Die un­ge­be­te­nen Gäs­te rei­sen wie­der ab

Rheinische Post Goch - - GOCH / UEDEM - VON SEBASTIAN LATZEL kle­ve@rhei­ni­sche-post.de 02821-59821 RP Kle­ve rp-on­li­ne.de/whatsapp 02821-59828

Mit ei­nem mas­si­ven Po­li­zei­auf­ge­bot ist das Camp der iri­schen Land­ar­bei­ter am Bahn­hof auf­ge­löst wor­den.

KEVELAER So ein Po­li­zei­auf­ge­bot hat Kevelaer ver­mut­lich zu­letzt beim Be­such von Papst Jo­han­nes Paul ge­habt. Gleich zwei Hun­dert­schaf­ten sind ge­kom­men, um da­mit deut­lich zu ma­chen, dass Kevelaer es mit dem Ul­ti­ma­tum ernst meint. Punkt 12 Uhr soll der Eu­ro­pa­latz am Bahn­hof ge­räumt sein. Das ha­ben die iri­schen Tra­vel­ler von der Stadt auch schrift­lich be­kom­men.

Am Abend vor­her wa­ren sie, wie be­rich­tet, aus Düsseldorf nach Kevelaer ge­kom­men. Sie sei­en von der Po­li­zei an den Nie­der­rhein es­kor­tiert wor­den. Hier hat­ten sie sich am Eu­ro­pa­platz di­rekt am Bahn­hof nie­der­ge­las­sen. Fast 150 Ge­span­ne zähl­te die Po­li­zei. Nach ei­ner La­ge­be­spre­chung kam man über­ein, den Iren die Über­nach­tung auf dem Ge­län­de zu er­mög­li­chen. „Das Pro­blem wä­re in der Nacht gar nicht zu lö­sen ge­we­sen“, sagt Bür­ger­meis­ter Do­mi­nik Pich­ler. Al­ler­dings ver­stän­dig­te das Ord­nungs­amt die Gast­stät­ten in der Ci­ty, die dar­auf­hin fast al­le schlos­sen. Le­dig­lich der Han­dels­hof soll noch ge­öff­net ge- we­sen sein. Die Nacht sei ziem­lich ru­hig ge­we­sen, so die Po­li­zei. Es gab le­dig­lich ei­nen grö­ße­ren Vor­fall, als die Be­am­ten ei­nen jun­gen Iren mit sei­nem Wa­gen stopp­ten und zum Al­ko­hol­test ba­ten. Dar­auf­hin ha­be sich die Si­tua­ti­on hoch­ge­schau­kelt, so Po­li­zei­spre­cher Achim Jas­pers. Et­wa 50 Wan­der­ar­bei­ter rot­te­ten sich zu­sam­men, um ih­rem Kol­le­gen zur Hil­fe zu ei­len. Die Po­li­zei for­der­te Un­ter­stüt­zung aus der Um­ge­bung an, zahl­rei­che Strei­fen­wa­gen aus den Nach­bar­krei­sen wa­ren dar­auf­hin zum Eu­ro­pa­platz ge­kom­men. Schließ­lich be­ru­hig­te sich die La­ge. Der Ver­dacht auf Al­ko­hol am Steu­er ha­be sich nicht be­stä­tigt, heißt es.

Jetzt, we­ni­ge St­un­den nach die­sem Vor­fall, ist die Zahl der Po­li­zei­wa­gen in Kevelaer deut­lich ge­stie­gen. Mann­schafts­wa­gen ver­sam­mel­ten sich zu­nächst am Park­platz an der Hüls. Die ers­ten Wan­der­ar­bei­ter, die un­ter dem Be­griff „Tin­ker“be­kannt sind, ha­ben die Wohn­wa­gen be­reits wie­der an ih­re Ober­klas­se­wa­gen ge­hängt und ma­chen sich auf den Weg. Als um 11.30 Uhr die ers­ten Au­tos der Po­li­zei vor­fah- ren und auch Ab­schlepp­wa­gen auf­tau­chen, die das Ord­nungs­amt be­stellt hat, kommt rich­tig Be­we­gung in das Cam­per­la­ger. „Der An­blick der Po­li­zei hat die Be­reit­schaft zum Auf­bruch sicht­bar er­höht“, sagt der Bür­ger­meis­ter. Al­les läuft fried­lich ab. Die sonst Frem­den ge­gen­über eher ver­schlos­se­nen Iren sind heu­te un­ge­wöhn­lich of­fen. Er wol­le jetzt erst nach Frank­reich und dann zu- rück nach En­g­land, er­zählt ein Wan­der­ar­bei­ter. Ob er we­gen des Är­gers hier fah­re? „Nein, nein“, ver­si­chert er. Die Leu­te in Kevelaer sei­en al­le „lovely“(„nett“) ge­we­sen.

Ei­ne Frau in ei­nem an­de­ren Wa­gen weiß noch gar nicht wo­hin die Rei­se geht. Sie fah­re nur hin­ter­her, das Ziel be­stim­me der Boss, sagt sie. Der frei­lich ist auf dem sich lee­ren­den Ge­län­de nicht auf­zu­trei­ben. Um 12.05 ist der Park­platz kom­plett leer. Rich­tung Hes­sen sei­en die Land­ar­bei­ter un­ter­wegs, so die Stadt­ver­wal­tung. Da­her wa­ren auch schon Be­am­te aus Frank­furt in Kevelaer, um die Wa­gen in den Sü­den zu be­glei­ten.

Die Ver­ant­wort­li­chen der Stadt zie­hen ein po­si­ti­ves Fa­zit: „Es hat sich ge­zeigt, dass das, was in Düsseldorf mög­lich ist, auch in Kevelaer mög­lich ist“, sagt Ord­nungs­amts­lei­ter Ludger Hol­la. Die Zu­sam­men­ar­beit mit der Po­li­zei ha­be bes­tens funk­tio­niert.

Die Stadt hat­te auch die Ord­nungs­äm­ter der Um­ge­bung in­for­miert. Dar­auf­hin wa­ren zur Si­cher­heit die be­kann­ten Tra­vel­ler-Parkplätze in Weeze an der Au­to­bahn, in Wal­beck am Frei­bad so­wie in Wach­ten­donk blo­ckiert wor­den.

IHR THE­MA?

Dar­über soll­ten wir mal be­rich­ten? Sa­gen Sie es uns!

Zen­tral­re­dak­ti­on

Tel. E-Mail:

Le­ser­ser­vice

RP-FO­TOS: EVERS, LATZEL

Mehr als 120 Wohn­wa­gen­ge­span­ne hat­ten sich am Eu­ro­pa­platz ver­sam­melt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.