Air­port-Shut­tle soll wei­ter­hin fah­ren

Rheinische Post Goch - - GOCH / UEDEM - VON SE­BAS­TI­AN LATZEL

Der Rat hat be­schlos­sen, den An­trag zu stel­len, die Kon­zes­si­on für die Li­nie 73 von Keve­la­er zum Flug­ha­fen zu ver­län­gern. Zu der Stre­cke gibt es im­mer wie­der auch kri­ti­sche Stim­men, weil sie Ver­lus­te für die Stadt­wer­ke ein­fährt.

KEVE­LA­ER Der Li­nie 73 ist ei­ne prak­ti­sche Sa­che. Sie führt vom Bahn­hof Keve­la­er über Twis­te­den und Wemb di­rekt zum Flug­ha­fen. Da­her ist der Bus auch un­ter dem Na­men „Air­port-Shut­tle“un­ter­wegs. Zum 31. Ja­nu­ar läuft die Kon­zes­si­on für die Stre­cke aus, wo­mit sich für die Po­li­ti­ker die Fra­ge stell­te, ob das An­ge­bot ver­län­gert wer­den soll. Mit gro­ßer Mehr­heit ent­schie­den sich die Rats­mit­glie­der da­für, ei­nen ent­spre­chen­den An­trag an die Be­zirks­re­gie­rung zu stel­len. Die­se ent­schei­det über ei­ne Ver­län­ge­rung der Kon­zes­si­on.

Doch es gibt auch Stim­men, die den Shut­tle kri­tisch se­hen. Denn die Li­nie ar­bei­tet nicht kos­ten­de­ckend. 38.000 Eu­ro Ver­lust hat die Stre­cke zu­letzt ein­ge­fah­ren. Da die Li­nie über die Stadt­wer­ke be­trie­ben wird, wird der Ver­lust auch dort er­fasst. Da­durch wür­de der Was­ser­preis stei­gen und die Kun­den so­mit für den Bus-Ser­vice be­zah­len, ist ein Vor­wurf, den Bür­ger­meis­ter Dominik Pich­ler zu­rück­weist. Der Ver­lust wer­de über den all­ge­mei­nen Ver­mö­gens­haus­halt der Stadt­wer­ke aus­ge­gli­chen. Er tau­che dort in der Ver­sor­gungs­par­te auf und wer­de dort steu­er­lich ver­rech­net. Der Ver­lust­be­trag kön­ne steu­er­lich ab­ge­setzt wer­den. „Die Li­nie hat kei­ner­lei Ein­fluss auf den Was­ser­preis“, sagt der Bür­ger­meis­ter. Er ar­gu­men­tiert, dass die Li­nie für die Stadt teu­rer wür­de, wenn man ein an­de­res Mo­dell su­chen wür­de.

Zu­dem be­för­de­re die Li­nie 73 auch Schü­ler aus Twis­te­den und Wemb nach Keve­la­er. Soll­te es den Air­port-Shut­tle nicht mehr ge­ben, müss­te hier ei­ne Al­ter­na­ti­ve ge­fun­den wer­den. „Wenn wir das nicht selbst ma­chen dann wir es teu­rer“, sagt der Bür­ger­meis­ter. Wür­de ein pri­va­ter An­bie­ter die Stre­cke über­neh­men sei das für die Stadt näm­lich auch nicht kos­ten­los. Sie sei dann über die dif­fe­ren­zier­te Kreis­um­la­ge mit im Boot.

So läuft das auch bei den Li­ni­en 37 und 53, wie Stadt­wer­ke-Chef Hans-Jo­sef Thön­nis­sen er­läu­tert. „Die bei­den Li­ni­en fah­ren jähr­lich ein De­fi­zit von 100.000 Eu­ro ein, ob­wohl es dort viel we­ni­ger Fahr­ten als beim Air­port-Shut­tle gibt.“Die Li­nie 37 von We­sel nach Keve­la­er ver­kehrt nur an Schul­ta­gen zwei­mal täg­lich, die Li­nie 53 zwi­schen Uedem und Gel­dern acht­mal am Tag. Der Air­port-Shut­tle da­ge­gen ist 20 mal am Tag in bei­de Rich­tun­gen un­ter­wegs, fährt von mor­gens fünf Uhr bis in die Nacht. 80.000 bis 90.000 Fahr­gäs­te gä­be es auf der Stre­cke. Wür­den die Stadt­wer­ke die Li­nie nicht mehr selbst be­trei­ben und ein pri­va­ter An­bie­ter über­neh- men, wür­de das für dir Stadt er­heb­lich teu­rer, ist Thön­nis­sen si­cher.

Aus sei­ner Sicht spre­chen noch ei­ne Rei­he von Ar­gu­men­ten für die Li­nie: Sie sei ech­te Wirt­schafts­för­de­rung, weil rund 200 Mit­ar­bei­ter des Flug­ha­fens in Keve­la­er woh­nen und den Bus nut­zen. Auch der Frei­zeit­park Irr­land wird über die Stre­cke an­ge­bun­den, au­ßer­dem sei es die Bus­ver­bin­dung nach Wemb

Aus Sicht der Stadt Keve­la­er sei die Air­port-Li­nie ein wich­ti­ger Ser- vice, der da­her auch wei­ter fort­ge­führt wer­den soll­te. Das sa­hen auch die Po­li­ti­ker so, im Rat gab es bei der Ab­stim­mung zur Ver­län­ge­rung der Kon­zes­si­on nur ei­ne Ge­gen­stim­me.

Die­se Ab­stim­mung gab es auch öf­fent­lich un­ter dem al­ler­dings et­was ver­wir­ren­den Punkt „Di­enst­leis­tungs­auf­trag zur Er­brin­gung öf­fent­li­cher Ver­kehrs­leis­tun­gen ge­mäß dem Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz“. Zu­vor war hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren be­ra­ten wor­den, was man­cher eben­falls kri­tisch sieht. Um den Bus wer­de ein gro­ßes Ge­heim­nis ge­macht, so der Vor­wurf. „Es geht um kon­kre­te Auf­trags­sum­men und Ver­trags­de­tails, da­her muss­ten die­se Be­ra­tun­gen nicht öf­fent­lich statt­fin­den“, er­läu­tert Thön­nis­sen. Das sei das nor­ma­le ver­fah­ren und auch bei an­de­ren Auf­trags­ver­ga­ben üb­lich.

RP-FO­TO: GOTT­FRIED EVERS

Der Air­port-Shut­tle fährt 20 mal am Tag zum Flug­ha­fen und zu­rück. Er sei auch un­ter dem Ge­sichts­punkt der Wirt­schafts­för­de­rung ein wich­ti­ger Ser­vice, heißt es.

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