio­na­le Ar­chäo­lo­gi­sche Som­mer­aka­de­mie von der re­gio­na­len Kul­tur­för­de­rung des Land­schafts­ver­ban­des Rhein­land.

Was den be­son­de­ren Reiz aus­macht? „Dass wir das in der Theo­rie Ge­lern­te prak­tisch an­wen­den kön­nen“, sagt Fe­lix Eder. Da­zu ge­hört nicht nur das kör­per­lich bis­wei­len durch­aus auch an­stren­gen­de Gr­a­ben in der Er­de und fi­li­gra­ne Frei­le­gen von Mau­er­res­ten, son­dern auch das Fo­to­gra­fie­ren und An­fer­ti­gen wis­sen­schaft­li­cher Zeich­nun­gen bis hin zum Be­schrei­ben im Gra­bungs­ta­ge­buch. Ex­kur­sio­nen zu archäo­lo­gi­schen High­lights in der Um­ge­bung run­den die Som­mer­aka­de­mie ab, an de­ren En­de es von Dr. Michael Drechs­ler ein aus­führ­li­ches Ar­beits­zeug­nis gibt.

Am Sams­tag, 12. Au­gust, rei­sen die 15 Stu­den­ten wie­der ab und über­las­sen das Gra­bungs­feld der zwei­ten Stu­die­ren­den-Grup­pe, die Mit­te Au­gust nach Xan­ten kommt. Wenn die dann ab­ge­reist ist, wird die Gra­bungs­stel­le win­ter­fest ge­macht – und im nächs­ten Jahr für die dann 30. In­ter­na­tio­na­le Ar­chäo­lo­gi­sche Som­mer­aka­de­mie wie­der ge­öff­net.

„Hier wird uns ein brei­tes An­ge­bot der Wel­t­ar­chäo­lo­gie ge­zeigt“

Stu­dent aus Wi­en

RP-FO­TO: CHRISTOF REICHWEIN

Mi­ri­am Gil­de­haus (links) aus Müns­ter und Fe­lix Eder aus Wi­en ha­ben – wie be­reits 870 jun­ge Leu­te vor ih­nen – je ei­nen der be­gehr­ten Plät­ze in der Som­mer­aka­de­mie in Xan­ten er­gat­tert und gr­a­ben sich nun ge­mein­sam vor­an.

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