Kell­ner und Kö­che drin­gend ge­sucht

Rheinische Post Goch - - GRENZLAND POST - VON MARC CATTELAENS

Gast­wir­te und Ho­te­liers su­chen hän­de­rin­gend nach Mit­ar­bei­tern. Selbst Stel­len mit gu­ten Rah­men­be­din­gun­gen spre­chen of­fen­bar nie­man­den an. Wir ha­ben Gas­tro­no­men nach den Grün­den ge­fragt.

GOCH/KLE­VE/KAL­KAR Die Gäs­te kom­men zahl­reich – vie­le Gas­tro­no­men in der Re­gi­on kön­nen sich nicht be­schwe­ren. Und doch macht sich in letz­ter Zeit ein Pro­blem breit: Kö­che, Kell­ner und Rei­ni­gungs­kräf­te sind kaum zu fin­den. Gast­wir­te und Ho­te­liers er­hal­ten sehr we­nig Rück­mel­dun­gen auf ih­re Stel­len­aus­schrei­bun­gen.

„Vie­le wol­len nur schnel­les Geld ver­die­nen. Sie ste­hen mit ei­nem lan­gen

Ge­sicht her­um.“

Hei­di Ver­riet

Bei der Agen­tur für Ar­beit sind ak­tu­ell in Kle­ve 14 Ar­beits­stel­len und in Goch zehn Ar­beits­stel­len ge­mel­det. „Ge­sucht wird in den Be­rei­chen Kü­che, Ser­vice, Ho­tel und Rei­ni­gung“, sagt Spre­che­rin Sa­bi­ne Han­zen-Pa­prot­ta. Auch an Aus­zu­bil­den­de ist schwer zu kom­men. „In Kle­ve sind sechs Aus­bil­dungs­stel­len un­be­setzt, in Goch ei­ne Stel­le“, so die Spre­che­rin. Die Ge­werk­schaft Nah­rung-Ge­nuss-Gast­stät­ten (NGG) zählt im Kreis Kle­ve noch 51 of­fe­ne Stel­len für an­ge­hen­de Kö­che, Kell­ner & Co. Die­se Zah­len dürf­ten nur die Spit­ze des Eis­bergs sein, denn vie­le Gas­tro­no­men mel­den of­fe­ne Stel­len nicht, su­chen an­der­wei­tig nach Mit­ar­bei­tern.

„Das Be­set­zen of­fe­ner Stel­len in der Gas­tro­no­mie ist schwie­ri­ger ge­wor­den. Es kommt es vor, dass Ar­beit­ge­ber kei­ne Be­wer­bun­gen er­hal­ten und sie die Stel­len nach ei­ni­ger Zeit nicht mehr ver­öf­fent­li­chen. Selbst Stel­len mit güns­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen wie oh­ne Ar­beits­zei­ten am Abend oder am Sonn­tag spre­chen of­fen­bar kaum Be­wer­ber an“, sagt Han­zen-Pa­prot­ta.

Das kann Han Groot Ob­bink, Ge­schäfts­füh­rer des „Wun­der­land“in Kal­kar-Nie­der­mörm­ter be­stä­ti­gen. „Die Pro­ble­me sind groß“, sagt er. Im Frei­zeit­park mit an­ge­schlos­se­nem Ho­tel wer­den Kü­chen- und Ser­vice­kräf­te ge­sucht, in Voll­zeit mit 40 St­un­den oder als Aus­hilfs­job. Vor al­lem sei es schwie­rig, an Aus­hilfs­kräf­te zu kom­men. „Vie­le wol­len ar­bei­ten, aber die ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen ma­chen al­len das Le­ben schwer“, sagt Groot Ob­bink. So dürf­ten Aus­hilfs­kräf­te in be­stimm­ten Fäl­len nur ei­ni­ge St­un­den am Stück oder nur zu be­stimm­ten Ta­ges­zei­ten ar­bei­ten. Vie­len sei dann die An­rei­se zu lang oder ih­nen sei die Ver­dienst­mög­lich­keit zu ge­ring. „So kann man als Gas­tro­nom nicht pla­nen“, sagt der Wun­der­land-Ge­schäfts­füh­rer.

Im Kreis Kle­ve wa­ren zum 31. De­zem­ber 2016 ins­ge­samt 2897 ge­ring­fü­gig Be­schäf­tig­te in der Gas­tro­no­mie ge­mel­det. Das ist in et­wa auf Vor­jah­res­ni­veau. Da­ge­gen ist die so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Be­schäf­ti­gung in der Gas­tro­no­mie von De­zem­ber 2015 auf De­zem­ber 2016 um 226 Per­so­nen oder 17,8 Pro­zent zu­rück­ge­gan­gen. Groot-Obink sieht auch die Ar­beit­ge­ber in der Ver­ant­wor­tung, die Jobs at­trak­tiv zu ge­stal­ten. „Wir müs­sen uns um die Mit­ar­bei­ter küm­mern, mit ih­nen pla­nen, wann sie Frei­zeit brau- chen“, sagt er.

Hei­di Ver­riet ist Be­triebs­lei­te­rin im Re­stau­rant „Ven­ga Lounge“in Kle­ve. „Be­wer­bun­gen kom­men sehr schlep­pend“, sagt sie. Im Ser­vice und an der The­ke fehlt ihr Per­so­nal. Ver­riet sieht das Pro­blem eher auf der Be­wer­ber-Sei­te. „Wir brau­chen Men­schen mit Spaß an der Ar­beit, die sich ger­ne mit den Gäs­ten un­ter­hal­ten, ein Lä­cheln auf den Lip­pen ha­ben. Dar­an man­gelt es vie­len Be­wer­bern. Sie wol­len nur schnel­les Geld ver­die­nen und ste­hen dann mit ei­nem lan­gen Ge­sicht in der Ge­gend her­um“, sagt Ver­riet. Aus die­sem Grund hat sie schon vie­len Be­wer­bern ab­sa­gen müs­sen. „Wir ver­su­chen, neue We­ge zu ge­hen und et­wa auch auf Face­book nach neu­en Mit­ar­bei­tern zu su­chen“, sagt sie. Bis­lang hat auch dies nicht den ge­wünsch­ten Er­folg ge­bracht.

RP-FO­TO: EVERS

Ser­vice­kraft Fleur de Vries, „Wun­der­land“-Ge­schäfts­füh­rer Han Groot Ob­bink und Koch Frank Völ­lings (v.l.) wür­den sich über neue Kol­le­gen freu­en.

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