Grü­nen-Po­li­ti­ker lobt Schwei­ne­mast

Rheinische Post Goch - - PANORAMA - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFE­GER

Der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen in Rheurdt hat ein zwei­tä­gi­ges Prak­ti­kum in ei­nem kon­ven­tio­nel­len Schwei­ne­stall ge­macht. Er fällt ein po­si­ti­ves Ur­teil über die Hal­tung der Tie­re. Nicht vie­le Grü­ne ver­tre­ten die­se Mei­nung.

GEL­DERN Frank Hoff­mann ist je­mand, der sich ger­ne erst selbst ein Bild macht, be­vor er ein Ur­teil fällt. Das trifft auf den Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der Grü­nen im nie­der­rhei­ni­schen Rheurdt auch in der ak­tu­el­len Dis­kus­si­on um die kon­ven­tio­nel­le Schwei­ne­hal­tung zu, die nach der Ver­öf­fent­li­chung von heim­lich auf­ge­nom­me­nen Bil­dern von ver-

Wil­helm Hell­manns, letz­ten Tie­ren im Fa­mi­li­en­be­trieb von NRW-Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Chris­ti­na Schul­ze Fö­cking (CDU) ent­facht wor­den ist. „Des­halb ha­be ich ei­nen Schwei­ne­bau­ern be­sucht und dort ge­ar­bei­tet“, sagt der Grü­nen-Po­li­ti­ker.

Zwei Ta­ge lang pack­te Hoff­mann auf dem Hof von Wil­helm Hell­manns, dem Vor­sit­zen­den der Kreis­bau­ern­schaft Gel­dern, an und ver­schaff­te sich so ein Bild von den Be­din­gun­gen der Schwei­ne­hal­tung. Sein Tag auf dem Hof be­gann um sie­ben Uhr mit Aus­zie­hen. Be­vor er zu den Schwei­nen in den Stall durf­te, muss­te er sich bis auf die Un­ter­ho­se ent­klei­den und dann du­schen. An­schlie­ßend gab es fri­sche Un­ter­wä­sche, ei­nen Over­all und Gum­mi­stie­fel. „Es dür­fen kei­ne frem­den Kei­me von drau­ßen in den Stall ge­lan­gen“, er­klär­te Hof­chef Hell­manns die stren­gen Hy­gie­ne­vor­schrif­ten, die von der der Eu­ro­päi­schen Uni­on ver­ord­net sind.

Zu­nächst schau­te der Grü­nen­Po­li­ti­ker sich al­le Schwei­ne im Stall an, um sich ei­nen Über­blick zu ver­schaf­fen. Er blick­te dem Tier­arzt bei ei­ner Un­ter­su­chung über die Schul­ter und war bei der Ge­burt von Fer­keln da­bei. Ei­nes durf­te er an­schlie­ßend auf den Arm neh­men. Ein tol­les Er­leb­nis sei das ge­we­sen. „Zu se­hen, wie ein Fer­kel zur Welt kommt und schon ei­ne St­un­de spä­ter an den Zit­zen der Sau hängt, ist be­ein­dru­ckend.“Hoff­mann muss­te aber auch rich­tig mit­an­pa­cken und Mist schau­feln, was rich­tig an­stren­gend ge­we­sen sei.

Sein Ur­teil nach sei­nem zwei­tä­gi­gen Prak­ti­kum fällt po­si­tiv für die kon­ven­tio­nel­le Schwei­ne­mast aus. Den Vor­wurf der Tier­quä­le­rei, den man­che Tier­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen er­he­ben, kann er nach sei­nem Prak­ti­kum nicht be­stä­ti­gen. „Ich ha­be kein Tier ge­se­hen, dem es schlecht ging oder das ver­letzt war. Nur ein Schwein wur­de von den an­de­ren ge­mobbt und muss­te des­halb se­pa­riert wer­den.“Er sei be­ein­druckt ge­we­sen, wie für­sorg­lich mit den Tie­ren um­ge­gan­gen wer­de. „Die wer­den sehr in­ten­siv be­treut.“Na­tür­lich, sagt er, ge­be es Al­ter­na­ti­ven für ei­ne noch tier­freund­li­che­re Hal­tung. Aber im Rah­men der Mög­lich­kei­ten der Schwei­ne­bau­ern sei das, was er auf dem Hell­manns-Hof ge­se­hen ha­be, schon sehr tier­ge­recht

„Je­der, der kom­men möch­te, ist willkommen. Wir ha­ben nichts

zu ver­ber­gen“

und gut. „Man kann ja nicht hin­ge­hen zu ei­nem Schwei­ne­bau­ern und ihm sa­gen: Be­wirt­schaf­te dei­nen Hof jetzt mal nur noch mit der Hälf­te an Tie­ren, da­mit die­se dann mehr Platz ha­ben. Die Fol­ge da­von wä­re, dass der Land­wirt sei­nen Hof schlie­ßen müss­te, weil er da­von nicht mehr le­ben könn­te“, be­tont Hoff­mann. Er ap­pel­liert statt­des­sen an die Ver­brau­cher: „Es muss ein ge­sell­schaft­li­cher Wan­del her. Wir müs­sen da­hin kom­men, dass uns ein Stück Fleisch wie­der et­was wert ist. Nicht nur im­mer bil­lig, bil­lig, bil­lig.“Auch für die Fa­mi­lie von Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Chris­ti­na Schul­ze Fö­cking bringt Hoff­mann jetzt mehr Ver­ständ­nis auf.

Hof­be­sit­zer Hell­manns wünscht sich, dass mehr Men­schen – nicht nur Po­li­ti­ker – zu ihm und den an­de­ren Schwei­ne­bau­ern kom­men, um sich selbst ein Bild von der Tier­hal­tung zu ma­chen. „Je­der, der kom­men möch­te, ist willkommen. Wir ha­ben nichts zu ver­ber­gen.“

FO­TO: PRI­VAT

Schwei­ne­bau­er Wil­helm Hell­manns (l.) mit sei­nem Prak­ti­kan­ten Frank Hoff­mann (Grü­ne) nach ei­ner er­folg­rei­chen Fer­kel­ge­burt.

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