KOM­MEN­TAR

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KLEVE - VON MAT­THI­AS GRASS

Wäh­rend der Bahn­hof be­reits von drei Sei­ten re­stau­riert wird, steht der Ab­riss des al­ten Bahn­steigd­a­ches in den Ster­nen. Kei­ner fühlt sich zu­stän­dig. Grü­ne for­dern zü­gi­ge Pla­nung des Bahn­hofs­vor­plat­zes.

KLE­VE Der Ab­riss des al­ten, bis jetzt als ma­ro­de ge­han­del­ten Da­ches über dem Bahn­steig des al­ten Bahn­ho­fes steht in den Ster­nen. Kei­ner fühlt sich zu­stän­dig: Zu­nächst war die Pla­nung, dass die Stadt das Dach im Rah­men der Gestal­tung des Bahn­ho­f­um­fel­des ab­reißt und die Flä­chen als Ein­gangs­tor Kle­ves für Bahn­fah­rer neu ge­stal­tet wird. Das Bahn­hofs­ge­bäu­de wur­de ver­kauft – doch für die Flä­chen des Per­rons ist kei­ne Lö­sung in Sicht.

„Es ist rich­tig, dass die Stadt Kle­ve kein Ei­gen­tü­mer des Bahn­steigd­a­ches ist und da­her nicht Initia­tor des Rück­baus sein kann“, be­stä­tig­te ges­tern Kle­ves Stadt­spre­cher Jörg Bol­ters­dorf auf An­fra­ge. Gleich­wohl ha­be die Stadt Kle­ve ein gro­ßes In­ter es­se dar­an, dass das Dach ab­ge­ris­sen wird, da­mit auch dort durch die Käu­fer Bau­mann & Wilm­sen ei­ne Sa­nie­rung er­fol­gen kann. Doch da gibt es, dar­auf hat­te auch Grü­nen­Che­fin Hed­wig Mey­er-Wil­mes ver­wie­sen, ein gro­ßes Pro­blem: Kei­ner fühlt sich zu­stän­dig und die Bahn hat gar kein In­ter­es­se am Ab­riss des ma­ro­den Da­ches. Bol­ters­dorf: „Die Deut­sche Bahn möch­te das Dach nicht ab­rei­ßen, da sich in die­sem Be­reich er­for­der­li­che Tech­nik be­fin­det, wel­che im Rah­men der ,Mo­bi­lil­tät­s­of­fen­si­ve’ in den 90-er Jah­ren an­ge­schafft und be­zu­schusst wur­de. Soll­te das Dach ab­ge­ris­sen wer­den, so sind laut der Deut­schen Bahn An­tei­le des Zu­schus­ses zu­rück­zu­zah­len“.

Das Gan­ze wird dann noch schrä­ger, denn das Dach muss­te vor nicht all­zu lan­ger zeit ge­si­chert wer­den. Auch das führ­te die Stadt an: „Auf den Hin­weis der Stadt Kle­ve, dass das Dach sei­tens der Deut­schen Bahn be­reits mit ei­nem Stütz­pfei­ler ge­si­chert wur­de und da­her schon aus die­sem Grund ein Ab­riss Sinn ma­chen könn­te, ent­geg­ne­te die Deut­sche Bahn, dass sie trotz­dem nicht das Er­for­der­nis für ei­nen Ab­riss se­he“, so Bol­ter­dorf.

Statt das al­te, wohl nach und nach ab­sa­cken­de Dach weg­zu­neh­men, will die Bahn bei Be­darf lie­ber wei­te- re, wohl deut­lich bil­li­ge­re Stütz­pfei­ler set­zen, wenn in Zu­kunft ei­ne wei­te­re Si­che­rung er­for­der­lich wer­den soll­te, so der Stadt­spre­cher. Sein trau­ri­ges Fa­zit: „Zum ge­gen­wär­ti­gen Zeit­punkt ist die Chan­ce des Ab­ris­ses sehr ge­ring. Die Stadt Kle­ve wird wei­ter­hin ver­su­chen, in Ge­sprä­chen die Deut­sche Bahn vom Ab­riss zu über­zeu­gen“, sagt Bol­ter­dorf.

