Für ei­nen li­be­ra­len Is­lam

Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS - VON PHIL­IPP JA­COBS

Als die Frau­en­recht­le­rin Sey­ran Ates Mit­te Ju­ni in Ber­lin die Ibn-Rushd-Goe­the-Mo­schee er­öff­ne­te, er­schie­nen et­li­che Ka­me­ra­teams. Manch­mal wirk­te es, als sei ein Rock­star ein­ge­trof­fen. Da­bei hat­te Ates le­dig­lich ei­ne Mo­schee ge­grün­det, in der Män­ner und Frau­en jed­we­der Glau­bens­strö­mung ge­mein­sam un­ver­schlei­ert be­ten und pre­di­gen kön­nen. War­um das so ein Er­eig­nis war? Weil der li­be­ra­le Is­lam noch im­mer im Schat­ten steht – auch in Deutsch­land. Das ver­staub­te re­li­giö­se Welt­bild man­cher eta­blier­ten Mo­schee­ver­bän­de ist viel zu prä­sent. Hin­zu kommt: Der li­be­ra­le Is­lam ist bis­lang nur ei­ne Art Per­so­nen­kult oh­ne Struk­tu­ren.

Na­tür­lich gibt es ent­spre­chen­de Ver­ei­ni­gun­gen und Ver­bän­de, die groß­ar­ti­ge Ar­beit leis­ten. Doch ge­nie­ßen sie nicht die An­er­ken­nung, die sie ver­dient ha­ben. Das zu än­dern, ist auch Auf­ga­be der Po­li­tik. Die Be­reit­schaft, sich für ei­ne sä­ku­la­re Form des Is­lam ein­zu­set­zen, muss wach­sen. Und je­ne, die be­reits Ein­satz zei­gen, müs­sen in ih­rem Han­deln be­stärkt wer­den. Denn zu ei­ner to­le­ran­ten und mo­der­nen Ge­sell­schaft ge­hört auch ein to­le­ran­ter und mo­der­ner Is­lam. Das kla­re Be­kennt­nis der NRW-Lan­des­re­gie­rung zu mehr li­be­ra­len Mo­sche­en ist des­halb wich­tig und nach­ah­mens­wert. BE­RICHT

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