Im Haus­halt der Stadt Kle­ve sind Mit­tel in Hö­he von 250.000 Eu­ro un­ter an­de­rem für den ei­gent­li­chen Rück­bau des Bahn­steigd­a­ches so­wie für wei­te­re Ein­zel­po­si­tio­nen, z.B. für Gut­ach­ter, Pla­ner und Fach­pla­ner, für Ar­bei­ten am Un­ter­grund, Un­ter­bau so­wie für Ent­wäs­se­rungs­ar­bei­ten und für ei­nen Aus­tausch von be­las­te­ten Bö­den im Be­reich des Bahn­hofs so­wie für die Ein­frie­dung der künf­ti­gen Bau­stel­le, auf­ge­nom­men wor­den. Mög­lich­kei­ten ei­ner Re­fi­nan­zie­rung der Ab­riss­kos­ten ha­ben sich bis­her nicht er­ge­ben, er­klärt die Stadt. Wer al­so künf­tig

Jörg Bol­ters­dorf mit dem Zug an­reist, steigt wei­ter­hin vor ei­ner nicht sa­nier­ten Fas­sa­de un­ter ei­nem dunk­len, ma­ro­den Dach aus. Das klang bei der Pla­nung für den neu­en zen­tra­len Bahn­hof mit fast di­rek­tem Über­gang vom Zug auf die war­ten­den Bus­se noch ganz an­ders.

Im­mer­hin liegt die Pla­nung für den Bahn­hof­platz im­mer noch in städ­ti­schen Hän­den. Hier for­dert Hed­wig Mey­er-Wil­mes: „Es kann ja nicht sein, dass der Bahn­hof sa­niert ist und es dann noch ein Jahr dau­ert, bis der Platz fer­tig ist. Das muss zeit­nah pas­sie­ren“. Da müs­se die Po­li­tik di­rekt nach den Som­mer­fe­ri­en nach­ha­ken, da­mit es vor­an­geht. Da das Vor­ha­ben ei­ne An­ge­le­gen­heit des Fach­be­rei­ches Tief­bau sei, dürf­ten dar­un­ter ja nicht die Hoch­bauPro­jek­te der Stadt lei­den – vor al­lem al­so die Schu­len, sagt sie.

Letzt­lich müs­sen auf dem Platz im Be­reich des ehe­ma­li­gen Bus­bahn­ho­fes die Park­plät­ze neu or­ga­ni­siert wer­den, muss ein Stand­ort für die St­ein-Skulp­tur des Kal­ka­rer Bild­hau­ers Chris­toph Wilm­sen-Wieg­mann ge­fun­den und ein Pflas­ter aus­ge­sucht wer­den.

Das Ein­falls­tor „Bahn­hof“nach Kle­ve ist nicht wirk­lich vor­zeig­bar. Bis jetzt. Das soll sich än­dern. Die neu­en, pri­va­ten Be­sit­zer des Bahn­ho­fes ha­ben mit der Sa­nie­rung be­gon­nen, ma­chen zü­gig vor­an. Da soll­te es im In­ter­es­se der Stadt sein, den Platz vor dem Bahn­hof eben­falls zü­gig in An­griff zu neh­men und zeit­nah mit dem Ge­bäu­de fer­tig zu stel­len. Die Grü­nen ha­ben recht, dass die Po­li­tik hier nach­ha­ken muss – schließ­lich will kei­ner vor dem Bahn­hof ein Dau­er­pro­vi­so­ri­um. Ob das gan­ze En­sem­ble in ab­seh­ba­rer Zeit über­haupt fer­tig wer­den kann, ist lei­der mehr als frag­lich. Die Bahn zieht sich hier aus der Ver­ant­wor­tung und straft ih­re groß an­ge­kün­dig­te Ak­ti­on von der Ver­schö­ne­rung deut­scher Bahn­hö­fe Lü­gen. Denn es ist die Bahn, die die Re­no­vie­rung des Klever Ein­gangs­to­res ver­mas­selt . . . Mat­thi­as.Grass @Rheinische-post.de

„Zum ge­gen­wär­ti­gen

Zeit­punkt ist die Chan­ce des Ab­ris­ses

sehr ge­ring.“

Spre­cher Stadt Kle­ve

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.